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Der Israelit · 1894-05-31 · Heft 43 (31.5.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 43 (31.5.1894)
Date
1894-05-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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WMW8WWWWWW WW 789 reichen Beifall und erhebt sich auf Antrag des Vorsitzenden zum Ausdrucke des Dankes von ihren Sitzen. Die Schlußrede hielt Herr Rabb. Dr. Frank mit dem Wunsche, daß Gottes Segen auf der Arbeit der Lehrer ruhen möge. Der Vorsitzende dankte dem Redner für die in Eöln gefundene überaus freundliche Aufnahme, dem deutsch-israel. Gemeindebunde für die bewilligte Reiseunterstützung und den Ehrengästen für ihr zahlreiches Erscheinen. Nachdem nun auch dem Herrn Steinweg für die vortreffliche unparteiische mühevolle und umsichtige Leitung den ihm gebührenden Dank ausgesprochen worden, schloß der Vorsitzende die Conferenz. Man reichte sich zum Abschied die Freundeshand, und fort gings mit dem Dampfpferd der Heimath zu mit dem Wunsche im Herzen: Auf frohes Wiedersehen im nächsten Jahre. Die Schriftführer: Weinberg—W i ckr a t h. Seelig—G revenbroich. PvufoUoII üer am 13. Mai 1894 im Statischen Saale in Diez a. d. Lahn staltgehaltten Versammlung des Vereins der isracl. Lehrer Nassaus. In dem herrlich gelegenen und schönen Städtchen Tiez a. d. Lahn tagte am 13 Mai a. c. der Verein der Israel. Lehrer Nassaus. Von den ca. 37 Kollegen unseres Regier. Bezirks waren bedauerlicher Weise nur 18 anwesend. Die Herren DDrr. Silberstein-Wiesbaden und Landau-Weilburg, die Ehrenpräsidenten unseres Vereins, Kreisvorsteher Leopold Rosenthal, wie auch der Watsenvater H. Kadden aus Diez erfreuten uns durch ihre Gegenwart. — Auf der Tagesordnung standen: 1. Begrüßung der Anwesenden und Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes. 2. Der Unterricht in der Religionsschule nach dem Grundsätze des kleinsten Kraftmaßes; Referent: Herr Dr. Landau-Weilburg. 3. Probelektion in der bibl. Geschichte nach Herbart'scher Methode; Referent: Frank-Idstein. 4. Revision der Statuten. 5. Gründung eines deutsch-israel. Lehrerbundes; Referent: Lomnitz-Diez. tz. Vereinsangelegenheiten. Der Vorsitzende Herr S. Lommnitz, Diez eröffnete die Versammlung um IO1/* Uhr. In einer längeren, schwungvollen. zu Herzen gehenden Ansprache begrüßte er die Anwesenden und hob unter anderem hervor, daß wir bedauerlicher Weise den Verlust unseres nach Groß-Steinheim lHessen) übergesiedelten, rührigen Stellvertreters des Vorstandes, Herrn Ph. Falkenstein zu beklagen hätten. — Nachdem der Vorsitzende seine allseitig beifällige Anrede mit einem auf seine Kaiser!. Königl. Majestät ausgebrachten Hoch, in welches alle kräftig einstimmten, geschlossen, gab er Herrn Dr. Landau das Wort zu seinem Vortrage: „Der Unterricht in der Religionsschule nach dem Grundsätze des kleinsten Kraftmaßes". Diese Arbeit verdient, wenn sie auch eine rege Debatte hervorrief, als eine in jeder Beziehung hervorragende Leistung bezeichnet zu werden. Der ungefähr 1 Stunde andauernde Vortrag war dreifach gegliedert: I. Anwendung des kleinsten Kraftmaßes beim Unterricht in der hebr. Sprache: Lesen, Uebersetzen und Grammatik. Der Voriragende begründete seine Forderung, daß äußerste Korrekiheit bei Erlernung der hebr. Sprache unerläßliche Bedingung sei, in so evidenter Weise, daß die seitens des Herrn Lomnitz dagegen gemachten Einwände für hinfällig erachtet werden mußten. Herr Lomnitz vertrat nämlich die Ansicht, daß es bester sei auf der untersten Stufe das Lesen schnell, aber ohne grammatische Regeln zu lehren, als auf den Unterricht desselben den größten Theil der Zeit zu verwenden; da nämlich die Eltern der Kinder, welche das richtige Lesen in der Regel ja doch nicht zu würdigen wüßten, dem geläufigen, beim Beten in der Synagoge zur Anwendung gelangenden Lesen, den Vorzug geben. Hiergegen machten die Herren Dr. Silberstein-Wiesbaden und W. Frank-Westerhurg mit Nachdruck geltend, daß wenig und gut besser sei als viel und schlecht. — Herr W. Frank hob noch besonders hervor, daß in Betreff des Religionsunterrichts in Nassau den Eltern rer Kinder kein Urtheil über die Leistungen der Religionsschule zustehe, da dieses allein Sache der Schulinspektion sei. Schließlich wurde folgende von Herrn Dr. Silberstein formulierte These: „Korrektes Lesen ist mit dem Beginn des Leseunterrichtes anzustreben", zum Gesetz erhoben. Was nun das Uebersetzen anbelangt, so ist dieses auf Grund des korrekt erlernten Lesens, verbunden mit Einprägung der wichtigsten grammatischen Regeln durch alle Klassen zu handhaben und auch hier gilt wieder der leitende Grundsatz: „besser wenig und gründlich als viel und oberflächlich". Daher wurde auch einstimmig die These angenommen: „Der UebersetzungSstoff ist in korrektester Weise zu behandeln und mit grammatikalischen Uebungen zu verbinden". III. Die Ausführungen des Herrn Referenten auf dein Gebiete der bib!. Geschichte gipfelten in der Forderung, daß mit Zuhilfenahme einer guten Karte von Palästina ebensoviel Werth auf die Namen- und Sacherklärung, als auf die Hervorhebung der in der Bibel so zahllos vorhandenen ethischen Momente Rücksicht zu nehmen sei. Nach einer kurzen Debatte wurde nachstehende These fast einstimmig angenommen: „Ter bibl. Geschichtsunterricht mutz mit Hervorhebung dir ethischen Momente in stufenmäßiger Folge mit Namenunv Sacherklärung ertheilt werden". IV. Schließlich hob der Redner mit Nachdruck hervor, daß es ganz unstatrhaft sei durch mechanisches Auswendiglernen ans dem Religionsbuche das Gedächtniß der Kinder zu überbürden. Der systematische Religionsunterricht soll jedoch, da er aus der Schule nicht gänzlich zu verbannen sei, indem er in ethischer Beziehung zusammenfaste, was an der Hand des Pentateuchübersetzens gelehrt wurde und somit den Bau des ganzen Religionsunterrichtes kröne, mit Zuhilfenahme eines Religionsbuches nur in die Oberstufe verlegt werden. Hiergegen machte Herr Greif-Schwalbach seine Ansicht dahin geltend, daß der Geist unserer heil. Religion nicht durch den Pentateuchunterricht, wohl aber durch den systematischen Religionsunterricht in die Seele des Kindes einzuziehen vermöge. Diese unhaltbare und falsche Behauptung rief allgemeinen Widerspruch hervor, sodaß die These zur Annahme gelangte: „Der systematische Religionsunterricht soll nur in der Oberstufe an der Hand eines Lehrbuches ertheilt werden." — Nach eingenommenem, gemeinsamen Mittagsmahle fanden sich die Konferenzmitglieder (um 2 Uhr) in der städtischen Knabenelementarschule ein, um einer Probelektion in der bibl. Geschichte nach Herbart'scher Methode, welche Herr Dr. Landau an Stelle des abwesenden Referenten Frank-Idstein, welcher sein Nichterscheinen entschuldigte, freiwillig in dankenswerther Weise übernommen hatte, beizuwohnen. Als die etwa einstündige Lehrprobe ihr Ende erreicht, wurden die

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