Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 42 (28.5.1894)
- Date
- 1894-05-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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772 tiven Künstler hervorbrachte, einen jüdischen Komponisten des 16. Jahrhunderts, der nichts geringeres plante, als damals schon dem jüdischen Gottesdienst durch seine Gesangsschöpfungen zu einem schönen äußeren Gewände zu verhelfen. Diesem Manne, der unsere Darstellung abschließen soll, müssen wir noch unsre volle Aufmerksamkeit zuwenden. Salomo de Rossi, aus der berühmten Familie des v'vn«, wurde in Mantua geboren. Sein Geburtsjahr ist nicht genau zu ermitteln, aber es fällt sicher in die Zeit zwilchen 1565 und 1570. Was ihn auf den Gedanken brachte, sich der Musik zu widmen, wissen wir nicht, genug, daß wir ihn in der Geschichte der Musik als eines der hervorragendsten Glieder einer Schule finden, die in den Fußstapfen Palestrtna's wandelte und die wegen der besonders von ihr bevorzugten Kompofitionsart die Madrigaliste «schule genannt wird. Eines der ältesten Musiklexika, das von Gerber, sagt von ihm, er habe sich als Jude, durch seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit zu einem nicht unberühmten Komponisten emporgeschwungen. Von seinen Kompositionen haben sich eine große Anzahl erhalten, theils in Musiksammelwerken, thetls in besonderen Ausgaben, und zwar zwei Bücher Canzonetten, drei Bücher Madrigale zu fünf Stimmen, eine Sonate für zwei Violinen und Baß. FLtis, der bedeutendste Musikhistoriker der modernen Zeit, sagt von Salomo's Kompositionen, es seien Gesänge von seltenem Werthe, mit all der Eleganz ausgestattet, die die Madrtgalisten jener Epoche auszeichnete." Die italienischen Texte der Kompositionen waren meist Liebes-Lieder. Zweie derselben lauten in freier Uebertragung folgendermaßen : Nun kamst Du endlich zu mir, Mein Herz, ich habe Dich, In meiner nächsten Nähe. Mit Augen seh' ich Dich. Ich schlafe nicht, Nicht neckt mich ein Traum, Ich bin verwirrt Und glaub' es kaum; Du kommst und fliehst so schnell, Daß ich vor Dir vergehe, Du bist mir wie ein Traum, Dem ich ins lichte Auge sehe. Du Böser, regst Dich nicht Ich seufze und Du schweigst! Wenn Du mit Deinen Augen Mir in die meinen schaust, Jst'S, als ob mir ein Sturm von Pfeilen In mein Herze braust; Hier, nimm meines Herzens Blut, Fürwahr, Du zieltest gut! — Der beste Beweis aber für das große musikalische Talent Salomo's ist die Thatsache, daß er mit drei anderen zeitgenössischen Komponisten eine große Oper schrieb, betitelt: „Maddalena." Diese Komponisten waren der berühmte Claudio Monteverde, Capellmeister an der St. Marcuskrrche zu Venedig, Muzzio Eff rem, herzoglicher Capellmeister in Mantua und Allessandro Guinizzani. Eine vierstimmige Balletmusik aus dieser Oper, die von Salomo de Rosst herrührt, hat sich erhalten. Daß Salomo auch unter seinen Zeitgenoffen als ein Unicnm betrachtet wurde, beweisen die Titelblätter in denjenigen Druckwerken, die Stüäe von ihm enthalten. Dort wird er immer bezeichnet: „Di Salomon Rossi Hebreo." Daß er aber auch zu seinen Lebzeiten vollste Anerkennung genossen habe, sehen wir aus der Begünstigung, die er durch den Herzog von Mantua erfuhr. Ihm hat er eine Heft seiner Madrigale gewidmet. Die Widmung lautet also: „An Don Vincenzo-Gonzaga, Herzog von Mantua . . . unter dem glücklichen Schatten seines Dienstes habe ich Alles gelernt. Euere Hoheit hat es nickt verschmäht meine zahlreichen Fehler und meine Unvollkommenheit geduldig hinzunehmen." Zeitungsnachrichteu und Correspouderrzeu. England. P. London, 22. Mat. Ueber die Jnspcctionsreise des Oberrabbiners Dr. Adler erscheinen Berichte in hiesigen Blättern; sie zeugen einerseits von dem aufrichtigen Interesse und der Gewissenhaftigkeit, die er bei den Besuchen in den Provinzen kundgiebt, hier lobend und ermunternd, dort Mängel hervorhebend und ermahnend; andererseits geben sie Beweis von dem hohen Ansehen, in welchem das Haupt der englisch-jüdischen Gemeinde steht, denn überall wird er nm wahrhaft fürstlichen Ehren ewpfangen und bewirthet. Am Sonntag Abend fand im Saale des „Jews’ College“ der letzte der diesjährigen Vorträge statt, die von der „Literarischen Gesellschaft dcs Seminars" angeregt werden, und zu denen allen beliebigen Zuhörern der Besuch freisteht. Herr I. S. Meisels sprach über „die Stellung der jüdischen Frau in Talmud und Midrasch, den Gegenstand vom socialen, gesetzlichen und religiösen Standpunkte aus behandelnd. Von besonderem Interesse waren die Vergleiche, die der Redner dabei mit der Stellung der Frau bei den alten Römern und Griechen, sowie auch in gewissem Grade mit der der modernen Zeit anstellte — wie kaum erwähnt zu werden braucht, zum unzweifelhaften Vorteil der jüdischen Frau. Er erörterte speciell einige der Hauptstellen und Aussprüche im