Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-05-31 · Heft 43 (31.5.1894) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 43 (31.5.1894)
Date
1894-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448450--38614-2486729
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■ . ' '!«, '.fAWBlf.i..'U.wmiMJ! V mwi^ j.iAiipjuwp^W-. ^VA1 782 Jurisprudenz und Astronomie, der Grammatik und Politik, der Ethik und Methaphysik wurde Gemeingut eines ganzen Volkes, wurde ohne Rücksicht auf irgend welchen materiellen Vortheil mit einer Hingebung und Liebe gelehrt und gepflegt, daß der jüdische Bildungstrieb in die Augen fallen muß, auch wenn man ihn nicht mit dem anderer Confesfionen vergleicht. Aber eS hat nie ein Jude daran zweifeln können, daß der letzte Grund dieser merkwürdigen Erscheinung nur in der bildenden, veredelnden Kraft deS Gesetzes wurzle, zu dessen Trägern Gott uns berufen hat. So oft wir an unsere Thora herantreten, täglich danken wir's Gott: „daß er uns auSerwählt vor allen Völkern, indem er uns — nicht glänzendere Fähigkeiten, keine glücklicheren Körper- oder Geistesanlagen, sondern indem er uns — seine Thora gegeben und so ewiges Leben in die jüdischen Reihen gepflanzt hat." Als der jüdische Staat in seiner Blüthe vergaß, daß er seine ganze Bedeutung in allererster Reihe dem Gotteswort zu danken habe, fiel er in Trümmer, rpnn *Tnn2 1212 vbw by. Nichts hat sich das jüdische Volk aus diesen Trümmern gerettet, als die einzige Ursache seiner Größe und seines Falles, seine Thora. Und begleitet von dem Weltenerobernden Gotteswort hat Israel seinen Märtyrergang durch die Menschheit angetreten, hat allenthalben, wo sein wandernder Fuß eine Stätte fand, die großen Lehren seiner Thora in die Herzen der Menschen streuend, Siege errungen, wie sie kein Eroberer sonst zu verzeichnen hat. Und das statistische Ergebniß des jüdischen Btldungstriebs ist wahrlich nicht der unbedeutendste Triumph des Gottesgesetzes, ist sicherlich eine Heiligung des Gottesnamens von ganz unabsehbarer Tragweite nach außen und nach innen! Angesichts solcher Zahlenergebnisse muß sich doch nach und nach auch in nichtjüdischen Kreisen die Ueberzeugung Bahn brechen, daß das „auserwählte Volk" doch nicht ganz umsonst diesen Namen führt und daß es keine dünkelhafte Selbstberäucherung ist, wenn wir, stolz auf dieses Epitheton, es uns nicht wollen nehmen lasten. Der alte herabgeerbte Judenhaß wird sich doch in seine Schlupfwinkel zurückziehen müssen, weil er Staatsbürgern, die von der unbestechlichen Statistik so gut beleumundet sind, nicht offen die Zähne zeigen kann. Wie muß aber vor allen Dingen der Hinblick auf den jüdischen Bildungstrieb die nichtjüdischen Geister nicht nur dem Gottesvolke, sondern ganz besonders dem Gottesgesetze öffnen, und so die Morgenröthe jener Zeit vorbereiten, „wo sich Jakob nicht mehr zu schämen und Israel nicht mehr zu erblassen braucht, weil, wenn man seine Kinder sieht, wie sie als meiner Hände Werk in seiner Mitte meinen Namen heiligen, alle den Heiligen Jakobs verehren und den Gott Israels verherrlichen werden." (Jesajas C. 29.) Aber welchen Ktddusch Haschem müßten diese Zahlen, welche den jüdischen Bildungstrieb veranschaulichen, in allererster Linie im eigenen Lager zu Tage fördern! Welch' ernste, ernste Mahnung liegt in einer richtigen Würdigung der bisherigen Betrachtungen für jeden Juden, der darauf stolz ist, einem Volke anzugehören, daß mit Bewußtsein der einen Aufgabe lebt, als weit vorausziehender Leitstern der gesummten Menschheit die Heileszukunft zu sichern! Welch' ernste Mahnung für jeden jüdischen Vater, für jede jüdische Mutter, die mit erhöhter Freude ihr Kind an die Brust drücken, weil sie sich sagen dürfen, daß auch sie mit ihrem Kinde ihr Scherflein zu diesem Kiddusch Haschem beitragen; welch' ernste Mahnung für alle, denen Gott die Erziehung und Heranbildung jüdischer Kinderseelen anvertraut hat, stets des geistigen Bodens eingedenk zu bleiben, aus welchem allein jede jüdische Ueberlegenheit erblühen kann. Nur der Geist unserer Thora ist's, der uns adelt, der uns strebsamer und empfänglicher macht für alles Gute und Schöne. Verschließen wir unfern Kindern unsere Thora nicht! Vielleicht dürfte in keiner Zeit diese Mahnung mehr am Platze sein, als in der unsrigen. Heute, wo schon gar manche Anschauungen des Judenthums so sehr Gemeingut der ganzen Menschheit geworden sind, daß man ihren eigentlichen Ursprung bereits zu vergessen und der fortgeschrittenen Zeit zuzuschreiben im Begriffe ist, heute ist's doppelt und dreifach heilige Pflicht moyn im“6, die Prioritätsrechte unserer Thora bei jeder Gelegenheit zu reklamiren. Was auch eine flüchtige Zeitrechnung zu bekritteln haben möge, heute wie vor Jahrtausenden ist's noch unumstößliche Wahrheit: Drwjn nmon D2fiD2n '2 nm „hütet und übt das Gotteswort, denn das ist eure Weisheit und Einsicht in den Augen der Völker." (V. B. M. C.: IV.) Wenn heute Moscheh's Genius in unsere Mitte träte, er würbe wie einst, nur dann es für möglich halten, daß wir uns wunderbar auszeichneten vor allen Völkern des Erdbodens, wenn Gott und sein Gesetz unverkürzt bei uns waltet, irreal usy iro^o (II. B. M. C. 33.) Hinweg darum mit der engherzigen Selbstsucht, die in einem gesctzestreuen jüdischen Leben einen Hemmschuh für die glückliche Zukunft unserer Jugend erblickt! Nicht verkümmern, nicht verkürzen, „beglücken wollte Gott Israel, indem er ihm Thora und Mizwos in so reicher Fülle überantwortete", und er hat es beglückt. So beglückend, bildend § i " - um rjffjjftriiiilliitf-i i t - -1 nm ^111^1!^ff“'" -'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.