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Der Israelit · 1894-05-28 · Heft 42 (28.5.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 42 (28.5.1894)
Date
1894-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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765 ist Mmim 7x2 ein rp' *6i taa ^p, ein mächtiger Ruf, der niemals verhallt. Wer ihnen entgegen tritt, fällt ihnen in's Wort, denn sie sind noch nicht zu Ende. Sie haben ihr Letztes Wort noch nicht gesprochen. Die Mission ihres Wortes ist noch nicht beendet, so lange solche Stürmer dagegen aufzutreten den traurigen Muth haben. Der wahre Weise ist, selbst wenn der Größere bereits gesprochen hat, ni$t tau, nicht übereilt mit seiner Antwort. Der wahre nun rechnet immer mit der Eventualität, das Mangelhafte und Schwierige liege nicht bei den Ausführungen der Weisen, sondern in der eigenen Unzulänglichkeit und der geringen eignen Begabung. Er fürchtet durch eine rasche Entgegnung nicht den andern, sondern sich b!os zu stellen, und erwägt daher sorgfältig die Worte des Meisters, bevor er ihnen entgegentritt. Dieselbe Bescheidenheit, welche den Weisen so lange zurückhielt sein absprechendes Urtheil in Worte zu kleiden, macht ihn aber stark, wenn er alles nach allen Seiten hin reiflich erwogen hat und er nun von der Wahrheitswidrigkeit des ihm zur Beurtheilung vorliegenden Ausspruchs überzeugt ist. Der Dta dagegen kann seine Bedenken gegen das was er nicht für zutreffend hält, nicht zurückhalten. Er poltert zur Unzeit damit heraus. Unreif wie er selbst ist, sind es auch seine Bemerkungen und verrathen in jedem Zuge diese Unreife. — Wenn das richtig ist, wo sind dann unsere staun und wo unsere zu suchend Wer je der tiefen, redlichen Gedankenarbeit einmal näher getreten ist, als deren bewährte Meister die Lehrer Israels daftehen, sofern sie den lichten Spuren ihrer erhabenen Vorbilder folgen, dem tritt in jedem Zoll der Weise entgegen. Sie „quälen" sich, wie der terwiuuZ teednieus lautet, über einen Ausspruch der Thora, über ein Stück Gemoro, eine dunkle Erklärung von Raschi und treten mit Aufgebot ihrer ganzen geistigen Kraft ein, den schwierigen Posuk zu erklären, das Stück Gemoro so lange zu „turnen", d. h. zu üben und zu wenden, bis sich der Schlüssel zu dem Räthsel findet. Finden sie keine Lösung, so bezeichnen sie die Frage als ungelöst, vertrösten sich mit dem Tischbiten, der einst alle Schwierigkeiten lösen wird, merken mit ihren ]W *ps an, daß die Frage noch fortgesetzten tiefen Nachdenkens bedarf, niemals aber glauben sie, daß der Meister geirrt, wenn sie nur irgendwie sonst eine Rechtfertigung derselben zu finden vermögen. Ist aber dieser Jrrthum erwiesen, dann kleidet sich unbeschadet der Schärfe der Widerlegung seine Constatirung in so verbindliche, rücksichtsvolle Formen, daß man aus ihnen erst recht die Verehrung ersehen kann, mit welcher die Jünger an den Lippen der Weisen hängen. „Diesen Ausspruch kann der Meister nur im Halbschlummer gethau haben" winystp «*ir6 idn nv rrutfi *id, es ist anspielend auf die Stelle in Koheleth trtan 'bd kxto nun „ein Versehen, das dem Munde des Herrschers entschlüpfte", panb wm ttbl wjn rpoh >mi' xb „ich bin nicht würdig dieses zu verstehen", „ich vermag nicht der Tiefe seiner Ansicht bis zu Ende zu folgen", sind neben vielen anderen die stehenden Ausdrücke, mit welchen der opponirende Jünger den als irrig befundenen Ausführungen des Meisters entgegentrttt. Wie sticht diese Art des Verkehrs mit den Weisen von derjenigen ab, welche die Träger der modernen sogen, jüdischen Wissenschaft sich zu eigen gemacht haben! — Es ist der Kathederton der Professoren-Allerweltsweisheit, mit welcher sie auch über unsere Weisen der Vorzeit reden. Für ihre historische Schablonenwissenschaft, für ihre Exegese und Kritik giebt es keine ungelösten Fragen und Schwierigkeiten. Sie sind ywro o^nu, sie haben auf alles sofort eine Antwort. Die Texte, die man bisher nicht verstand, erklären sie für corrupt und ändern sie nach ihrem Ermessen und Belieben. Sie legen dann den Meistern unserer Vergangenheit allerdings Dinge in den Mund, die sie niemals gesagt, die sich bis jetzt noch immer als Albernheit statt als Weisheit bewährt haben, sie nennen das Texteskrktik und feinfühligen bibelexetischen Takt, aber nvun wird man hinter diesen Fälschungen unserer heiligen Urkunden vergebens suchen. Dafür fehlen alle Kriterien eines con, wie sie uns hier gelehrt sind. Wie könnten sie sonst so reden und umspringen mit den Weisesten aller Weisen und ihren Aussprüchen, denen sie doch, was Weisheit und Erfahrung, was Zahl der Jahre und Zahl der Schüler betrifft, nicht an die Knöchel reichen! Wie könnten sie sonst wirklich ihnen nicht etwa in die gesprochene Rede, sondern in das schriftlich hinterlaffene Wort fallen, um es, weil sie dessen tiefe Weisheit nicht ergründen können, ihrer beschränkten Flachheit gemäß, zu verstümmeln! Wie kämen sie sonst zu der Anmaßung mit leichtem Handumdrehen alle Probleme und Fragen sofort lösen zu wollen, die seit Jahrtausenden den wirklich Weisen mit Aufgebot aller Weisheit und mit Einsatz einer ganzen Lebensarbeit kaum zu bewältigen vergönnt war! Und das alles geht auf hohem Cothurn einher und blickt geringschätzig auf die Geistesarbeit, aus die Geschichte, auf das Denken und Fühlen, Hoffen und Zagen eines ganzen Volkes nieder, weil es mit seiner Exegetenscheere in der einen und seinem kritischen Rothstift in der anderen Hand, die alten Wahrheiten ausmerzen und die Conjekturen einer ausschweifenden Phantasie an deren Stelle setzen kann! Was würden wir zu einem Schützen sagen, der blindlings nach der Wand schießt, jeden Schuß

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