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Der Israelit · 1894-05-31 · Heft 43 (31.5.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 43 (31.5.1894)
Date
1894-05-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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iTz 784 machung Sr. Ehrw. des Bezirksrabbiners Herrn Dr. H. Ehrmann, Baden (Schweiz) erlaube ich mir hierdurch mitzutheilen, daß die betreffenden Placate nicht etwa jetzt, sondernvormehreren Jahren durch mich versendet worden sind, als ich in der That daS Fleisch von der dem Herrn Dr. Ehrmann unterstellten Schechita bezog. — Ferner erlaube ich mir mitzutheilen, daß ich auf Aufforderung des Herrn Dr. Ehrmaun vor einigen Wochen, als ich das Fleisch nicht mehr von der ihm speciell unterstellten Schechita bezog, meine Placate soweit mir bekannt war, wo sie sich befanden, zurückgezogen habe. — Ich bitte aber zugleich jeden, der etwa noch ein solches Placat von mir besitzt, um Rücksendung desselben. — Schließlich erlaube ich mir darauf aufmerksam zu machen, daß ich das Fleisch jetzt allerdings nicht von einer formell dem Herrn Dr. Ehrmann unterstellten Schechita beziehe, wohl aber von einem Schochet, welcher bisher stets Herrn Dr. Ehrmann als zuverlässig galt und soweit mein Wiffen reicht, es auch jetzt ohne Zweifel noch ist. Jsaacsohn, Restaurateur. -£• Vermischtes. < Die antisemitische „D. Ostwacht" in BreSlan beschwert sich darüber, daß der Schriftführer im Landwirthschafllichrn Verein zu Guhrau ein Jude sei und daß auch der landwirthschaftliche Verein zu Neumarkt in Schlesien einen Juden zum Vorstande habe. Sonst tadelt das Blatt die Juden, daß sie sich um die Landwirthschaft nicht kümmern. Was sollen die Juden nur thun? Bornheim (Bez. Köln), 25. Mai. Eine recht erfreuliche Mittheilung, die die Leser des „Israelit" interesstren dürfe, erhalte ich soeben von einem Freunde. Darnach hat der eanä. zur. Herr Hugo Kaufmann aus Crefeld im Laufe dieser Woche das Referendar-Examen mit „ausgezeichnet" bestanden. Der Herr SenatSpräsident in Köln erklärte, daß unter seinem Vorsitze ein solches Ereignitz noch nicht stattgefunden und daß dar Examen seit 15 Jahren das beste sei. S. Bachenheimer. Reichenberg, 16. Mai. Eine sehr energische Abfertigung hat der Antisemit Mechaniker Schneider seitens einer der angesehensten gewerblichen Vereinigung Nordböhmens erfahren. In einer sehr zahlreich besuchten Gastwirthe-Versammlung, deren Vorsitz der Vorsteher der Reichenberger Genoffenschaft, Franz Rumler, führte und an der Wirthe aus Reichenberg, Gablonz und Umgebung theilnahmen, gab der Obmann der nordböhmischen GastwirtheverbandeS folgende Erklärung ab: „Wir kennen den Mechaniker Schneider zur Genüge und werden nie mit einem Verbände oder mit Genossenschaften pactiren, die mit einem solchen Menschen auf gewerblichem Gebiete in Fühlung treten oder ihn als Volksvertreter anerkennen." Freitag-Abend brach wieder in Amsterdam eine gewaltige Feuersbrunst im Judenviertel aus. Vier Kinder sind erstickt. Wieder war es bei einem russischen Juden, wo daS Feuer seinen Anfang nahm. Die ganze jüdische Bevölkerung ist empört über die russischen Einwanderer, so daß die Polizei diese Leute in Schutz nehmen muß. Auch neulich entstand ein kleines Feuer in einem von vielen Juden bewohnten Hause. Glücklicher Weise hatte dieses keine üblen Folgen. Ke« Ule to«. Esterka, Königin von Föten.*) Historische Erzählung von Hugo Freund, i.) Machdruck verboten.) Es war im Herbste des Jahres 1336. Ganz Europa sprach von dem Ruhm des großen Polenkönigs Kasimir III., dem die Geschichte den Beinamen der Große beigelegt hat. Erst wenige Jahre vorher hatte er den Thron bestiegen, und schon war es ihm gelungen den König Johann von Böhmen, der bisher den Titel eines Königs von Polen geführt und die Anrechte auf diese Krone geltend gemacht hatte, dahin zu bringen, daß derselbe auf dem Fürsten-Tage zu Wiffegrad auf Titel und Anrecht der Krone Polens verzichtete. Für Polen selbst begann nun eine Zeit des Friedens und des Aufschwungs, auch war es eine der ersten Regierungshandlungen des edlen Fürsten, daß er den in der ganzen Welt verfolgten Juden eine Freistatt gewährte, und jedem derselben, wer es auch immer war, gestattete in Polen einzuwandern und sich dort anzustedeln. Es herrschten damals in Deutschland die schwersten und blutigsten Judenverfolgungen. Aus Frankreich und England waren die Juden längst vertrieben und das Erscheinen Einzelner dort war zuweilen mit dem Tode bestraft worden. Das überall gehetzte und überall verfolgte Volk schien nun endlich unter dem Scepter des großen Mannes, der aus dem Throne von Polen saß, eine Freistatt und Ruhe und Frieden zu finden. In großen Schaaren strömten die Juden, vor allem aus Deutschland, nach Polen. Ganze Dörfer uud kleine Distrikte, die hauptsächlich von Juden bewohnt waren, brachen gemeinsam auf, um in das Land der Freiheit, nach Polen zu wandern. Aber trotz der schweren Bedrückung verließen die meisten nicht freiwillig ihr Vaterland, sondern folgten dem schweren Zwange der Not. Die Kreuzzüge hatten eine große Reihe von Banden hervorgerufen, die raubend, mordend und plündernd durch die Länder zogen und unter der Maske eines heiligen Krieges die furchtbarsten Greuelthaten verübten. Eine dieser Banden hatte auch die Juden eines kleinen Städtchens am Rheine überfallen und einen Thetl derselben getötet, einen andern beraubt und die dortige Gemeinde an den Rand des Untergangs gebracht. Der Gemeinde stand damals ein braver *) Nach einer jüdischen Sage. (Die Fortsetzung des Feuilletons: „Eine jüdische Mutter" s. Zweite Beilage.)

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