Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 42 (28.5.1894)
- Date
- 1894-05-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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766 mit einem schwarzen Punkt markirt, um denselben dann einen Kreis zieht und nachher daS ganze für lauter Treffer und sich für einen Ausbund aller Scharfschützen ausgiebt? Ist die auf so hohen Stelzen einherwandelnde Geschichtsmacherei etwas anderes, die erst die Schablone ausheckt, die Texte der Bibel und der anderen heiligen Urkunden dann dieser Schablone gemäß zustutzt, nachher kindisch vor Freude in die Hände schlägt, weil alles so vorzüglich klappt und das ganze höhere Wissenschaft, jüdische Wissenschaft nennt? (Fortsetzung folgt.) ZettrmgSrmchrichte« «rrd Corresporrdenzerr Deutschland. Berlin, 23. Mai. Die neugegründete Deutschliberale antisemitische Partei, die das Geistesleben des deutschen Volkes resormiren und die Verjudung der christlichen Kirche verhindern will, wie der Vorsitzende Runge auseinandersetzte, hielt gestern zu dem üblichen Entree die erste Versammlung ab, die von etwa 1000 Personen aller Parteirtchtungen besucht war, die sich offenbar vortrefflich zu amüstren gedachten. An Amüsement fehlte es denn auch nicht. Schon die Eröffnung der Versammlung unterschied sich wesentlich von den üblichen antisemitischen Volksversammlungen, indem der Vorsitzende erklärte, daß man von dem üblichen Kaiferhoch absehe, da der Monarch von allen Huldigungen doch nichts erfahre. Schon oft seien Huldigungstelegramme ohne Antwort geblieben. In Sachsen sei die Sache anders. Dort beantworte das Königshaus alle Glückwunsch- und Huldigungstelegramme. Man dürfe sich nicht herandrängen. Der Redner des Abends war Schweinhagen, der mit argem Gejohle empfangen wurde und sich erst rechtfertigen mußte, wie er trotz seiner Vergangenheit hier aufzutreten wage. Er verwies auf den ausstehenden Entscheid des höchsten Gerichtshofes und predigte dann den Kampf gegen die Verjudung überhaupt, besonders gegen die Konservativen und die Vertreter der christlichen Kirche, die unter dem Einfluß der Juden Stahl, Strauß, und Cassel ständen. DaS „Volk" sei heute das Leiblatt Miguels, der nach dem bekannten Briefe Atheist sei. (Zuruf 1848.) Schweinhagen fortfahrend: Man bleibt in der Regel, was man ist. (Zuruf: Polizeiagent!) Unter großer Unruhe führte sodann der Redner aus, daß das alte Testament, das nur die Judenthaten verherrliche ausgemerzt und durch Betheiligung an den Ktrchenwahlen eine sittliche Erneuerung der christlichen Kirche herbeigeführt werden müsse. In der dann folgenden Diskussion protesttrt Egtdy gegen die unchristliche Kampfeswetse der Antisemiten, während Bodecke beklagte, daß die neue Parteigruppe wieder einen Keil in die antisemitiscüe Bewegung treib?. Schließlich fand um l'/z Uhr die Versammlung ein gewaltsames Ende, indem plötzlich das Gas ausgedreht wurde. Dresden, 19. Mai. Gegen den antisemitischen Verlagsbuchhändler Glöß ist neuerdings eine Klage wegen groben Unfugs etngeleitet worden, dessen er sich durch Herausgabe des antisemitischen Bild'rbogens „Deutscher Todtentanz" schuldig gemacht haben soll. Wie antisemitische Blätter zu melden wissen, ist Glöß in dieser Angelegenheit vor Kurzem gerichtlich vernommen worden und er war dabei angeblich in der Lage, auf hohe Anerkennungen Bezug zu nehmen, die ihm infolge der Herausgabe des Bilderbogens zu Theil geworden sind. Aus demselben gehe hervor, daß vielen angesehenen Personen durch Herausgabe jenes Bilderbogens ein hoher geistiger Genuß (!?) bereitet worden sei. Wer mögen wohl die Leute sein, deren geistige Genüsse in der Besschtigung der Glößschen Bilderbogen ihre höchste Potenz erreichen?! — Karlsruhe, 18. Mai. Wie der „Staatsanzeiger für das Großherzogthum Baden" in seiner Nr. 10 mittheilt, sind dem unter der Benennung „Naphtali-Epstein-Verein" bestehenden Verein zur Unterstützung badischer, israelitischen Lehrer und Lehrerwtttwen Körperschaftsrechte verliehen worden. Köl«, 19. Mat. Wie ein Athener Telegramm der „Köln. Ztg." meldet, werden 18 000 russische Juden durch die Dampfschifffahrtsgesellschaft Florio und Rubattino nach Argentinien befördert. Die ersten 735 trafen grftern im Piräus in recht beklagenswerthem Zustande ein. Nerrtz, 23 Mai. „DerFr.Zt." wird geschrieben: Im April d. I. wandte sich der Rerserve-Unteroffizier Markus in Wickrath an das hiesige kgl. Bezirks-Kommando mit der Bitte, ihn, da er geschäftlich nicht wohl abkommen könne, von der am 25. April stattfindenden Kontrollversammlung zu dispensiren. Darauf ging ihm untcr'm 23. April vöm Haupt-Melde-Amt Neuß, I. Abth., unterzeichnet „Weez, Bezirksfeldwebel", die auf der Rückseite seines Dispensattonsgesuchs gemachte Mitrheilung zu, daß sein Dispenfationsgesuchs nicht genehmigt sei. Auf der Vorderseite des Gesuchs befand sich in Rothstift die Randbemerkung: „Ist Jude", darunter ein schwer entzifferbares Zeichen, das anscheinend „nein" bedeutet. Es ist ja ganz selbstverständlich, daß das Bezirks-Kommando die ihm zugehenden Urlaubsgesuche nicht nach der Konfession entscheidet — denn in der Armee hat bekanntlich die Politik, also auch der Antisemitismus keinen Platz — um so berechtigter ist die Frage, zu welchem Zweck und von welcher Stelle die erwähnte, auf die