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Der Israelit · 1894-05-21 · Heft 40 (21.5.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 40 (21.5.1894)
Date
1894-05-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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>»>,,!JJ ><^^^,^».-M>?WW«i»!^WM -q XXXV. Jahrgang. Beilage ju M 40 des „Israelit". Leitender Artikel. WuMattsche Hyettoöikder. Von Dr. A. Ackermann. (Fortsetzung.) Auf diesen modernen Aufschwung der jüdischen Komposition mache ich deßhalb hier besonders aufmerksam, weil die Periode, zu deren Schilderung ich nunmehr übergehe, ein merkwürdiges Pendent bildet eben zu der modernen Entwickelung. Wenn wir finden, daß auch in jener Periode, also vor nunmehr rund 300 Jahren in Italien die jüdische Musik plötzlich als eine spezifisch jüdische auftritt so finden wir auch, daß genau wie in moderner Zeit, die Gründe für dieses Auftreten in den allgemeinen musikalischen Zeitumftändcn zu suchen sind. Genau dieselben inneren Ursachen, die den modernen Aufschwung der synagozalen Musik hervorbrachten und begünstigten, wirkten gegen das Ende des 16. Jahrhunderts auf die entsprechenden Vorgänge in Italien ein. Waren es in der neueren Zeit die gewaltigen musikalischen Umwälzungen, hervorgerufen durch die Heroen Haydn-Mozart- Beet Hoven, die alle Welt mit sich fortrissen und wie alle Zweige des musikalischen Lebens so auch den synagogalcn Gesang segenspendend befruchteten, so war auch im 16. Jahrhundert in Italien eine folgeschwere Umwälzung auf musikalischen Gebieten eingetrcten. Ihr Urheber war Pierlingi de Palestrina. Palestrina toar das, was er wurde, in vatikanischen Diensten geworden, und es darf wahrlich als nicht gering anzuschlagender Verdienst des Papstthums bezeichnet werden, daß durch seine hervorragende Begünstigung die musikalische Kunst während des ganzen Mittelalters zu derjenigen Höhe gedieh, die als Grundlage für ihre gesunde Wetterentwickelung zu dienen vermochte. Palestrina hauchte der kirchlichen Musik neues Leben ein; er schuf, das Kennzeichen des echten Genies, einen besonderen Stil, der unter der direkten Bezeichnung Palestrina-8ti1 bis auf den heutigen Tag in der kirchlichen Musik eine Rolle spielt. Damals, als Palestrina sich im Zenith seines Ruhmes befand, stand alle Welt unter dem Eindruck des Palestrina-Stils und er wurde durch eine zahllose Schaar von Schülern und Nachfolgern fortgesetzt und erweitert. Die fast geheimnißvolle Tiefe und die erwärmende Innigkeit, von der die musikalische Kunst zu allen Zeiten durch Einwirkung religiöser Ideen durchdrungen wurde, wie später besonders bet Jo h. S eb. Bach, sie machen auch das innerste Wesen des Palestrina- Stils aus. Den mächtigen Wirkungen der neuen Reformation konnten sich auch die Juden in Italien nicht entziehen. Die äußeren Zeitumstände jener Periode haben wir eben bereits als außerordentlich trübe geschildert. Das innere, besonders das wissenschaftliche L^ben aber stand zu jener Zeit in höchster Blüthe. Asarjah de JRossi hatte die jüdische Wissenschaft von allen Zeiten behandelt und eine reiche Saat ausgestreut: allüberall that sich ein reges, rüstiges Schaffen kund. Indem nun die Umwälzungen auf musikalischem Gebiet, obwohl sie zunächst nur die katholische Kirchenmusik betrafen, doch auch durch die tiefe Gewalt, die ihnen innwohnte, auch die italienischen Juden beeinflußte, zeigt sich dieser Einfluß, worauf wir zunächst Hinweisen wollen, auf schriftstellerischem Gebiete. Die Musik, wie überhaupt musikalische Dinge waren allerdings auch schon früher, ja schon in sehr früher Zeit bei den Juden wissenschaftlich behandelt werden. Insbesondere waren es die Religionsphilosophen, die, allerdings in ziemlich dunklen und räthselhaften Abhandlungen, die Wirkungen der Musik auf das menschliche Gemüth besprachen und hiebei sogar von dem äußeren Wesen der Musik, von den Intervallen und Tonfolgen ausgingen. Jetzt aber war in Italien bei den Juden das Interesse an musikalischen Dingen derart gestiegen, daß auch ihre wissenschaftlichen Abhandlungen über diese Gegenstände zu einer klaren, verständigen Forul durchdrangen, sich auch nicht mehr ausschließlich auf allerhand mystische musikalische Seelenanalysen beschränkten, sondern mit tiefem Verftändniß das ganze Gebiet der Musiktheorie behandelten. Besonders e i n Mann ist hier zu nennen: der Arzt Adr ab am Portaleone. Er schrieb eine große hebräische Archäologie, betitelt: Selrilte 6ri ddorim, in welcher er Altertümer des jüdischen Volkes behandelt und bei Besprechung des altjüdischen Tempeldienstes auch auf die Musik zu reden kommt. Er zeigt sich in dieser Partie, die einen großen Theil seines Werkes ausmacht, als ein wohlunterrichteter Musiker, der nicht nur tüchtig Bescheid weiß in allen musiktheoretischen Dingen, sondern der sich auch mit der musikalischen Literatur seiner Zeit beschäftigt. So cittrt er bei Besprechung der musikalischen Bedeutung der Accente eine in Paris erschienene Prosodia hebracorum von Valentins, dessen Theorie er scharf bekämpft. Er bespricht eingehend die alten

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