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Der Israelit · 1894-05-31 · Heft 43 (31.5.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 43 (31.5.1894)
Date
1894-05-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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' " ■ i- Vj-'apir E- ^w*i .'RX Ml-'tfJIL>v.)^MH,,.MWMMWWMMßMM im beiden in Diez vorhandenen jüd. Waisenhäuser in Augenschein genommen, worauf sich alle Anwesenden wieder in den Sitzungssaal des StoÜ'schen Gasthauses zurückbegaben und alsbald zur Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes schritten. Auf Vorschlag de- Herrn W. Frank-Westerburg wurde unser bisheriger Schriftführer, Herr Fröhlich, Weilburg, zum stellvertretenden Vorstande und der Unterzeichnete als Schriftführer gewählt. Hierauf wurde bei Revision der Statuten der jährl. Beitrag von 8 Mark auf 2 M. herabgesetzt. — Nun entspann sich eine lebhafte Debatte über den zu wählenden Delegirten für die im Laufe der Sommers stattfindende Delegirten-Versammlung deallgemeinen deutsch. Lehrerbunde». Nachdem Herr W. Frank-Westerburg, welcher in Vorschlag gebracht worden, die Wahl abgelehnt, wurde unser erster Vorsitzender, Herr S. Lomnitz, Diez per Akklamation gewählt. Die Besprechung wichtiger Vereinsangelegenheilen zog sich so sehr in die Länge, daß eine Debatte über die Lehrprobe des Herrn Dr. Landau auf die nächste Konferenz, welche wiederum am ersten Pfingsttage kommenden Jahrein Weilburg stattfinden wird, verschoben werden mußte. — Auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz setzte man: 1. Bortrag über Konzentration de» Unterrichts in der Religionsschule. 2. Probelektion im Konzentrationsunirrricht; Referent: A. Fröhlich, Weilburg. 3. Debatte über die in Diez gehaltene Lehrprobe des Herrn Dr. Landau. 4. Vortrag: Welche Gebetstücke sind zuerst, welche später mit Bezugnahme auf den Religionsunterricht in den verschiedenen Abtheilungen durchzunehmen; Referent: Stamm, Selter». Am Schluffe gedachte Herr Frank-Westerburg in wenigen, aber herzl. Worten de» jüngst verschiedenen Lehrerveteranen und edelherzigen Vorsitzenden der „Achawah" und mehrerer wohlthätigerStiftungen und Vereine, des Herrn Adolf Teblöe. Man ehrte da» Andenken desselben durch Erheben von den Sitzen. Der Löwenantheil unserer so lehrreichen Konferenz gebührt unstreitig Herrn Dr. Landau, der aus seinem reichen Geisterborne alle wissensdurstigen Anwesenden reichlich zu tränken verstand. — So schön und belehrend diese Sitzung auch war, zu bedauern bleibt dennoch, daß die Betheiligung an derselben nur als eine spärliche zu bezeichnen ist. Wünschenswerth und erfreulich zugleich wäre es, wenn auf der nächsten Versammlung die Präsenzliste der israel. Lehrer Nassau» ihre volle Zahl 37 enthielte. — Fröhliche» Wiedersehen in Weilburg! Hadamar. Adolf Oppenheimer, Schriftführer. Zeit«ngS«achrichten und Corresponderrzerr Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie», 28. Mai. (Abgeordnetenhaus.) Der Ministerpräsident Windischgrätz beantwortete die Interpellation betreffend die antisemitische Agitation des Weinhauser Pfarrers Deckert dahin, daß die Staatsanwaltschaft bezüglich der Predigten keinen Anlaß hätte, einzuschretten, und wegen Colportragc Deckert zu einer Geldstrafe verurtheilt wurde. Das fürsterzbischöfltche Ordinariat habe Deckert angewiesen, künftighin bet seinen Predigten der Heiligkeit des Ortes und des Amtes stets eingedenk zu sein. Die Regierung müßte ihrem lebhaften Bedauern Ausdruck geben, wenrt seitens eines Seelsorgers bet der gottesdienstlichen Handlung Töne leidenschaftlicher Unduldsamkeit angeschlagen worden wären, die an lebhaft erörterte Parteifragen anklingend zumal in der gegenwärtigen, von den verschiedensten Erregungen und Widersprüchen erfüllten Zeit geeignet sein müßten, die ohnehin in weiten Kreisen vorhandene Beunruhigung zu steigern Schweiz. Zürich. Die Stimmung, wie sie sich nach und nach in der Tagespresse über das Schächtverbot äußert, ist in dem kürzlich erschienenen Aufsatz „Das Schweizerische Schächtverbot in der Praxis" zutreffend charakterisirt worden. — Interessant ist in diesem Sinne eine Correspondenz aus der Centralschweiz, nicht nur wegen ihres Inhaltes, sondern auch wegen der Zeitung, die sie reproduzirt. Das ist die „N e u e Z ü r i ch e r Z e itung." Es ist dies das einzige größere Blatt der Schweiz, welches eifrig einem Schächtverbot das Wort redete. Heute läßt sich dasselbe Folgendes schreiben: „Am internationalen Thierschutzkongreß, der Mitte August diese» Jahres in Bern stattfinden soll, wird auch der Stand der Schächtfrage in der Schweiz besprochen werden. Ich bin im Falle, zu diesem DiSkusstonSthema einen kleinen Beitrag zu leisten, gestützt auf Erkundigungen, die ich als zuverlässig bezeichnen darf. Vorerst die Bemerkung, daß ich ein Gegner deS sog. SchächtartikelS der Bundesverfassung war, erstens aus dem Grunde, weil mir die Ueberzeugung fehlt, daß das Schächten eine Tierquälerei sei, mehr aber noch aus dem andern Grunde, daß ich von vorherein annahm, die neue Verfassungsvorschrift werde nicht ausgeführt werden. Obwohl sie nicht einzig das israelitische Schächten ins Auge faßt, sondern sich auch auf die bei den Christen übliche Schlachtart bezieht, dachten die meisten Leute nur an das erstere und übersahen das letztere gänzlich. Der weitaus überwiegende Theil der Jasager wollte lediglich das Schächten verpönen; es kam ihnen nicht in den Sinn, daß auch die auf dem Lande bezüglich des Kleinviehs herrschende Schlachtmethode durch den neuen Artikel betroffen werde. Die Folge ist nun, daß die Landmetzger Kälber, Schafe und Ziegen nach wie vor einfach „stechen", d. h. durch den Kehlschnitt zum Verbluten bringen, während der neue Verfassungsartikel vorschreibt, daß alle Schlachtthiere vor dem Blutentzug betäubt werden sollen und daß diese Vorschrift 'ür jede Schlachtmethode und jede Viehgattung Geltung habe. Außerhalb des städtischen Schlachthauses von Luzern wird diese Vorschrift wohl von der ganzen Centralschweiz (ich verstehe darunter die Waldstätte und Zug) nirgends gehandhabt; die Landmetzger fahren einfach in ihrer alten Methode fort: das Großvieh wird geschlagen, da» Kleinvieh dagegen abgestochen, und weder die KantonSregierung noch die Gemeinderäte denken daran, dem neuen Verfassungsartikel Geltung zu verschaffen. Freilich hätten sie viel zu thun, wenn sie letzteres unternehmen wollten; denn auf dem Lande wird eben nicht bloß in dm Lokalen der Metzger, sondern auch auf den Bauernhöfen geschlachtet, zu welchem Behufe gewöhnlich ein Metzger herbeigeholt wird, und es ist daher fast unmöglich, eine richtig funktionierende Aufsicht und } i iri 11 ilüMMMMr

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