Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1894)
- Date
- 1894-05-31
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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797 ten gelebt hat, also etwas aufgehoben haben mußte, was damals noch gar nicht gesprochen war! Das Ganze schließt wieder mit einer Schnorrerei von 50 Pfennigen, die noch durch Bibelverse begründet wird. Wie man ein solches Gebühren rechtfertigen kann, ist mir unbegreiflich. (Anmerkung der Redaction.) Wir haben das Vorgehen des Herrn S. keineswegs in Nr. 22 gebilligt, sondern nur dessen uns seit Jahren bekannte ehrenwerthe Gesinnung betont. Daß dieselbe Ausschreitungen wie die gerügten nicht rechtfertigen, wenn auch vielleicht milder beurtheilen lassen kann, liegt auf der Hand. — Gegen die Publikationen des Herrn S. sind uns inzwischen verschiedene Bemerkungen zugegangen, von welchen wir eine hier folgen lassen. „Eine Druckschrift, welche sich „Drei Neue Chidusche Thora" nennt, bringt den Laien in Verwirrung. Ein Empfänger dieser neuen Chtduschim (s. h. ci'tfrm läßt bei mir anfragen, was dies bedeute. Nachdem ich diese Druckschrift als unwichtig dem Fragesteller erklärte, möchte ich dem Erfinder der D'Bmn n&vrn fragen, womit er, da er gegen den Ausdruck „^2" ins Feld zieht, den Ausdruck der Mtschna wn pwi 'a pas nnn wiederlegen könnte, indem das „^roNbc tyn" doch auch n*apn gemeint sei. Heutzutage bei dem großen Mangel an Ueberfluß von n-nnn »tid^ gibt es wichtigeres zu thun, als vuiunpn mpn uj mit solchen Waffen zu kämpfen. Bei etwas wenig Bescheidenheit hätte der Verf. des bekannten Ausspruchs gedenken müssen: OUHMOn ON1 D'IN U3D UN D’DN^DD DUUMOn ÜN -UN DIN UDD N. H. in C. München. Die Schacht-Angelegenheit, welche gegenwärtig fast in allen Ländern Europas zur Discussion steht, hat, bei allem wüsten Staub, den sie vielfach aufwirbelt doch auch ihre Lichtseiten. Als solche ist in erster Reihe das einmüthige Votum der Wissenschaft zu Gunsten der so ungerecht angefeindeten Institution anzusehen und die Ehrenrettung, welche diese glänzende Verteidigung für das ganze Judenthum und seine Bekenner bedeutet. Ein anderer Vortheil beruht in dem jüdischerseits vielfach zu Tage tretenden Bestreben allen nichtigen Vorwänden der Schächtgegner durch Verbesserungen entgegen zu kommen, welche die Vorbereitungen zum Schächten, das Niederlegen, Fesseln, Fixiren der Schlachtthiere und alle die Veranstaltungen zum Gegenstände haben, die eigentlich nicht den Schächtakt selbst, sondern die Vorbereitungen dazu berühren. Wenn auch nach dieser Seite hin soweit es den Thierschutz betrifft, bereits alles in bester Ordnung ist, so ist man von jüdischer Seite dennoch gern zu jeder Verbesserung geneigt, die auch dem Uebelwollendsten jede Veranlassung zu einer Kritik entzieht. Die Verbesserungen, Erfindungen, neue Niederlegmethoden, Kopfhalter k. schießen nun tagtäglich wie Pilze aus der Erde. Es wird sich nun darum handeln das Neue eingehend und vorsichtig zu prüfen, bevor man die bewährte alte Methode aufgtbt. — Unter der Ueberschrift: „Verbesserung der Schlachtmethode" begegnen wir in den Zeitungen neuerdings folgender Notiz: „Zu der in letzter Zeit vielfach erörterten Frage „Schlachten oder Schächten", die aber nunmehr durch das Urtheil von 253 Sachverständigen zu Gunsten des letzteren entschieden wurde, wird uns, aus Waldenburg in Schlesien von einem Apparat berichtet, der geeignet sein dürfte, auch die empfindlichsten Gemüther der Herren Thierschützler voll nnd ganz zu befriediegen, denn es wird durch diesen ermöglicht, das rituelle Schächten, ohne vorheriges Niederlegen, im stehenden Zustande sicher und leicht auszuführen. Der Apparat befindet sich in einer Vertiefung von ca. 30 Centimer; darüber, und zwar ganz eben mit dem Schlachthofboden, find feste, ganz glatte Holzbohlen gelegt. Quer über diesen Holzboden befindet sich nichts weiter als vier breite Elsenbänder, die mit Kork- oder Gummiplatten belegt sind; diese Elsenbänder sind durch je zwei Eisenstäbe mit dem Mechanismus unterhalb des Bodens verbunden. Das Rind wird nun auf diese Holzfläche geführt, was ja ohne Schwierigkeit geschieht, da die Eisenbänder mit dem Gummibelag nur ca. 3 Centimeter stark sind. Nun wird ein Seil in genügender Entfernung hinter dem Rinde angezogen, dadurch gleiten die Eisenstäbe in die dazu bestimmten Löcher des Holzbodens und bleiben in einer Höhe von ca. 30 bis 35 Centimeter aufrecht stehen, so daß je zwei Eisenbändern mit dem Gummibelag die Vorder- und wieder zwei die Hinterfüße, hinten und vorn, in feste Verklammerung nehmen, und zwar in der Gegend der Knieegelenke, gleichviel welche Fußstellung das Rind auch etnnimmt. Gleichzeitig wird an derselben Stelle wie das erste ein zweites Seil angezogen, dieses ist an einem Ledergurt befestigt, der vorher schon auf dem Kopf des Rindes gestreift ist und mit welchem das Rind in den Schlachthof geleitet wird. Durch das Anziehen dieses Seiles wird der Kopf so weit nach hinten gebogen, bis der Hals straff gespannt ist, worauf der Schächtschnitt mit Leichtigkeit, ohne jeden Druck, ohne jede Anstrengung ohne jede Gefahr, allerdings in horizontaler Richtung vollzogen