Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 40 (21.5.1894)
- Date
- 1894-05-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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733 bereit, hat er stch großer Beliebtheit zu erfreuen. Am meisten redet hierfür die Dankbarkeit seiner Zöglinge diesseits und jenseits des Oceans im allgemeinen, die Feier seiner 25jährigen Amtsthätigkeit in Frielendorf, sowie das in seltenem Maße so vorhandene ehrerbietige Begegnen der Gemeinde im besonderen. Anerkannt werden von dieser namentlich auch seine hervorragenden Leistungen auf religiösem Gebiet durch Vorbild und Belehrung. In letzterer Hinsicht verdienen vorab die originellen und gediegenen sabbatlichen Vorträge hervorgehoben zu werden, die wahrhaft Stunden der Erbauung und Belehrung bieten, und noch bis heute übt er diese liebgewonnene Funktion. Die Geistesfrische, die aus seinen Vorträgen spricht, läßt den 77jährigen Greis nicht erkennen. Man begreift aus alle dem, daß hier die „*Dn" an einen allseitig geeigneten Mann gekommen ist. Möge nun sein Alter noch lange blühen und die Früchte seiner Aussaat mit Genugthuung noch lange von ihm geschaut werden. — Aus dem Rabbinats-Distrtkte Ausbach. Die Rabbinatswahl ist vom Stadtmagistrat Ansbach auf Mittwoch, 25. Mai anberaumt. In den letzten Tagen, geht es da natürlich lebhaft zu. Ca. 20 Bewerbungen sind cingelaufcn, von diesen dürfte diejenigen des Herrn Dr. L ö w y in Birkenfeld und die des Herrn Dr. P. Kohn in Mannheim die meiste Aussicht auf Erfolg haben. Ersterer, der Schwager einer angesehenen Persönlichkeit in Ansbach, ist das enfant gatee der Verwaltung in Ansbach, während letzterer von den Orthodoxen des Wahlkreises bevorzugt wird. Interessant ist die Agitationsweise der Ansbacher, dieselben drohen nämlich, es gehe schlimm, wenn der Wille der Verwaltung nicht durchgesetzt werde. Aber bange machen gilt nicht. Da die Verwaltung noch nicht weiß, ob Herr Dr. Kohn in Mannheim trotz der anfänglichen Gegnerschaft eines Theiles der Gemeindemitglieder nicht später noch die Sympathie derselben erwerben kann, so ist es wohl etwas gewagt, wenn Mitglieder der Verwaltung erklären, es sei auch ferner nicht zu erwarten, daß sich Herr Dr. Kohn „einleben" könne. Auch die Orthodoxie ist nicht lässig in der Agitation, was aus nachfolgendem Circular an die Wähler erkenntlich ist. Dasselbe lautet: Der Stadlmagistrat Ansbach hat die Wahl eines Rabbiners für den Distrikt Ansbach auf Mittwoch, den 23. Mai, 9—1 Uhr im Magistrats-Saale festgesetzt. Es ist nun die Frage: „Welchen der in Vorschlag gebrachten Kandidaten sollen wir wählen?" Gewiß nur einen Mann, der das Vertrauen genießt, daß er nicht nur den berechtigten Wünschen und Anforderungen entgegenkommt, die heutzutage allgemein an einen Rabbiner gestellt werden, sondern auch einen solchen, dessen Charakter dafür bürgt, daß er den eigenartigen Verhältnissen in unserem Distrikte gewachsen ist. In Erkenntniß dessen hat die erste Versammlung der Vorstände der einzelnen KultuSgemeinden am 31. Dezember vor. JrS. der Meinung Ausdruck verliehen, ein Rabbiner aus Bayern verdiene den Vorzug. Wenn sich dazu noch ein Mann findet, der sogar aus unserem Distrikte stammt, ein Mann, deflen Familie seit uralter Zeit einen europäischen Rus besitzt, ein Mann, der mit den glänzendsten Zeugnisien geschmückt ist, ein Mann, der durch seine tiefdurchdachten, wohltönenden Reden berühmt ist, ein Mann, dessen seitherige Thätigkeit davon Zeugniß gibt, daß er frei von Fanatismus und Partei. Hader versöhnend auf alle religiösen Richtungen gewirkt hat, ein Mann, dem in Folge seiner gründlichen Gelehrsamkeit auch in profanen Wissenschaften eine Professur angeboten war, so müssen wir es als Glück bezeichnen, wenn ein solcher Mann geneigt ist, jene Kanzel zu betreten, wo auch ein Grünbaum s. A. ein Menschenalter hindurch das Wort der Liebe und des Friedens, das Wort der Lehre und Unterweisung so eindrucksvoll gepredigt hat. Herr Rabbiner Dr. P. Kohn in Mannheim aus Gunzenhausen bezw. Klein-Nördlingen stammend, ist der Mann, dessen Wahl wir Ihnen dringend ans Herz legen!! Wir können mit gutem Wissen behaupten, daß Herr Rabbiner Dr. P. Kohn in Mannheim in seltener Harmonie all' das in sich vereinigt, wodurch er für AnSbach geeignet erscheint. Eine Rabbiner-Wahl ist ein seltenes Ereigniß; sie ist aber äußerst wichtig für die Erhaltung eines Kleinods, für die Erhaltung unserer heiligen Religion; sie ist so wichtig, daß nach Ministerial-Entschließung vom 28. Dezember 1844 die Giltigkeit der Wahl vom Erscheinen zwei Drittel aller Wahlberechtigten abhängig gemacht ist. Welch' schlechten Eindruck würde es auf die Behörde machen, welche Waffen würden Sie den Antisemiten in die Hände liefern, wenn Sie durch Fernbleiben die Wahl als einen Akt der Gleichgiltigkeit hinstellen würden? Wir bitten: Kommen Sie am 23. Mai nach AnSbach und wählen Sie Herrn Rabbiner Dr. P. Kohn in Mannheim. Das vereinigte Wahl-Comi16 Ansbach und Gunzenhausen: Nath. Obermeyer, Wolf Rosenfeld, S. Hausmann, D. Jochsberger, S. Hamburger, B. Wurzinger, A. Brunn. L. Guggenheimer, M. Kellermann, M. Joelsohn, R. Seeberger, M. Neuburger, S. Kellermann, S. Seelberger, Albert Hellmann, S. Joelsohn. Sehr naiv ist die Zumuthung der AnSbacher Herren, Herr Kohn solle zurücktreten: Nein, den Gefallen thut er ihnen nicht, nachdem selbst die nächsten Verwandten des Vorstandes in Ansbach für denselben thotsächlich begeistert sind. W. C. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Olruütz, 14. Mai. In der heutigen Hauptversammlung des Deutschen Schulvereins, der zahlreiche Abgeordnete beiwohnten, hob der Obmann Weittof unter stürmischem Beifall hervor, daß heute das fünfundzwanzigjährige Jubiläum des Volksschulgesetzes stattfinde. Der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Schulvereins, Prof. Seidlitz, wurde lebhaft begrüßt. Bewillkommnungen langten ein von den Ministern Plener und Wurmbrand, dem Präsidenten Chlumecky, der vereinigten Linken und der deutschen Nationalpartei. Der antisemitische Antrag, wonach