Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-05-31 · Heft 43 (31.5.1894) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 43 (31.5.1894)
Date
1894-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448450--38615-2486730
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

i I ' 1 783 und veredelnd hat sich an uns die Macht der Thora bewährt, daß selbst heute, wo eine dem Thorastudium ungünstige Zeitströmung viele Söhne unseres Volkes ihrem Lebensquell entfremdet, daß selbst heute der mächtige Flügelschlag des Thorageistes noch mit so ungebrochener Kraft die jüdischen Geister erfaßt, wie es uns der statistische Nachweis so glänzend documentirt. Welch großer Ktddusch Haschem müßte sich aber vollziehen, wie noch viel glänzender müßte sich der jüdische Bildungstrieb bewähren, wenn jedes jüdische Kind, genährt und erfüllt von dem Geiste unserer Thora, die Hallen der Wissenschaft beträte und so in jedem jüdischen Jugendgemüthe Thora und Derech-Erez sich zu innigem Freundschaftsbunde die Hände reichten! Wer wollte den segensreichen Einfluß in seiner ganzen Tragweite ermessen, der aus einer solchen Vereinigung für alle Culturbestrebungen erblühen müßte, wer daran zweifeln, daß die Verwirklichung dieses alten jüdischen Ideals sich als mächtiges Mittel iu der Hand der Vorsehung bewährte, um jene lichte Zukunft anzubahnen, wo Gott seinen Geist ausgtefen wird über alles Fleisch und die Erde voll ist der Erkenntniß Gottes wie das Wasser den Meeresboden deckt?! Zeitrrrrgsuachrichte« und Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin, 24. Mai. Von Herrn Schriftsteller Dr. Adolf Kohut, erhalten wir die schmerzliche Nachricht, daß dessen Bruder, der ausgezeichnete Gelehrte, Talmudift und Forscher Herr Rabbiner Dr. Alexander Kohut heute in seinem 52 Lebensjahre das Zeitliche gesegnet hat. Derselbe war zuletzt Rabbiner und Prediger an der deutsch-, böhmischen jüdischen Gemeinde zu New-Aork, woselbst er als hervorragender Kanzelredner sich einer außerordentlichen Beliebtheit erfreute. Durch Herausgabe des Aruch Completum, ein talmudisches Lexikon im Style und Umfang der modernen Conversations - Lexici, einer wahren Riesenarbeit hat sich Kohut in allen Kreisen jüd. Wissenschaft einen unsterblichen Namen erworben. Die bedeutendsten jüdischen und christlichen Gelehrten der Jetztzeit haben sich geradezu begeistert über die weittragende Bedeutung dieses Werkes, an dessen Fertigstellung der Verfasser 25 Jahre ununterbrochen thätig gewesen, ausgesprochen und vor Allem wurde, wie Dr. Berliner s. Zt. schrieb anerkannt, daß er seinen eigenen Reichthum an ausgebreiteten philologischen Kenntnissen aufgeboten, und sie mit seltener Hingebung und imermüdetem Fleitze für sein eminentes Werk verwerthet hat. Auch Ernest Renan, Professor Strack und Franz Delitsch u. v. A. sprachen sich in ähnlichem Sinne über den Verfasser aus. Nun ist dem unermüdlichen Forscher der Griffel entfallen, mit dem er sein unvergängliches Denkmal jüdischer Wissenschaft geschaffen. Möge ihm die Erde leicht sein. raun Am 14. d. M. fand in Tilsit die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes der Ostpreuß. Synagogen-Gemeinden statt. Die Versammlung war recht zahlreich besucht. Bemerkenswerth war der Bericht des Vorsitzenden der Schulinspektion, des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger Königsberg. Derselbe thetlte u. a. mit, daß es ihm gelungen wäre, eine Statistik über den Religionsunterricht aller Verbandsgemeinden fertig zu stellen, welche demnächst im Druck erscheinen wird. Ferner beschloß die Generalversammlung einen Betrag in den Etat pro 1894/95 einzustellen, welcher dazu dienen soll, schulpflichtigen Kindern auf dem Lande und in kleinen Orten, welche ohne Religionsunterricht aufwachsen, letztern zu verschaffen. Das Vermögen des Verbandes beträgt etwa 8000 Mk. Die Zahl der Verbandsgemeinden beläuft sich auf 46; die Zahl der persönlichen Mitglieder auf etwa 270. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 23. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat heute in fast zehnstündiger Sitzung die Verhandlung über den Justiz Etat zu Ende geführt. Der Abgeordnete Dr. Menger trat in die Debatte ein, und neben mehreren beachtenswerthen Anregungen gebührt diesem Abgeordneten das Verdienst, die Affaire Deckert, zu deren Erörterung der Justizminister auch in seiner heutigen zweiten Rede keine Gelegenheit fand, zur Besprechung gebracht zu haben. Der Abgeordnete Dr. Menger constatirte, daß es sich hier um eine heillose Hetze gegen die Juden handle, welche durch Entstellung eines christlichen Gebetes geübt wird, das als Banner des Hasses gegen die Mitbürger jüdischer Confession gebraucht werde. Der Abgeordnete Dr. Menger wies darauf hin, daß die Juden in ganz Oesterreich vogelfrei sind, daß in Bezug auf sie die bestehenden Gesetze nicht eingehalten werden und daß hiedurch das Rechtsbewußtsein in den weitesten Kreisen erschüttert, die Bevölkerung demoraltsirt wird. Man darf nun mit einiger Spannung den Erklärungen entgegensehen, welche die Regierung in der angekündtgten und so lange hinausgeschobenen Beantwortung der Interpellation üb^r den Fall Deckert diesem Urthetle des Abgeordneten Menger entgegensetzen wird.*) Schweiz. Zürich. Wir erhalten folgende Zuschrift: Zu meiner Entschuldigung gegenüber der Bekannt- ‘) Vergl. Notiz Wien in der Ersten Beilage. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.