Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 40 (21.5.1894)
- Date
- 1894-05-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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732 griechischen Kirchentonarten, bezieht sich auf Plu* tarch, mit dessen verschiedenen Tonarten er die *idt 'Z'v Davids vergleicht, er gibt zum Beispiel von dem Begriff „Melodie" die durchaus richtige Definition : „Melodie ist eine Aufeinanderfolge verschiedener Töne in bestimmten Abstufungen, die dem Ohre schön und angenehm erklingen." Er hat Plato undQuiectilian studirt, stellt eine vollständtae Harmonielehre aus und bespricht eingehend daS Wesen des vier- und mehrstimmigen Gesanges. Ein derartig gründliches, musikwissenschaftliches Können, wie Portaleone es aufwetst, kann natürlich nur seinen lieferen Grund in dem regen Interesse haben, das der Schriftsteller der Musik entgegengebrachte, dieses Interesse aber war eben damals vielfach erweckt und gehoben worden. Allein nicht nur bet der Theorie blieb man stehen; man ging auch zur Praxis über. Diese praktische Bethätigung des Musikinteresses bei den Italienischen Juden jener Zeit offenbarte sich in einer Form, durch welche der ernste Eifer, mit dem man die Sache auffaßte, drastisch zum Ausdruck kam. Man gründete nämlich in jüdischen Kreisen Verein e, die lediglich musikalische Veranstaltungen zum Zweck hatten. Es entstanden solche Vereine, besonders in Mantua und Florenz. Es waren zunächst in der ersten Zeit blosGesangvereine, gegründet lediglich zu dem Zwecke gegenseitiger Anregung und Unterhaltung. An Material, d. h. an Gesängen, deren Studium gepflegt werden konnte, hatten die Vereine keinen Mangel. Denn die Komposition mehrstimmiger Gesänge, Madeigale genannt, stand gerade damals in höchster Blüthe; es reiften die Früchte, welche Palästrina gepflanzt hatte. Besonders interessant aber wird uns das Wesen und der Charakter dieser jüdischen Gesangvereine durch die Beobachtung, daß sie in den Bereich ihrer Veranstaltung auch jüdische Gesänge ausgenommen haben. So berichtet uns ein jüdischer Dichter jenes Zeitalters, EmanuelFrancts, daß er einen seiner Gesänge angefertigt habe für einen Gesangverein, der den italienischen Namen „ Anelanti“ führte und in Florenz bestand. Der Dichter erzählt uns zu gleicher Zeit, daß sein Werk durch diesen Verein nach allen Regeln der musikalischen Kunst in zwei Synagogen vorgetragen worden sei. (Vgl. Brody: Hebr. Prosodie, S. 24.) Wir haben hiermit einen Punkt berührt, der ein besonderes Interesse erheischt und der uns ebenfalls Beweis dafür ist, wie sehr in jener Zeit die Musik bei den Juden geschätzt wurde, nämlich die Stellung der jüdischen Dichter zur Musik. Wenn auch späterhin die obenerwähnten Musikvereine in Italien sich auch der Instrumentalmusik zuwandten und hlefür ein so reges Interesse zeigten, daß sie z. B. in Mantua bei einer Aufführung am Sabbat Mitwirken wollten und deßhalb an den Rabbiner Jsmael Kohen eine Anfrage richteten, ob ihnen dies erlaubt sei, weil die ganze Aufführung sonst unmöglich gemacht werde, (Vgl. Kohen's Gutachtensammlung nvr« jn;), so blieben sie doch in den weitaus meisten Fällen beim Gesänge. Die jüdischen Dichter aber richteten, wie wir sahen, ihr Augenmerk auf diese Vereine und unterstützten sie durch Neuschöpfungen. Die Rücksicht auf den späteren musikalischen Vortrag ihrer Werke fedoch mußten die Dichter veranlassen, sich bei der Abfassung ihrer Dichtungen durch die verschiedensten musikalischen Momente beeinflussen zu lassen. Thatsächlich weist die hebräische Dichtkunst in jenem Zeitalter eine große Anzahl Beispiele hiefür auf. Die mächtigen Wirkungen der profanen Musik brachten jene bereits oben erwähnten Eigenthümlichkeiten hervor, in den das starke Ueberwiegen außerjüdischer Melodien bei den Juden begründet ist. Die italienischen Volkslieder, die damals gang und gäbe waren und die durch den Aufschwung der musikalischen Kunst überhaupt zu neuem Leben erweckt wurden, bildeten in vielen Fällen das äußere Gewand für jüdische Dichtungen, ja selbst äußere Gesangsformen, wie die der Arie und des Rezitativs wurden von hebräischen. Dichtern zu Hilfe genommen; man kann mit Recht behaupten, daß selbst die jüdische Dichtkunst durch die Umwälzungen auf musikalischem Gebiet viel gewonnen hat, wenigstens an äußeren Mitteln der Kunstwirkung. (Schluß folgt.) Zeitnrrgsnachrichterr und Correspondeuzerr Deutschland. Aus dem Regbz. Cassel, 12. Mai. Am 1. Januar d. I. ist der Lehrer Markus Lion zu Frielendorf, Kreis Ziegenhain, nach mehr als 50 Dienstjahre in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Ec wirkte nacheinander in den Orten Eobenhausen, Lohrhaupten, Krainfeld und Wächteröbach. Trotz der wenigen Jahre, die er hier war, hatte er sich großer Anerkennung zu erfreuen, was Zuschriften und andere Aufmerksamkeiten von dort nach einem halben Jahrhundert seiner Abwesenheit zur Genüge beweisen. Im März 1848 kam Lion an die oben genannte Elementarschule zu Frielendorf, woselbst er bis Anfang d. I. ununterbrochen segensreich gewirkt hat. Neben seinen jüd. Schülern sind es auch zahlreiche christliche, selbst entfernter wohnende, die ihm eine gute Vorbildung und das Streben nach größerer Vervollkommnung verdanken. — Durch seine großen Fähigkeiten und seine sehr reiche Erfahrung, jedem mit Rath und That zur Hilfe