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Der Israelit · 1894-05-21 · Heft 40 (21.5.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 40 (21.5.1894)
Date
1894-05-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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729 — wie ich jetzt von mir streifen und abschütteln will Alles — was mich an mein früheres Glaubensbekenntniß unter den Menschen fesselt, hier meine Hand darauf." Der Fürst nahm hocherfreut meinen Handschlag entgegen und er versprach mir, daß er und seine Gemahlin meine Taufpathen sein werden. Doch zuvor mußte ich beim Pfarrer mich unterrichten lassen. — Ich empfing die Taufe und — den Schutz meiner gnädigen Taufpathen. — Ich war gerettet — gerettet von der Erdrückung und Vernichtung durch mcine Glaubensgenossen!" „Weh' mir, weh' Dir Meisel! —" unterbrach ihn mit dem gellenden Aufschrei des Schmerzes, Esther, — „um diesen Preis hättest du keine Rettung suchen, nicht deine Rache befriedigen sollen! Was deine Ovaus Avoßenu geglaubt und geliebt haben und wofür sie ihr Leben hingegeben hätten — das hast du in deinem Jngrimme in den Koth gezerrt — hast eine unübersteigliche Mauer aufgerichtet, zwischen der Vergangenheit, die dich zu deinem Volke und deinen Ahnen zählte und der Zukunft, die dich an Unbekanntes und Ungewisses knüpft! Es muß dich doch Jud' und Christ verachten, erst recht verachten — denn ärger als der gemeinste Betrüger hast du, nicht aus Ueberzeugung und Liebe zu dem neuen Glauben, sondern nur deinem Hasse und Deinem Eigennütze folgend, deine angeborene Religion, das geistige Kleid, welches dich seit deiner Kindheit erwärmt und geschützt hat, von dir gestreift!" „Schweig, Weib" rief unwillig werdend Meisel und eine Zornesader schwoll mächtig an seiner Stirne, während sein Blick wie wüthend hervorschoß, „sollte ich vielleicht Jude bleiben und Bettler werden?" „Hättest Du in Geldverlegenheiten nicht an Herrn Bondörfer, den Schutzengel der Armen, dich wenden können?" wagte Esther zu entgegnen. „Ja, das hättest Du mir zugemuthet", sagte in bitterem Tone Meisel, „ich hätte ein frommer Schnorrer an den Thüren meiner Glaubensgenossen werden sollen. Und sie hätten mir alle gespendet, reich gespendet, selbst meine ärgsten Verfolger. Dann wären sie Zadikim gewesen. Leben ließen sie mich nicht, aber zum L.ben giebt Jeder! Rein, niemals, diesen Triumph sollen sie nicht erleben — ein Meisel — und um Hilfe bitten! Lieber kein Meisel sein — und ich wurde Jllanowsky!" In milderem Tone fortfahrend, sagte er nach einer Pause: „Was ich gethan, hat nur Gott allein zu beurtheilen. Weder dir noch einem anderen räume ich dieses Recht ein. Freilich Du hast seit jenem Tage, da du von meinem Uebertritte Kenntniß erhieltest, mich gemieden, bist von mir geflohen, als wäre ich ein wildes Thier geworden. — — Ich will dich nicht zu deiner Pflicht zwingen, mir, wie ein rechtschaffen Weib thun soll, zu folgen — ich begehr' Dich gar nicht mehr — aber die Kinder, welche du mit dir genommen, und deren Zukunft und Glück nur ich allein zu begründen habe und begründen will, die gehören mir, hörst Du es, mir — ihrem Vater; deshab wollte ich vorerst gütlich mit dir sprechen." „Nein Meisel", entgegnete in entschiedenem Tone Esther, „die Kinder, die ich unter meinem Herzen getragen, an meinem Busen genährt und gepflegt, die gebe ich nicht her — erst müßtest Du mich vollends tödten, nachdem Du schon so viel Kummer und Schmach über mich gehäuft hast. Und glaubst du denn, ein Weib verläßt den Mann ihrer ersten Liebe, den Vater ihrer Kinder, so um Geringfügiges? Erst mußtest du selbst mit rauher Hand, Faser um Faser aus meinem Harzen reißen, das mich an dich knüpfte — und als vollends nicht mehr ein Gott — derselbe Gott, vor dem du mit mir unter der Chuppe gestanden, — mich mit dir vereinte, da duldete es mich nicht mehr und ich riß mich los von dir." „Nun wir werden sehen", äußerte Meisel die Achseln zuckend, „und was woltest du schwaches Weib mit den Kindern beginnen, woher sie ernähren und erziehen?" „Das wird nicht deine Sorge sein," entgegnete Esther, „die Kinder haben hier bei meinem Schwager Nahrung genug und der edle Herr Bondörfer, dem Du das Bräuhaus verkauft hast, läßt sie unterrichten. — Und was würdest Du mit ihnen beginnen, was können sie bet Dir lernen?" Diese Gegenfrage betonte Esther eigenthümlich scharf. „Glücklich würde ich sie machen, sie hätten nicht nölhig das Judenthum durch das ganze Leben wie ein Martyrium mit sich zu schleppen, mein Wolf, der einen guten Kopf hat, kann im Seminar lernen und es bis zum Bischof bringen — der Pfarrer hat es mir versprochen!" „So Meineidiger, meine Ahnung hat mich also nicht betrogen," rief Esther aus und Todtenbläffe überzog ihr Antlitz, „zur „Kfire" (Taufe) willst Du deine Kinder führen, damit meinst du ihr Glück zu gründen! Hast Du vergessen wie oft du meinem Vater versprochen und vor seinem Hinscheiden noch „Tkias Kaf" (Handschlag) gegeben, deinen Wolf zum Rabbiner zu erziehen wie sein Großvater einer war? Und hat nicht Gott das Kind dazu gesegnet mit hellem Geiste und scharfem Verstand!" „Und Du willst wieder deinen Wolf damit beglücken, daß er ein Row (Rabbiner) werden soll und sich sättigen wird an den Komplimenten, die

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