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Der Israelit · 1894-05-21 · Heft 40 (21.5.1894) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 40 (21.5.1894)
Date
1894-05-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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728 ■¥> vermischtes. < G. Frankfurt a M., 14. Mar. Der Arzt von Lemaan Zion, Herr Dr. Feuchtwanger, hat im März d. I. in der Sprechstunde 719 Kranke behandelt und 145 Krankenbesuche gemacht (im Februar 789 und 182), von den 719 waren 477 Aschkenasim und 242 Sephardim. 6 Besuche wurden Nachts gemacht. 51 litten an Augenkrankheiten, 60 an chirurgischen Krankheiten, 16 an Frauenkrankheiten. Bei ca. 300 Consultationen wurden die Arzneien gratis verabfolgt, 126 benöthigten keine Medizin. 160 Rezepte wurden mit 3 Metelliks (14 Pfg.l, 130 mit 6 Metelliks (28 Pfg.) bezahlt. Von den Krankenbesuchen waren 13, darunter 4 nächtliche gratis. — Durch den Cherem, welchen die Rabbiner gegen die Arbeit in der Mission erließen, find viele Handwerker brodlos geworden. In Bezug darauf schreibt der Agent von Lemaan Zion an den Ausschuß: „Einige Darlehen mußte ich mir leider eigenmächtig zu gewähren erlauben, in Folge der abscheulichen Handlungsweise der Mission, die, die schlimme Zeit und die verzweifelte Lage der jüdischen Handwerker benützend, selbe in ihren Etablissements beschäftigte und sie reichlich lohnte, aber gleichzeitig ihnen das Christenthum predigte und sie durch allerhand List zum Abfall verleitete. Das hiesige Beth-Din erließ einen Cherem gegen die Arbeit in der Mission, worauf die jüdischen Arbeiter die Werkstätten der Mission verließen und zu den Rabbinen gingen, um Arbeit, resp. Nahrung für ihre Familien zu erlangen. Die Rabbinen sandten sie zu Lemaan Zion. Was konnte mit selben geschehen? Jeder verlangte angestedelt zu werden, was der großen Kosten halber gewiß unmöglich ist. Also entschloß ich mich zu einigen Darlehen, um selben zur Miethe einer Werkstätte zu verhelfen." Mannheim. Das neu erbaute Haus des hiesigen israel. Waisenvereins wurde Sonntag in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben. Es war ein schlichter Akt, der nur in einem kleinen Kreise stattfand; es waren außer dem Vorstand und den früheren Mitgliedern desselben Herr Geh. Rath Lamey, Herr Oberbürgermeister Beck, Herr Bürgermeister Klotz, der isr. Gemerndevorstand und einige nahe Freunde der Anstalt erschienen. Der Festakt vollzog sich in würdigster Weise. Nach einem stimmungsvollen Quartett von Mitgliedern des „Liederkranz" (jüdischer Verein), sprach der Vorsitzende des Vereins, Herr A. Lenel, in warmen Worten über die Entstehung und die Bedeutung des neu erbauten Hauses. Er erzählte, wie der Verein vor 35 Jahren seine Thätigkeit begann, wie die Meinungen, ob eigenes Heim, oder Unterbringung in Familien besser sei, lange geschwankt hätten, und wie man durch die Macht der Umstände gezwungen, sich zur Erziehung der Waisen im eigenen Hause des Vereins entschloß. Mit einer Ansprache an die Kinder, sich des neuen Hauses zu freuen, es in Ehren zu halten und mit warmen Segenswünschen für die Neuschöpfung beendete Herr Lenel seine zu Herzen gehenden Worte. Zwei Pfleglinge des Heims, ein Knabe und ein Mädchen dankten in poetischen Worten. Ein Schlußgesang des „Liederkranz" bildete das Ende des Festaktes. Hierauf fand eine Besichtigung des neuen Hauses statt. Alle Anwesenden äußerten sich in rührender Weise über die praktische Einrichtung, die namentlich den Kindern das verschafft, was am meisten Noth thut, Licht und Luft, und die in jeder Weise Mustergiltiges leistet. Möge dem so segensreich schaffenden Verein es vergönnt sein, in seiner neuen Heimstätte in gleicher Weise fortzuwirken. Raftatt. Aus Anerkennung und Dankbarkeit für pflichttreue Erfüllung seines Berufes erhielt Herr Lehrer und Cantor Em. Mayersoyn von den Mitgliedern der hiesigen israel. Gemeinde einen prachtvollen silbernen Pokal mit einer Widmung. Möge es demselben gegönnt sein, noch viele Jahre zum Nutzen und Frommen seiner Gemeinde wirken zu können. Feuilleton. Eine jüdische Mutter. Von Bernard Auerbach. (1. Fortsetzung.) Esther beugte schmerzergriffen das Haupt und mit der Rechten die Augen schützend, als wollte sie die hervorströmenden Thränen verbergen, entrang sich ein krampfhaftes Schluchzen aus der Brust des armen Weibes. Meisel berührte begütigend den Arm Esthers. „Ich wollte nicht das Andenken meines Schwiegervaters verletzen" sprach er, — „Du weißt, ich habe ihn immer verehrt und hoch gehalten, — wir wollen doch in Güte alles besprechen, Esther, also schenke mir Gehör." Esther erhob bei diesen Worten energisch das Haupt und fest die Lippen zusammenpreßend, als wollte sie ihrem Schmerze gebieten, richtete sich ihr thränenfeuchter Blick fest auf Meisel, ihn gleichsam zu weiteren Mittheilungen auffordernd. „Ich habe dir geschildert," nahm Meisel das Wort, „was ich unter der Befehdung meiner geldgierigen Verfolger litt. Als ich vor einigen Monaten zum fälligen Zahltermine dem Fürsten, meinem Gutsherrn, den Pachtzins erlegte, nahm mich dieser gnädig bet Seite und sprach in einem Tone, in welchem eben so viel Bedauern als Entrüstung lag: „Nehme er sich in Acht, lieber Meisel, Er muß arge Feinde unter seinen Glaubensgenossen haben, man hat mir freiwillig bedeutend höhere Pachtgebote gestellt, als Er zahlt! — Doch, mein gottseliger Vater hat auch seinen Vater geschätzt und ich weiß auch, daß Er sein würdiger Sohn ist. — Es soll seinen Feinden nicht gelingen, ihn aus der Pacht zu reißen und daran soll Er erkennen wie ich als redlicher Christ — und wie seine Glaubensgenossen handeln." Hingerissen von dieser Menschenfreundlichkeit, fühlte ich mich wie in den Staub gedrückt und während einerseits mein Herz überwältigt ward von der Großherzigkeit des Fürsten, war mein ganzes Wesen empört in wüthendem Hasse gegen Jene, die sich fälschlich meine Brüder in einem Glauben nannten, dessen erhabene Grundsätze sie so auslegten! „Durchlaucht," rief ich — „Ihre Religion sei die meine, Ihr Glauben soll der meine werden —

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