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Der Israelit · 1894-05-16 · Heft 38-39 (16.5.1894) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 38-39 (16.5.1894)
Date
1894-05-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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700 nicht bloß der Vergangenheit Israels, sondern auch der zeitgenössischen Weltgeschichte wie der Weltgeschichte überhaupt angehört. Lieferung 17 schließt an Lieferung 13 die Fortbehandluug der Midraschim seitens der Herausgeber. Sehr interessant sind die kurzen wiss nschaftlichen Vorbemerkungen zu den einzelnen Midraschim. Es folgen „die kleinen Tractate" mit Tr. Soferim beginnend und weitergeführt bis Perek ha Schalom in Lieferung 18. Hieran reihen sich „die kleinen Midraschim", Vorwort uud Jnhaltsverzeichnkß zu Band I. Ferner enthält Lieferung 18 die Fortsetzung von Lief. 14 „die halachistische Litteratur" von Dr. O. Bäck. Hier sind vor allem die aus dem Schulchan Aruch gegebenen Proben bemerkenswert, besonders die Stellen*über das Verhalten der Israeliten gegen Andersgläubige. Was für fesselnde und belehrende Einblicke in das Rechtsleben und die kulturellen Verhältnisse unserer Ahnen während der abgelaufenen Jahrhunderte die Responsen geben, darauf haben wir schon früher hingewiesen. — Zeitungsnachrichten und CorresPondenzeu. Deutschland. Berlin, 1. Mat. Zu denjenigen Ständen, welchen^dte geistige Führung, sei es im Staatsdienst oder im Privatbetriebe, obliegt, liefern die Evangelischen, Katholiken und Juden einen verschiedenen Antheil. Ob das Religionsbekenntniß als solches eine innere Einwirkung ausübt, sei dahingestellt; jedenfalls besteht die Thatsache, daß, wie die einzelnen Völker und Volksstämme stch von einander durch bestimmte Eigenthümlichkeiten und Neigungen unterscheiden, so auch die Angehörigen der einzelnen Religionsbekenntnisse auf bestimmte Stammes- und Berufsgruppen sich verschieden vertheilen. Die neuste „Stat. Korresp." widmet diesem Verhältniß für Preußen eine höchst beachtenswerthe Zusammenstellung. Die männliche Bevölkerung Preußens besteht zu 64 Hundertthetlen aus Evangelischen, zu 34,4 aus Katholiken und zu 1,2 v. H. aus Juden — die übrigen Religionsbekenntnisse können außer Betracht bleiben. Die Anwärter höherer Bildung vertheilen stch auf die Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse indeß nach einem ganz anderen Verhältniß. Im Durchschnitt der Halbjahre vom Sommersemester 1887 bis Wintersemester 1891/92 betrug an der Gesammtschülerzahl der höheren Lehranstalten (Höhere Bürgerschulen, Realschulen, Ober- Realschulen , Realprogymnasten, Realgymnasien, Progymnasten und Gymnasien) der Antheil der Evangelischen 70,5 v. H., der Katholischen 20,3 v. H. und der Juden 8,9 v. H. Folglich bleibt die katholische Bevölkerung um mehrmals ein Drittel gegenüber ihrem Verhältniß zur Gesammtbevölkerung beim Besuche der höheren Lehranstalten zurück und giebt ihren Antheil an die Evangelischen und Juden ab, welch Letztere fast achtmal mehr Schüler auf diese Anstalten (namentlich auf die Realschulen, Realgymnasien und Gymnasien) schicken, als nach ihrem Verhältnisse zu den anderen beiden Bekenntnissen zu erwarten wäre. Würden stch die Religionsbekenntnisse in die Schülerzahl der höheren Schulen nach ihrem Antheil an der männlichen Bevölkerung theilen, dann müßten etwa 88 000 evangelischen Schülern 47 000 katholische und nur 1700 jüdische gegenüber stehen; tatsächlich kommen aber auf 96 786 evangelische nur 27 805 katholische und 12 167 jüdische. Diese Erscheinung gewinnt noch an Bedeutung, wenn man sie iu Verbindung bringt mit der Vertheilung der Studirenden auf die einzelnen Bekenntnisse, Studienfächer und Berufe. Unter den Gymnasialabiturienten waren im Durchschnitt der erwähnten fünf Jahre 67,5 v. H. evangelisch, 24,2 v. H. katholisch und 8,1 v. H. jüdisch — fast dieselben Anthetlzahlen, welche der Gymnastalbesuch überhaupt aufweist. Dagegen ist die Gesammtzahl der Studirenden durchaus anders zusammengesetzt; denn unter 100 studirenden Preußen befanden sich 70,8 Evangelische, 19,6 Katholische und 9,3 Juden. Hier tritt also der evangelische und jüdische Antheil zu Ungunsten der Katholiken noch stärker hervor. Höchst auffallend sind aber erst die Verschiedenheiten wie stch die Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse auf die Fakultäten vertheilen. Unter je 100 Studirenden waren in der Evang. Kath. Juden juristischen Fakultät 74.1 17,9 7,7 medizinischen „ 58,8 22.1 18,6 philosophischen „ 75,3 16,0 8,1 also in den nicht theologischen drei Fakultäten 69,0 18.7 11,8 Hier findet sich also ein Zurückweichen der christlichen Bekenntnisse zu Gunsten der Juden, deren Antheil, je höher die Bildungsstufe, desto mehr wächst, während die Evangelischen ihren Antheil fast unverändert festhalten, die Katholiken mit dem ihrigen nach obenhin immer mehr abnehmen, so daß sie also in Berufskretsen, welche die Aneignung höherer Bildung zur Vorbedingung stellen, verhältnißmäßig schwach vertreten sind. Die tieferen Gründe dieser Erscheinung entziehen stch der statistischen Erhebung. Lyck in Ostpr. Wie der „Boss. Ztg." von hier unterm 7. d. M. gemeldet wird, hat in dem russischen Grenzstädtchen Grajewo zwischen den bei den Kasernenbauten beschäftigten Handwerkern und polnisch-jüdischen Händlern ein arger Krawall stattgefunden. Erstere erstürmten die Häuser, zerttüm-

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