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Der Israelit · 1894-05-25 · Heft 41 (25.5.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 41 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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744 Cohn-Kattowitz eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßung der anwesenden College». Nach Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten und mehreren Mittheilungen berichtet derselbe, über seine Verhandlungen mit dem Vorsitzenden des allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes betreffend die von dem oberschlesischen Verbände zu zahlende Beitragsquote. Es wird beschlossen, den jährlichen Verbandsbeilrag aus Zehn Mark zu erhöhen. Dr. Loewenthal-Tarnowitz spricht hierauf, in einem längeren Vortrage über die Aussprache der hebräischen Vokale unter eingehender Erörterung der aus der Septuaginta, dem Talmud und ben Ansichten der jüdischen Gramatiker des Mittelalters sich ergebendem Anhaltspunkte. An den Vortrag schließt sich eine längere Debatte. Die Versammlung votiert Herrn Dr. Loewenthal ihren Dank für seine lichtvollen und belehrenden Ausführungen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf den Bericht der in der letzten Versammlung gewählten Commission zum Entwurf eines Lehrplanes für den Unterricht in jüdischer Geschichte und Religionslehre in Sekunda und Prima höherer Lehranstalten. An der Hand des vorliegenden Entwurfes referirt D-. Goldschmidt- Königshütte über die Vorschläge der Commission, die einer eingehenden Besprechung unterzogen wuroen. Von sämtlichen Rednern wurde namentlich auch die Nothwendigkeit der Aufnahme des Bibellesens in den Lehrplan betont. In Anbetracht der Wichtigkeit des Gegenstandes wird beschlossen tn der nächsten Versammlung nochmals über den Lehrplan zu verhandeln. Es folgt hierauf der Antrag des Herrn Dr. Münz-Gleiwitz: „Der Rabbinerverband wolle auf Mittel und Wege sinnen, wie zunächst in allen Rabbinergemeinden Oberschlesiens eine bestimmte, gleiche Ziele setzende Seelsorge in Synagoge, Schule und Haus gepflegt werden könne, damit bet dem regen Verkehr und den zahlreichen Beziehungen der oberschlesischen Gemeinden die seelsorgerische Arbeit in der einen Gemeinde die der anderen fördere, und der dadurch geschaffene starke einheitliche Geist in den Gemeinden anregend und befruchtend wirke." Referent erörtert eingehend Ziel und Zweck seines Antrages. Mit Rücksicht auf die inzwischen vorgeschrittene Zeit beschließt die Versammlung die weitere Besprechung des Antrages, wie der übrigen noch vorliegenden Punkte der Tagesordnung bis zur nächsten Versammlung zu vertagen. Als Ort der nächsten Versammlung wird Beuthen festgesetzt. Schweiz. Ber«, 4. Mat. Der Bundesrath sagt in einem Rundschreiben an die Kantonsregierungen: „Laut Depesche unseres Generalkonsuls in St. Petersburg vom 18. laufenden Monats weigert sich eine Anzahl schweizerischer Kantonskanzleien, in den zur Reise nach Rußland ausgestellten Pässen die Konfession des Paßinhabers anzugeben. Hierdurch entstehen für die Betheiltgten Ungelegenheiten, da der Eintritt von Israeliten in das russische Reich auf Schwierigkeiten stößt, und da Israeliten, auch wenn alle Förmlichkeiten erfüllt sind, überhaupt nur ein Jahr im Lande geduldet werden. Es erscheint geboten, die Personalbeschreibung in angedeuteter Weise zu vervollständigen." Der Generalkonsul empfiehlt überdies, daß unsere nach Rußland reisenden Landsleute sich mit ihrem „Taufschein" versehen. Amerika. New-Aork, 4. Mai. Die Bestattung der Leiche des tn San Francisco verstorbenen Herrn Jesse Seltgman hat vorgestern vom Tempel Emanu- El unter großer Betheiligung der Verwandten, Bekannten und Vertreter von 19 Gesellschaften, welche letztere um die besondere Vergünstigung, an der Feier theilzunehmen ersucht hatten, stattgefunden. Unter denjenigen, welche die Zipfel des Leichentuches hielten, befanden sich auch viele hervorragende Staatsmänner beider großen politischen Parteien, wie Oscar Straus, General Porter, A. S. Hewitt, Th. Gilroy, Wanamaler, Carl Schurz, William W. Phelps. W. Evarts, Myer S. Jsaacs, John Dillon u. A. Die Leichenrede hielt Dr. Silverman und eine weitere Ansprache Dr. Gottheit. Aus allen Theilen des Landes und auch aus Europa waren zahlreiche Beileidsbezeugungen eingetroffen; das jüdische Wochenblatt „The American Hebrew“ hat eine besondere Ausgabe, eine „Jesse Seligman Memorial Number“ mit dem Porträt des Verstorbenen veranstaltet. Feui^l^eto«. Eine jüdische Mutter. Von Berrrard Auerbach. (2. Fortsetzung.) Meisel brach zuerst das Schweigen, welches während der Kinder Anwesenheit zwischen ihnen geherrscht. „Meine eigenen Kinder können mir nicht mehr in's Antlitz blicken, so trefflich hast du sie unterrichtet, wie sie ihren Vater hassen sollen!" „Nicht mich, sondern dich selbst trifft diese Schuld," entgegnete ihm Esther, „du hattest den Muth des „Schegez" (pöbelhafen Menschen) gefunden, als du vor einigen Wochen berauscht nach Hause kamst und mich vor der Kinder Augen mißhandeltest. — O, diese Courage hattest Du früher, als Jude, nicht — seither habm sie ihren Vater nur fürchten, aber nicht lieben gelernt.-Wie bitter ist's

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