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Der Israelit · 1894-06-04 · Heft 44 (4.6.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 44 (4.6.1894)
Date
1894-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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808 fahren, aber nicht um das darin niedergelegte Gottesgefttz kennen zu lernen, vor allen Dingen aber nicht, um diesem Gesetz nun auch die That ihres Lebens zu unterstellen! .pnnrr ynnK yyi iwtn pr*o vy -idm Der Weise spricht über das erste, zuerst und über das letzte zuletzt. — Es liegt auf der Hand, daß wer eine Leiter besteigen will, mit der untersten Sproffe beginnen muß. Auf dieser untersten Sproffe fühlt man sich kaum höher als der Erdboden, aber sie ist doch nicht zu umgehen. Nur über sie führt der Weg zur zweiten Sproffe und zuletzt zur allerhöchsten. Genau dasselbe ist auch beim Deduciren neuer Lehren und Wahrheiten der Fall. Am anschaulichsten tritt dies in der Mathematik und Geomettie hervor. Die Prämissen für ihre Lehrsätze sind so schlicht und klar, daß man kaum glaubt, auf ihnen etwas Wichtiges aufbauen zu können. Der Weise ordnet nun sorgfältig den Lehrstoff, um ihn dem Verständniß des Hörers möglichst gut übermitteln zu können. Ein anderes Ziel hat er bei seinem Vortrag nicht. Wenn daher selbst der unerfahrene Hörer die Methode, bei der er anfänglich lauter einfache, selbstverständliche Dinge hört, langweilig und wenig ansprechend finden sollte, so hält das den rnn nicht zurück, erst über das erste und zuletzt über das letzte zu sprechen. Der tbu will dagegen brilliren und erträgt es nicht, daß man ihn auch nur vorübergehend nicht als das n<m plus ultra alles Wissens halte, deshalb verräth er den Ausgang voraus, wenn auch die ganze Darstellung dadurch verworren und unverständlich wird, sobald nur sein Rennomse gegen jeden Zweifel sicher gestellt ist. Die richtige Grupptrung des Stoffes bei irgend einer Darstellung mag sie erzählenden, belehrenden oder welchen Inhaltes sonst auch immer sein, ist oft so entscheidend wie der Gegenstand selbst, um dessen Mittheilung es sich bandelt. Ein ganz triviales, aus dem Leben gegriffenes Beispiel mag dies veranschaulichen. — Jemand erzählt folgende Geschichte: Eine Familie saß Abends zusammen und hörte plötzlich eine Bewegung, als wenn eine Walze oder ein Rad über ihren Häuptern hingtnge. Die Bewegung wiederholte sich in unregelmäßiger Aufeinanderfolge. Unmittelbar über den Versammelten befand sich der Speicher. Der Vater ging von seiner ältesten Tochter begleitet leise zum Speicher hinauf. Auf der Treppe hörten sie noch das Geräusch, kaum hatte der Schlüssel im Schlosse geknarrt, als das Geräusch plötzlich nachließ und als sie die Thüre weit geöffnet hatten, war es ganz verstummt. Sie gingen wieder in das Zimmer zurück, hatten aber kaum ihren Platz am Familienttsch eingenommen, als der tolle Spuk von neuem anging. Eine zweite Jnspection hatte genau dasselbe Resultat. Beim dritten Male hatte sich der Vater noch einen Nachbar mitgenommen, um gründlich das Innere des Speichers zu untersuchen. Bet der Untersuchung stolperten sie über eine auf dem Boden liegende Weinflasche, in welche eine Maus gekrochen war. Sie hatte sich an den Erbsen, welche in der Flasche waren, so gütlich gethan, daß sie durch den engen Hals nicht wieder zurück konnte. Sie sprang in der Flasche umher wie ein Eichhörnchen in seinem Drathrad und brachte damit die Flasche ins Rollen. Sobald sie Menschentritte hörte, hielt sie scheu inne und damit hatte auch die Bewegung der Flasche aufgehört. Ein weiser Erzähler kann aus dieser Geschichte eine sehr spannende Erzählung machen und zwar dadurch, daß er das erste zuerst und das letzte zuletzt darstellt. Je mehr es ihm gelingt zuerst die Spannung und Aufregung der Familie zu schildern, welche der über ihren Häuptern kreisende vermeintliche Spuk veranlaßt hatte, um so heiterer löst sich die ganze Affaire auf, wenn man zuletzt den richtigen Sachverhalt erfährt. Ein kann aber das Geheimniß dieses Ausgangs nicht so lange bet sich behalten, er muß sofort und bei jeder Gelegenheit seine Ueberlegenheit bekunden, er ist im Stande, der ganzen Sache jeden Reiz und alle Pointe dadurch zu nehmen, daß er z. B. sagt, er wolle die Geschichte der Maus in der Weinflasche erzählen. Er hat dann das letzte zuerst und das erste zuletzt erwähnt und sich eben als c&u bekundet. Wenn diese richtige systematische Grupptrung des Stoffs schon für Gegenstände des alltäglichen Lebens von solcher Bedeutung ist, so kann man leicht ermessen, welche Bedeutsamkeit sie erst für die Wissenschaft der Thora hat. „Lernen" heißt hier geradezu „Ordnung etnh alten." Wenn uns z. B. gesagt werden soll, wie Israel die mündlich zu überliefernde Thora sich angeeignet hat nsra ns byw min so lautet die stehende Frage danach: wvo rnv nxo „Wie ist die Ordnung der Mtschna?" (Talmud Erubin fol. 54 d.) Lernen heißt: den Lehrstoff in systematischer Ordnung sich aneignen. (Vergl. Talmud Taanith fol. 8. rn ^naa r£y r.wp -ra^n nw dn idm '»jno n d d 'in wph «rn 'b mno n:w '•di p'v: pymN). Auf die Wissenschaft der Thora angewandt, mit Rücksicht auf welche ja in erster Reihe hiervon 03n und die Rede ist, dürften die Worte noiro ]nnn inrw by\ piwo |nwo by noch eine andere, in der Eigenart der Thorawiffenschaft begründete Auffassung gestatten. Bet allen Wissenschaften dünken sich ihre zeit-

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