Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1894)
- Date
- 1894-05-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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788 rechtliche Stellung des jüdischen Lehrers innerhalb seiner Gemeinde". Bei gespanntester Aufmerksamkeit der Versammelten schilderte Redner in klarer und erschöpfender Weise die trostlose und traurige Lage der an nicht öffentlichen Schulen wirkenden Religions- und Elementarlehrer. Dieselben seien bei unauskömmlichem Gehalte ganz in die Hand der Vorsteher und der Repräsentanten gegeben, welche ihre Allgewalt und Herrschsucht gar oft zum Schaden von Gemeinde, Schule und Lehrer benützen. Unter diesen Umständen könne auch der beste Lehrer keine Berufsfreude empfinden, Redner schloß seinen interessanten Vortrag mit den Worten: „Soll es besser werden sowohl für die Gemeinde als auch für die Lehrer, so ist vor Allem nothwendig, — daß der jüdische Religionslehrer und der Lehrer der Privatschule nach einem Provisorium von 3 Jahren lebenslänglich angestellt, daß ihm ein den Verhältnissen entsprechendes Gehalt gegeben werde, welches ihm ein sorgenfreies Leben ermöglicht und daß seine und der Seinigen Zukunft thunlichst gesichert sei". Der allseitig gespendete anhaltende Beifall zeigte, wie sehr Redner aus dem Herzen aller Collegen gesprochen hatte. Einstimmig wurde der Wunsch ausgesprochen, den gediegenen Vortrag durch den Druck der Oeffentlichkeit zu übergeben, aus welchem Grunde auch von einer weiteren Debatte über denselben abgesehen wurde. Herr Spier—Bocholt, welcher einen Bericht über die Thätigkeit der im vorigen Jahre gewählten Commission, die Oeffentlichkeitserklärung der jüd. Schulen betreffend, erstatten sollte, konnte nur mittheilen, daß diese Commission praktische Erfolge nicht zu erreichen vermochte. Dahingegen referirte derselbe in eingehender Weise über den Nutzen und Vortheil, den die öffentliche jüd. Volksschule nicht allein dem Lehrer, sondern mehr noch der Gemeinde bringt. In dem ebenfalls beifällig aufgenommenen Bortrag, der als Ergänzung des vorhergegangenen erscheine, zeigte der Redner unter Anderem den Weg, weicher bei Errichtung einer eigenen jüd. Vo'ksschule einzuschlagen ist. Derselbe wäre folgender: „Der Vorstand der Synagogengemeinde beantragt bei der städt. Behörde Ausschulung der jüd. Schüler aus den kommunalen Schulanstalten. Die Königl. Regierung nimmt die Erklärungen der verschiedenen Interessenten entgegen und ist bei allseiligem Einverständniß befugt, die gewünschte Einrichtung zu treffen. Im Falle obwaltender Differenzen entscheidet der Minister der geistlichen Angelegenheiten. Die Aufbringung der Kosten für eine auf solche Weise errichtete Privatschule ist Sache der Synagogengemeinde. Folgende Leitsätze fanden mit einem von Herrn Rabb. Dr. Horowitz—Crefeld vorgeschlagenem Zusatze, einstimmige Annahme. 1. Die bestehenden jüd. Volksschulen sind zu erhalten und da, wo solche nicht bestehen, ist für Errichtung derselben zu wirken. 2. Es ist darauf hinzuwirken, daß diesen jüd. Volksschulen nach Möglichkeit der Charakter der öffentlichen Schulen verliehen werde. 3. Jeder einzelne jüd. Lehrer hat dahin zu wirken, daß seine Volksschule zu einer öffentlichen erhoben werde; dieses Ziel kann erreicht werden durch fortgesetzte Belehrungen der Gemeindemitglieder über den Nutzen einer öffentlichen Schule für Erziehung und Unterricht, für Gemeinde und Lehrer. Die Zeit war indessen vorgeschritten und es konnte an diesem Tage nur noch der nächstjährige Conferenzort bestimmt werden. Als solcher wurde Hamm in Vorschlag gebracht und allseit'g acceptirt. Nur kurze Zeit war den Collegen vergönnt, nach angestrengter Arbeit frische Luft zu schöpfen, da sie sich bereits um 8 Uhr in das Hotel Kaufmann begaben, wohin das Festcomitö die Conserenzbesucher in liebenswürdiger Weise zu einem Abendbrote eingeladen hatte. Bei einem vortrefflichen Mahle, welches sich nach den Vorschriften des von Herrn Dr. Frank für diesen Zweck besonders verfaßten „Schulchan-Aruch" abwickelte, erfreuten zahlreiche Toaste heiteren und ernsten Inhaltes die Festtheilnehmer. Der erste von Herrn Dr. Frank ausgebrachte Trinkspruch galt dem erhabenen Herrscher, unserem geliebten Kaiser. Nicht unerwähnt bleibe der von Herrn I. de Jonge ausgebrachte Toast auf den von den Geschäften zurücktretenden Leiter des deutsch - israel. Gemeinde-Bundes, Herrn Dr. Kristeler—Berlin. Die von den Herren MoseS und Löwenthal eigen; zu dieses Fest gespendeten Lieder, sowie ein von College Frank—Neuß vorgetragenes hebräisches Lied erhöhte die fröhliche Stimmung der Gaste. Am zweiten Conferenztage wurde die Versammlung morgens 8'/; Uhr eröffnet. Bei Besprechung für die nächstjährige Conferenz übernahm Fleischhacker—Siegburg das Referat: „Die Lesebuchfrage für die isr. Schule", Dr. Lazarus—Köln dasjenige über obligatorischen Religionsunterricht und Seminarlehrer Treu—Münster über Konzentration im Religionsunterrichte. L-odann erhielt Löb—Cöln das Wort zu seinem Vorlrag: „Das Gebetbuch als Religionsbuch." Der Referent zeigte, welch herrlichen Schatz und was für ein vorzügliches Erziehungsmittel wir in dem Gebetbuche besitzen. Der Redner wies die Entstehung und die Zeit der Einführung einzelner Gebete nach Quellenangabe nach und zeigte, wie die Gebete uns Trost im Leide, Muth in der Gefahr, Mäßigung im Glücke und Aufrichtung im Unglücke geben. Auch gab der College in seinem meisterhaft ausgearbeiteten Vortrage manche anregende Vorschläge, wie das Gebetbuch in der Schule pädagogisch zu verwerthen sei. „Wenn das Gebetbuch im Religionsunterrichte seine gerechte Würdigung sinder, dann kann es nicht ausbleiben, daß es in späteren Jahren in der Hand und im Herzen der Heranwachsenden Jugend seine Heimstätte findet." Wir möchten uns dem allgemein ausgesprochenen Wunsche anschließen, daß auch dieser Bortrag durch den Druck die weiteste Verbreitung finde. Nach längerem Meinungsaustausch wurde der letzte Punkt der Tagesordnung, die Gründung eines deutsch-israel. Lehrerbundes, betreffend durch folgende einstimmig angenommene Resultion erledigt: Die in Cöln tagende Versammlung jüdischer Lehrer Westfalens und Rheinlands steht der Gründung eines allgemeinen Vereins deutscher Lehrer jüdischer Confession sympathisch gegenüber und entsendet zu diesem Zwecke zwei Beauftragte zu der nach Cassel einzuberufenden Delegirtenversammlunq. Als solche wurden die Vorstandsmitglieder Steinweg—Rheda und Levy— Neuß bestimmt. Hiermit war die Tagesordnung erledigt. _ Für die freien Besprechungen war leider keine Zeit mehr übrig. Eine angenehme Zugabe bildete der inhallreiche gediegene Vortrag des Herrn Dr. med. Auerbach—Cöln, welcher über die Bestrebungen zur Förderung des Handwerks unter den Juden einen zu Herzen gehenden Mahnruf an die Lehrer richtete. Darauf hinweisend, daß schon unsere Altvorderen sich mit Lust und Liebe der Arbeit Hingaben, betonte er die Nothwendigkeit gerade in heutiger Zeit, die Jugend dem Handwerke zuzuführen zu deren eigenem Besten, wie auch zum Wohle des Gesammtjudenthumes. Insbesondere seien die Erzieher dazu berufen, die Vereine zur Förderung des Handwerks unter den Juden dadurch zu unterstützen, daß sie denselben die geeigneten Kinder zuführen, wie auch dadurch, daß sie bei ihren Schülern die Freude und das Interesse zum Handwerke erwecken. Die im Conferenzsaale ausgestellten Arbeiten von Schülern und Lehrern der städt. israel. Schule geben den besten Beweis, welch schöne Erfolge im Handfertigkeitsunterrichte bei redlichem Bemühen zu erzielen sind. Die Versammlung spendete dem Vortragenden