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Der Israelit · 1894-05-16 · Heft 38-39 (16.5.1894) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 38-39 (16.5.1894)
Date
1894-05-16
Page
– (sequence 27)
Language
German
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717 kostbare Stück, um es für ihn zu verkaufen, und sein ursprünglicher Preis war fünfzehnhundert, aber er sagte, er würde es schließlich auch um zwölfhundert lasten. Ich null ihm noch einmal schreiben und fragen, ob er es noch billiger gibt." „Danke", versetzte der geschmeidige Kerl, „aber wie immer seine Antwort ausfällt, Sie lasten mir das Vorkaufsrecht, ja!" »Ich ging heim und wartete eine Woche, um dem angeblichen Freunde Zeit zu jeiner Antwort zu lasten. Dann suchte ich wieder meinen lieben Juden auf und erzählte ihm mit enttäuschter Miene, daß mein Freund an seinem Preis von fünfzehnhundert festhälte, daß ich als Ehrenmann jedoch bei meiner Forderung von zwölfhundert bleibe, denn ich fühle mich verpflichtet, mein Wort zu halten." „Gewiß!" bestätigte der Jude und zählte mir den Betrag auf; dann ersuchte er mich in seinem singenden Jargon, ihm nur wieder Sachen zu bringen, wenn ich welche fände. Sehen Sie die Gaunerei des Kerls?" „Welchen Kerl meinen Sie?" „Nun, den Juden natürlich! Er glaubte einen echten Donatello zu erwerben, er wußte, daß er fünfzigmal mehr werth war, als er mir zahlte, und so betrog er mich in dieser infamen Weise!" E. M—y. * -i- Dieses wahre Begebniß wird mir von befreundeter Seite aus Venedig übermittelt. ES trägt das charakteristische Merkmal antisemitischer Logik und Moral an sich: den Juden betrügen und dann sich als Betrogenen ausgeben. Der Schurke stahl die Copte, fälschte sie und beschwindelte den Händler. Alles-das aber gilt nicht; der Gauner war doch nur der Jude! A. G. v. Suttner. Die Wohnungen der jud. Armen in Amsterdam. Eine höchst interessante Beschreibung von der Art und Weise, wie manche jüdische Arme in Amsterdam beherbergt werden, veröffentlichte jüngst Herr Tours, ein hervorragender nichtjüdischer Mitarbeiter des „Algemeen Handelsblad", einer der bedeutendsten täglich erscheinenden Amsterdamer Zeitungen. Der Artikel zeigt, daß die elendsten Höhlen, in welchen so manche Londoner Arme zusammengepfercht sind, im Vergleich zu jenen Amsterdamer Wohnräumen noch wahre Paläste sind. Die Wohnungen, wie sie in diesem Artikel beschrieben sind, scheinen den besonderen Zweck zu haben, denjenigen als Studium zu dienen, welche sich vergewissern wollen, welchem Uebermaß gesundheitstörender Einflüsse der menschliche Körper zu widerstehen vermag. Der Ursprung dieses Uebels ist in dem Artikel freimüthig dargelegt. Er resultirt aus der Habsucht der Hauseigenthümer und der Nachlässigkeit, mit welcher die städtischen Behörden die Handhabung der bestehenden Sanitätsvorschriften überwachen, in Folge deren tausende unserer Brüder gezwungen werden, in Schmutz versunken zu leben und verdorbene Luft einathmen zu müssen. Herr Tours schildert auch den lobenswerthen Eifer, mit welchem unsere armen Brüder gegen die bestehenden Verhältnisse ankämpfen; dieser muß aber um so mehr unser innigstes Mitleid mit ihrem Loose wachrufen. Doch lassen wir Herrn Tours jetzt selbst sprechen: „Diese Treppe hinauf! Vorsicht! Du möchtest dich wohl lieber an dem glänzenden Seile nicht festhalten. Folge aber meinem Rathe und klammere dich fest daran! Die Gefahr, solch eine ausgetretene, enge und steile Treppe hinaufzuklettern, ist zu groß. Und dennoch müssen Alle, welche hier wohnen — Kinder, Greise, Frauen, ja manche sogar mit schwer ren Lasten — auf derselben auf- und abstetgen. Würde Jemand hierbei einen Fehltritt thun, wehe ihm!" „Wir kommen nun auf einen geschwärzten, dunkeln Treppenabsatz, wo nichts uns erwartet, als ein höchst unangenehmer Duft. Wir streichen ein Zündhölzchen an und bemerken zwei Eimer, welche den zwei Familien, die diese Etage bewohnen, zur Ablagerung alles möglichen Ueberfluffes dienen." Hier folgt nun eine Schilderung von Zuständen, welche fast unglaublich scheinen. Wir können sie nicht wiedergeben, obschon die wahrheitsgetreue Wiedergabe des in dem holländischen Blatte Mitgetheilten vielleicht dazu beitragen könnte, die Behörden an ihre Pflicht zu erinnern. „Gegen Abend erinnert die Schuttkarre daran, allen Unrath dieser Krähengeniste zusammenzutragen. Die Eimer müssen nun 2, 3 oder 4 Treppen htnuntergetragen werden. Manchmal muß ein Kind diese Arbeit verrichten und man kann sich leicht vorstellen, wie die Treppen nach solcher Arbeit aussehen müssen, besonders am Montag, da am Sonntag diese Karren nicht Vorfahren. Wir können uns jedoch mit dem Gedanken trösten, daß eS in Amsterdam in dieser Hinsicht noch nicht am schlimmsten bestellt ist. Jules Simon schildert in seinen Beiträgen zur „Temps" unter der Ueberschrift „Mon Petit jonrnal" Pariser Zustände, welche noch viel

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