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Der Israelit · 1894-05-25 · Heft 41 (25.5.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 41 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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742 Privat-Telegramrn des „gdvaelit". Leutershausen, 24. Mat. 3 Uhr 10 Min. Nachm. Herr Rabbiner Dr. Kobn aus Mann« heim wurde mit 149 Stimmen zum Districtsrabbiner des Rabbinates Ansbach gewählt. Herr Rabbiner Dr. L ö w y - Birkenfeld vereinigte 140 Stimmen auf sich. Literarische Iierichte. Heinrich Löwe: Lieder - Buch für jüdische Vereine. Nebst einem Anhauae enthaltend Gedichte jüdischen Inhalts zum Vortragen. Berlin. H. Schildberger 1894. 99 S. kl. 8. Bekanntlich haben „böse Menschen keine Lieder": der Verfasser des Buches, dem überreich die Verse und Lieder zu- und entströmen, muß also ein recht guter Mensch sein. Aber er ist auch gar kein übler Dichter und das ist im vorliegenden Falle das Wichtigere. Wenn die „Nationalisten" nur immer Werke von der Art des vorliegenden wollten, wären sie daher aus doppelten Gründen unseres Dankes sicher. — Die Uebersetzung des Gaudeamus ins Hebräische (S. 97 ff ) rührt, was zu bemerken Verfasser vergaß, von Eduard Benath her. d. M. Tschernichoff: Die Aufgabe der jüdischen Wohlthättgkeit. Berlin 1894. H. Schildberger. 28. S. 8. Der erste Theil ist schwach und leidet unter Widersprüchen des V rfassers, der z. B. S. 5 die Ursache des Judenhasses in ihrer Zerstreuung und dem Mangel an Corcentration sucht, und S. 7 dagegen als Grund für das Fehlen des Antisemitismus in der „neuen Welt" die unbedeutende Zahl der dortigen Juden angiebt. Unlogisch sind daher denn auch die Vorschläge, in denen dieser Theil gipfelt, dahingehend, daß ein Gemeinwesen gegründet werden solle, wo alle in ihrer Heimath Verfolgten Zuflucht finden könnten. — Lesenswerth dagegen ist der zweite Theil, der die Frage „Wohin mit den Auswanderern?" im Sinne einer ColonisaUon Palästinas bespricht,*) mit warmem Herzen und trefflicher Einsicht in die Verhältnisse die Gründe ausführt, die für die Wahl dieses Zieles sprechen, und berechtigte Kritik an den Gegenvorschlägen übt. Dieser Theil eröffnet auch dem Mit der Frage Vertrauten den einen oder anderen neuen Gesichtspunkt. Das Schriftchen sei darum Allen, die für die hier berührten Fragen Interesse haben, empfohlen. b. *) Der Verfasser hat außer Acht gelassen, daß die türkische Regierung eine Colonisirung Palästina's im Großen durch ausländische Juden bis jetzt wenigstens nicht gestattet. Red.) Zeitrrugsuachrichterr «ud Correspoudenzen Deutschland. Mainz. Die „Staatsbürgerzeitung" berichtet über einen Prozeß, der vor der Strafkammer des Landgerichts in Kleve gegen zwei Juden, Isaak und David Bonn, am 10. d. Mts. verhandelt wurde. Diesem Metzgerpaar wurde zur Last gelegt, am 7. August vor. I. das Fleisch einer von ihnen geschlachteten Kuh in unfläthiger Weise beschmutzt und an Christen verkauft zu h b:n. Obwohl die Angeklagten diese Beschuldigung als eine große Lüge hinstellten und 13 Entlastungszeugen stellten, obwohl der aus dem Aantener Prozeß bekannte Vertheidiger Dr. Fleischhauer mittheilte, daß der Hauptbelastungszeuge, gegen den der Angeklagte Isaak Bonn schon früher eine Verleumdungsklage in der Sache geführt hatte, ein fanatischer Antisemit sei, und daß antisemitische Agitatoren vor dem 7. August Briefe in der dortigen Gegend verbreiteten, in denen behauptet wurde, daß das jüdische Gesetz solche Fleischbesudelung für Christen vorschreibe — wurde Isaak Bonn zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Hoffentlich ist in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es handelt sich hier weniger um die Bestrafung des Angeklagten, — denn es liegt uns fern das Urtheil des Gerichtshofes, das auf Grund vereidigter Zeugen gefällt wurde, zu bemängeln — als um die Beschuldigung des jüd. Religionsgesetzes, das eine solche Vorschrift nicht kennt. München, 18. Mai. Der verstorbene hiesige Vorstand der Cultusgemetnde, HermannMüller hat gemeinsam mit seiner jetzigen Wsttwe Folgendes verfügt: „Der israelitischen Kultusgemeinde München vermachen wir den Betrag von 35000 M. Wir machen der Vermächtnißnehmerin die Auflage, damit eine Stiftung mit der Bezeichnung: „Hermann und Jettchen Müller'sche allgemeine Wohlthätigkeitsftiftung" zu begründen. Während ein Zehntel der Erträgnisse dieser Stiftung auf ewige Zeiten dem Kapitalsstocke zugefngt werden soll, sollen die übrigen Erträgnisse nach Abzug der Kosten der Verwaltung zur freien Verfügung der Vermächtnißnehmerin stehen, uin damit je nach dem vorliegenden Bedürfnisse Erz'ehungszwecke, gemeinnützige Zwecke innerhalb des Judenthums ohne Rücksicht auf Ort und Land zu fördern, der Noth und Armuth zu steuern und die bürgerliche Stellung der Juden zu verbessern." Frau Jettchen Müller hat nun, wiewohl die Stiftung erst nach ihrem Ableben zu errichten gewesen wäre, schon jetzt den ganzen zu der Stiftung bestimmten Betrag der hiesigen Kultusgemeinde

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