Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-05-16 · Heft 38-39 (16.5.1894) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 38-39 (16.5.1894)
Date
1894-05-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448446--38513-2486624
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

w.ißtf**f r jj»na^^f jpy, m1 »Lrs^MW»^,'^ :!r7-.r^rwf,-^yT^ .1/ »P> A.. -JUHiJl.t^Aff4Wg*^-l.'i<,IWW J 701 ntgcn jüdischen Schweizer-Reisenden, welche noch ein Fünkchen Ehre in der Brust glimmen fühlen, werden, wenn auch nicht aus Religiösität, so doch aus Rücksichten des gesellschaftlichen Taktes und sozialen Anstandes, die Kreise meiden, die ihre Glaubensgenossenschaft in so brutaler Weise zu vergewaltigen suchen und diejenigen Tafeln aufsuchen, an welchen sie keine öffentliche Beschämung zu risktren haben, wenn ihnen auch an den jüdischen Speisegesetzen wenig gelegen sein sollte. Als die Massen vorigen Sommer für ein Schächtverbot gewonnen werden sollten, wurde ihnen vorgelogen, die Juden würden sich einem Schächtverbot schon fügen und ungeschächtetes Fleisch essen, wie in Sachsen auch schon geschehen sei, wo nach dem Schächtverbote die Juden ungeschächtetes Fleisch essen. Daß das Lug und Trug war, daß nunmehr außerhalb der sächsischen Grenze an verschiedenen Orten geschächtet und das Fleisch nach Sachsen gebracht wird, wurde damals wiederholt geltend gemacht; fand aber keinen Glauben. — Jetzt werden sie bald daran glauben, und die Thierschützer selber haben bereits angefangen dafür zu sorgen, daß dieser Glaube immer weiter dringe. Sie sollen jetzt nämlich Versammlungen und Beschlüsse veranstalten, wonach die Fleischeinfuhr überhaupt in die Schweiz verboten oder doch mit hohem Zoll belegt werden soll. Dazu müßte aber die Schweiz zunächst die bestehenden Zoll- und Handelsverträge aufheben, was sie sich wahrscheinlich noch einmal überlegen wird. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu Deutschland. Frankfurt a. M., 15. Mai. Gestern tagte dahier die diesjährige Generalversammlung des isr. Lehrervereins sür das Großherzogthum Hessen. Die Versammlung war diesmal gut besucht. Als Ehrengäste waren die Herren Rabbiner Dr. Horowitz, Dr. Plaut und Rechtsanwalt Dr. Plotke von hier erschienen, letzterer als Delegirter des deutschisr. Gemeindebundes. Rach der Berichterstattung des Vorsitzenden über die Vorkommnisse des abgelaufenen Vereinsjahres, stellte Herr Weinberg- Od ernheim den Antrag, daß der Vorstand schon jetzt, ohne die in Aussicht gestellte Regelung der isr. Gemeindeverhältnisse in Hessen abzuwarten, bei der hessischen Regierung darum einkomme, daß die Gemeinden verpflichtet werden, Religionslehrer mindestens auf drei Jahre fest anzustellen und daß während dieser Zeit beiderseits keine Kündigung außer durch das Kreisamt stattfinden könne. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Herr Kahn-Mainz beantragte, beim Ministerium zu erwirken, daß die isr. Volksschüler am Sabbat während des Gottesdienstes vom Schulbesuch dispensirt werden. Auf die Erwiederung des Vorsitzenden, Herrn Wertheimer-Heldenbergen, daß diese Dispensation in einem ministeriellen Erlaß von 1876 bereits ausgesprochen sei, wurden viele Stimmen aus der Versammlung laut, wonach diese ministerielle Verfügung von den Kreisämtern verschiedenartig ausgeführt werde und in vielen Fällen die Dispensation illusorisch geworden sei. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Salfeld-Mainz mitgetheilt, daß die hessischen Rabbiner bereits unter sich Berathungen gepflegt, um bei der Behörde diese Dispensation sowohl, als auch die Befreiung der isr. Schüler an den Mittelschulen vom Schulbesuche während dss Gottesdienstes an den letzten zwei Tagen des Peßach- und Succothfestes, was bisher gesetzlich nicht erlaubt war, zu erlangen, hielt man vorerst weitere dtesbezügl. Schritte seitens des Lehrervereins für unnöthig. Es folgte hierauf das ausführliche, wissenschaftlich gehaltene Referat des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt-Offenbach über „das Gebetübersetzen in der Religtonsschule", das auf eine Zerpflückung der Gebete hinausging, was jedoch vom Correferenten Herrn Weinb erg-Odernheim in einem kurzen, aber sachlichen und gediegenen Vortrag, der die Kenntnisse und Erfahrungen eines theoretisch und praktisch gebildeten Pädagogen zum Ausdruck brachte, sowie bei der darauffolgenden Diskussion von allen Rednern auf das entschiedenste zurückgewiesen wurde. Daß Herr Dr. Goldschmidt nicht nur ganze Sätze des hebräischen Textes aus dem Gebetbuche, sondern sogar den Namen Gottes (Schem) ohne jede Kopfbedeckung ausgesprochen, war für viele Anwesenden sehr peinlich. Nachdem der bisherige Vorstand auf weitere drei Jahre wieder gewählt worden, wurden vier Delegirte zu der im Herbste in Cassel stattsindenden Delegirtenversammlung für die projektirte Vereinigung aller isr. Lehrervereine Deutschlands ernannt, die jedoch vorerst nichts für den Verein Verbindliches einzugehen berechtigt sind, sondern in der nächsten Generalversammlung über die Casseler Verhandlungen Bericht zu weiteren Entschließungen zu erstatten haben. (Den ausführlichen Bericht des Schriftführers, Herrn Ehrmann-Friedberg werden wir nach Eingang alsbald in der pädag. Beilage veröffentlichen. Red.) Berlin, 12. Mat. Die angebliche Arbeitsscheu der Juden ist eins der Paradepferde, auf denen die antisemitischen Ritter von der traurigen Gestalt in einemfort herumretten. Diese Herrschaften haben bekanntlich ein Privilegium auf Dummheit und Unwissenheit. Sie brauchen nicht zu wissen, daß dort, wo die jüdische Bevölkerung dicht zusammenwohnt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.