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Der Israelit · 1894-05-21 · Heft 40 (21.5.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 40 (21.5.1894)
Date
1894-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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727 auf ein Verbot des Schächtens, mit allen gegen 2 Stimmen abgewiesen. England. London. Vor etwa 2 Jahren wurde die hiesige „Hamburger Synagoge" unter der Bedingung abgerissen, daß statt ihrer innerhalb eines bestimmten Zeitraumes im Umkreise von 2 englischen Meilen östlich von der alten, eine andere errichtet werden sollte. Diese Frist ist jedoch bereits aus verschiedenen Gründen, hauptsächlich weil kein passendes Grundstück gefunden werden könnte, überschritten worden, bis nun vor kurzem Lord Rothschild ein solches im Commerc^al Road gefunden zu haben glaubte. Der Kaufpreis schwankt zwischen L. 14,000 und 15,000 und es umfaßt im ganzen 19,500 Sp. Gegen dieses Projekt ist von Herrn S. Montague ein anderer Vorschlag gemacht worden, und zwar räth derselbe mit einem Gotteshause eine Halle für Vorträge und andere gesellige Vereinigungen für die Juden Ost-Londons zu verbinden, wie sie unter dem Namen „Rothschild-Halle" schon vor einiger Zeit propontrt worden war. Dieser Vorschlag hat bisher weniger Anhänger gefunden als der erftere, bet dem nur Gottesdienst und Beth-Hamidrasch in Betracht kommen sollen. Es wird nun in einer Sitzung Weiteres beschlossen werden. Rumänien. M. Jassy, 4. Mai. Während die Rumänen über die angebliche Unterdrückung ihrer Stammesgenossen in Siebenbürgen Himmel und Erde in Bewegung setzen und im ganzen Lande Demonstrationen über Demonstrationen veranstalten, unterlassen sie nicht, ihre israelitischen Mitbürger aus legislativem und noch mehr auf administrativem Wege zu unterdrücken und denselben auf alle nur erdenkliche Art das Leben sauer zu machen; wahrscheinlich um sie als Minorität auf diese Weise für die Leiden der Minorität in Siebenbürgen empfindlich zu machen und dieselben zu veranlassen, in die Demonstrationen und in das Zetergeschrei mit desto wärmerer Begeisterung miteinzustimmen. In dem sichern Bewußtsein, daß von dieser Seite keine Klagen, keine Demonstrationen zu gewärtigen seien, sind bei der Handhabung der Judengesetze die Mißbräuche und Machtüberschreitungen seitens der exekutiven Gewalt geradezu zur Regel geworden — was übrigens ganz im Sinne der Regierung ist. Die seit Jahren epidemisch kreisenden, in immer verschäfterer Weise auftretenden Austreibungen der — angesiedelten, wie eingeborenen, Spirituosenverkäufer, wie Ackerbau- und Gewerbetreibenden — Juden aus den Landgemeinden, werden gegenwärtig im Bezirk Bacau mit der gewohnten Brutalität und Rücksichtslosigkeit vollzogen. In Anbetracht des bevorstehenden, schrecklichen Tages (in den den Auszuweisenden jüngst zugestellten Sommationen wurde der 23. April a. 8. als letzter Termin festgesetzt), an dem soviele unschuldige Existenzen ruinirt werden sollten, fand den letzt verflossenen Donnerstag (3. Mai.) in den jüdischen Gemeinden von Bacau und den andern Städten dieses Bezirkes ein allgemeines Fasten und Beten in den Synagogen statt. Sämmtliche Geschäftslokale waren geschlossen, alle Marktplätze, alle Straßen schienen wie ausgestorben, das ganze Leben der jüdischen Gemeinden dieser Städte concentrirte sich in den Synagogen, welche, von den fastenden und betenden Männern, Frauen und Kindern vollgepfropft, einen feierlich ergreifenden Anblick darboten, wie er selbst in der frömmsten Judengemeinde am Versöhnungstage kaum anders gedacht werden kann. Den ganzen Vormittag und darüber wurde in sämmtltchen Synagogen und in deren Vorhallen und Höfen bis an den Straßen hinaus, bei angezündeten Lichtern und Schophar- Blasen (Posaunenschall) unter Schluchzen und Weinen, Psalmen und andere Gebete mit einer der Situation entsprechenden Andacht hergesagt, u. z. unter allgemeiner Betheiligung der Unglücklichen aus den umliegenden Dörfern, denen die ganze Feier galt und die sich zu derselben mit Weib und Kind etngefunden haben. Man muß Augenzeuge dieser markerschütternden Szene gewesen sein oder die Schilderung von Augenzeugen vernommen haben, um sich von derselben eine richtige Vorstellung machen zu können. Der Polizeipräfekt von Bacau, welcher hinter dieser spontanen Schmerzensäußerung des getretenen Wurms „jüdische Solidarität," „Alliance Jsraelite" und wie die imaginären Schreckbilder der Rumänen noch sonst heißen mögen, gewittert haben mochte, ließ den dortigen Rabbiner zu sich kommen und versuchte es von ihm herauszubringen, ob nicht etwa diese staatsgefährliche „jüdische Demonstration" von Bucarest oder gar vom Auslande aus inscenirt worden wäre. Da dieser ihm daraus keinen Bescheid geben konnte, so mußte er ihm wenigstens die Namen der dortigen Gemeindevorsteher angeben. Mögen die Thränen der Unglücklichen, das Wimmern so vieler unschuldiger Wesen zu demjenigen dringen, der die Herzen der Fürsten und Minister lenkt, daß er die harten Herzen unserer unerbittlichen Regierungsmänner zu Menschlichkeit und zu Mitleid ihrer Mitmenschen umsttmme.

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