Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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743 zur Verfügung gestellt und damit für ihre ganze Lebenszeit auf die erheblichen Renten des Stiftungskapitals verzichtet. Nur ein Mann wie Hermann Müller, der während seiner langjährigen Vorftandsthätigkeit oft die betrübende Wahrnehmung gemacht hatte, daß wegen der gebotenen Beschränkung der Verwendung der aus Umlagen aufgebrachten Gemeindemittel auf die noihwendigsten Dinge ideale Zwecke vielfach nicht gefördert werden konnten, mußte zuerst auf den Gedanken der Errichtung einer derartigen Stiftung kommen, die einem dringenden Bedürfnisse der hiesigen Gemeinde abhilft und mit Rücksicht auf die Eigenart der Stiftungsbcstimmungen wohl geeignet ist, ihren Zwecken noch in den fernsten Zeiten und im Laufe der Jahre stets ergiebiger zu entsprechen. Uebrigens sind auch wohlthätigen Anstalten, welche den Angehörigen aller Religionen zu Gute kommen, so der Stadtgemeinde, der freiwilligen Armenpflege, sehr erhebliche Geldbeträge von der Frau Wittwe Müller schon jetzt ausgehändigt worden. Der Wunsch, den Hermann Müller bei Begründung der Stiftung ausgesprochen haben soll, daß sein Beispiel auch Andere veranlassen möge, die ihnen zu Theil gewordenen irdischen Güter dem öffentlichen Nutzen zugänglich zu machen, wird sicherlich in Erfüllung gehen, hoffentlich in Bälde und unseren Tagen noch. Bamberg, 17. Mai. Bekanntlich verbreitet eine gewisse Art von Antisemiten überall sehr eifrig ein in Leipzig gedrucktes Flugblatt: „Kauft nicht bei Juden". Darüber hat vor kurzem ein katholischer Lycealprofessor Dr. Heimbucher hier im „Volksverein für das katholische Deutschland" in einem Vortrag folgendes Urtheil gefällt: „Wir dürfen nicht den Antisemiten folgen, welche die Parole ausgebcn: „Kauft nicht bei Juden!" Wir müssen vielmehr den Grundsatz befolgen: „Kauft bei allen ortsansässigen, reellen, soliden Geschäftsleuten, selbst wenn cs ein Jude ist." Schon früher batte der „antisemitische Verein" in Nürnberg einen Protest gegen das antisemitische Flugblatt erlassen, welches in Nürnberg überall angeklebt wurde. Der dortige antisemitische Verein verwahrte sich dagegen, das sei „ein Unfug", mit solchen „bübischen Waffen" kämpfe er nicht „für Deutschthum und Christenthum". Wenn solch ein Urtheil ein antisemitischer Verein ausspricht, so darf man sich wohl jeder wetteren Charakterisirung enthalten. Hannover, 13. Mai. Wir haben unlängst gemeldet, daß die Staatsanwaltschaft in Hannover hinter dem flüchtigen Antisemitenführer Dr. Theodor Schnutz einen Steckbrief wegen Unterschlagung amtlicher Gelder und Beiseiteschaffung amtlicher Popicre erlassen hat. Zur Charakteristik dieses Vertreters des echten Deutschthums, der nach einer öffentlichen Erklärung seines früheren Freundes und Gesinnungsgenossen Abgeordneten Leuß auch mehrere hundert Mark Parteigelder für sich behalten hat, sei noch erwähnt, daß derselbe sich nicht entblödete, wegen der von ihm begangenen Vergehen einen Anderen, nämlich den Buchhalter beim städtischen chemischen Untersuchungsamt in Hannover Körtling zu dennnziren. Zum Glück für diesen erwies sich die Anklage als so haltlos, daß Herr Körtling auf Antrag des Amtsanwaltes unter Verzichtleistung auf die Vernehmung sämmtlicher geladenen Zeugen (auch des Denunzianten Dr. Schnutz) freigesprochen wurde, da nicht der geringste Anlaß vorläge, ihn der Unterschlagung zu zeihen. Hannover, 17. Mai. Der Israelitische Verein für Altersversorgung und Krankenpflege in der Synagogengemeinde Hannover hielt am Dienstag- Abend im Gemeinde-Sekretariat seine Generalversammlung. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann führte den Vorsitz, und erstattete derselbe zunächst den Jahresbericht für die Jahre 1892 und 1893. Nach denselben war der Krankenbestand am 1. Januar 1892 3 Personen. Ausgenommen wurden 48 Personen im Jahre 1892 und 39 im Jahre 1893. Gtstorben sind in Summa 12, geheilt entlassen 76 Personen. Vereinnahmt wurden im Jahre 1892 14.228 M. 55 Pf., im Jahre 1893 31,242 M. 38 Pf. In letzterem Jahre betrug der Kassenüberschuß 1101 M. 36 Pf., der Vermögensbestand 154,806 M. 87 Pf. Das bislang vermiethcte Haus Maschstraße 8 wurde im Anfang des Jahres 1893 zum Preise von 82,000 M. verkauft. Dem Verein sind im Verlauf der letzten Jahre mehrere sehr bedeutende Legate vermacht. So hat u. a. eins der ältesten Gemeindemitglieder, der verstorbene Commerzienrath M. B. dem Verein 5000 M. geschenkt und außerdem die Summe von 120 000 M. zu einer wohlthätigen Stiftung bestimmt, die noch in der Bildung begriffen ist und aus der dem Verein zum Fonds des Altersversorgungshauscs die Summe von 600 M. jährlich zufließen wird. Es ist nun die feste Absicht vorhanden, demnächst sowohl zur Gründung eines Altersversorgungshauses zu schreiten, als auch an Stelle des jetzigen nicht mehr genügenden Krankenhauses ein neues den hygienischen Anforderungen in vollstem Maße entsprechendes Haus zu bauen. In den Vorstand wurde Herr Lichtenberg einstimmig gewählt. Aus Oberschlefien. Am 13. d. Mts. fand in Gleiwitz eine Verbandsversammlung der Rabbiner Oberschlesiens statt- Der Vorsitzende Rabbiner Dr.