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Der Israelit · 1894-05-28 · Heft 42 (28.5.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 42 (28.5.1894)
Date
1894-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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. " ■■' ' 768 hinunter und in das Todte Meer, um das Erdpech üvWyscheff, welches von europäischen Händlern sehr gut bezahlt wird. Der Konsul glaubt, daß für den Handel sehr vortheilhaft sein müßte, wenn eine Dampffähre und mehrere kleinere Boote das Todte Meer ständig befahren würden, um die Erzeugniffe Moabs herüberzuschaff.n. Diese Landschaft sei reich an Getreide, Früchten und Vieh. Zur Zeit werden diese Erzeugniffe durch Karawanen um die Nord-und Südspitze des Meeres herumgeführt, wodurch ein Zeitverlust von vier bis fünf Tagen ensteht. > vermischtes. < Berlin. Ludwig Schweinhagen macht in der „Staarsbürgerztg." die Anzeige, daß er seinen Antrag auf strafrechtliche Verfolgung des „Rabbinischen Schriftstellers" Dr. Hirsch Hildesheimer zurückgezogen habe, weit er nicht in der Lage sH, aus eigenen Mitteln die vom Gericht zu fordernde ziemlich bedeutende Geldsumme für die vorgeschlagenen wiffensch. Gutachter zu hinterlegen. Ohne Unterstützung... erschien ihm die. gerichtliche Verhandlung zwecklos, da von jüdischer Seite 7 Gutachter geladen werden sollten. Die s. Z. zu diesem Zweck gesammelten Gelder seien vom damaligen Parteivorstande zur Gewinnung eines Rechtsanwalts verwendet worden. Bepli«. 6. Mai. In vergangener Woche ist in Karlsbad Herr Rudolph Hertzog gestorben. Wir haben uns selbstverständlich hier mit diesem Todesfall nur in so weit zu beschäftigen, als er das öffentliche Leben und unsere Stellung zu demselben betrifft. Und da muß nun, um der Wahrheit die Ehre zu geben, die Thatsache erwähnt werden, die s. Z. ohne Widerspruch sehr oft öffentlich ausgesprochen wurde, daß Rudolph Hereog so zu sagen der Nährvater der antisemitischen Bewegung gewesen ist. Sein Name ist mit der konservativ-antisemitischen Bewegung in Berlin auf das Engste verknüpft; er hat ihr mit freigebiger Hand außerdenttiche Geldmittel zur Verfügung gestellt. Gleichwohl haben von den eigenen Parteigenoffen, die er sich doch so sehr verpflichtet hatte, Einzelne heute nur ein kühles, kritisches Wort über ihn. Das Stockersche „Volk" weiß von ihm nur zu melden: „Ob Rudolph HertzogS Einfluß auf die Bewegung vortheilhaft gewesen ist. wollen wir heute unerörtert lassen. Seit einer Reihe von Jahren hat er sich verstimmt von dem politischen Leben zurückgezogen? Berlin, 8. Mai. Ueber die Stiftung von 100,000 Mark, welche die Erben des verstorbenen Kommerzienraths Jacob Israel der Gemeinde Berlin zugewiesen haben, hat der Magistrat der Stadtverordneten-Bersammlung eine Vorlage unterbreitet, in welcher er mittheilt, daß er unter dem Ausdruck des Dankes sich für die Annahme dieser so reichen Zuwendung erklärt habe. Aus den Zinsen dieses Kapitals, welches der Stiftungs-Deputation des Magistrats zur Verwaltung überwiesen worden ist, sollen in ihren Verhältnissen unverschuldet zurückgebliebene Einwohner Berlins, ohne Rücksicht auf die Konfession, alljährlich am 20. März, dem Sterbetage des Kommerzienraths Jacob Israel, in Beträgen nicht unter 100 Mark und bis höchstens 300 Mark, unterstützt werden. Schiffersladt. Am 14. Mat feierte Herr Lehrer Michel hier seinen 70. Geburtslag. Es war seine Fami'ie von Frankfurt a. M, Barmen u. s. w. hierhergekommen, um dieses Fest zu begehen. Um 10 Uhr des Morgens begab sich die ganze Gemeinde in die neuerbaute Synagoge, um dem Jubilar herzlich zu gratuliren und zu beglückwünschen. Bei dieser Gelegenheit wurde demselben ein schöner, silberner Pokal mit einer von Herrn Siegmund Landmann gehaltenen und mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache überreicht. Das Landesgericht Wie« als Preßgericht hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt des Flugblattes ..Das Vaterunser in der Judennoth", das Vergehen nach § 302 St. G. (Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Religionsgenoffenschaften) begründe, und es wird daS Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen. Ferner hat daS Landesals Preßgericht Wien auf Antrag der Staatsanwaltschaft erkannt, daß auch der Inhalt des ausländischen Druckwerkes: „Die geraubte Braut", Roman von G. Stein (Druck und Verlag von Adolf Wolf in Dresden, Heft 16), sowie des in daffelbe eingehefteten Bildes das Vergehen nach § 302 St.- Ges. begründe, und es wird das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen, die von der Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme bestätigt und auf Vernichtung der saistrten Exemplare erkannt. K e n i i l t t o «. Eine jüdische Mutter. Von Bernard Auerbach. (2. Fortsetzung.) Joel Lembergers reckenhafte Gestalt richtete stch jetzt hoch auf. als wäre sie von einer niederdrückenden Last befreit worden, der Strahl seines sprechend klugen Auges folgte durch das Fenster dem Davoneilenden bis er sich auf der Straße verlor. Dann wandte sich Joel seiner Frau Rösel zu, die selbst ein Bild herzlichsten Mitgefühls, bestrebt war ihrer verzweifelnd die Hände ringenden Schwester Trost zuzusprechen. „Welch' ein Unglück", äußerte L.'mberger laut und der Ausdruck tiefsten M.tleids sprach aus seinen energischen Zügen, „man weiß nicht, wer mehr zu bedauern ist — der nur seinen Leidenschaften rasch und blindlings gehorchende Meifel, oder die armen Kinder, die er in den Bannkreis seiner bösen Triebe und deren Einwirkung ziehen will — und doch war mein Schwager einst ein mäßiger, nüchtern und leidenschaftslos denkender Mann, der Weib und Kinder so zärtlich liebte — das Verborgene weiß nur Gott allein! Wäre Esther ein Mann, ich wüßte was sie thun sollte!" „Was ich thun sollte," seufzte Esther auf und sprang erregt vom Sitze aus, „wenn es noch irgend eine Hilfe gibt, Joel, so zaudere nicht und helfe, rathe! Ich will, wenn es Noth thut, stärker als ein Mann sein und unüberwindlich stark ist doch eine Mutter, die ihre Kinder stch und ihrem Glauben erhalten will. So möge der Allmächtige, der meine Leiden kennt, mein Beistand sein, wie ich vor nichts zurückschrecken will und gälte es auch daS Schwerste zu vollbringen."

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