Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1894)
- Date
- 1894-05-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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678 verschaffen, daß die Franktsten mit dem heiligsten der Gebote unserer Religion schändlichen Unfug treiben. Ich öffne die Tfilin in euerer Gegenwart, und ihr Alle sollt Zeugen sein." Jossef begegnete jetzt dem auf ihn gerichteten Blicke Beles, und in seinem Blicke lag ein feuchter Glanz, als wollte er ihr Abbitte leisten. Der Rabbi hatte indeffen mit scharfem Meffer den Boden der Tfilinkapsel geöffnet und zog aus den darin angebrachten kleinen Abtheiluugen Pergamentblättchen hervor, aus denen zum Staunen und Entsetzen der Anwesenden, welchen er die Inschriften zeigte und vorlas, nicht die rituell vorgeschriebenen Stellen aus der heil. Schrift, sondern andere angeblich auf die Mission Jakob Franks deutende Sprüche geschrieben waren. Aus der letzten Abtheilung fiel ein in seiner Form einem Kreuze ähnlich zugeschnittenes Pergamentstück heraus. „Was sagt ihr nun?" rief der Rabbi dem wie erstarrt dastehenden Passowitz zu. — „Das find die Soäos euerer Parthei, welche so verruchte Profanationen mit den Symbolen der Religion stch erlaubt und so viele Bethörte an dem Narrenselle der Mystik für die ehrgeizigen Zwecke Einzelner ausbeutet. — Das dem profanen Auge des Menschen Verborgene ist Gottes Sache, uns aber gehört jener Glaube, den wir begreifen, erfassen und mit der Vernunft in Einklang bringen können. — Lasset euch — zum Letztenmale rufe ich es — warnen und rathen, Passowitz, wandelt nicht den Weg der Frevler!" In dem Gemüthe Joffefs hatte stch eine vollkommene Umwandlung vollzogen, so überwältigend wirkte auf ihn die Enthüllung des Rabbi Fleckeles. Lange vermochte er nicht zu Worte zu kommen — er ließ die Hände von seinem Thränen überströmten Antlitze finken und rief schluchzend: „Rebbe, evoloooi owiisi, (Ich habe gesündigt und gefehlt). Verzeihet mir, und ihr Bele und Malke. mein Weib, meine Mutter, vergebt mir es auch! Ich bereue es tief, was ich versündigt habe. — Der Rebbe soll mir „Tschuwe" auferlegen." Bele eilte nach diesen Worten auf Jossef zu und umfaßte schluchzend den Hals ihres Gatten, einen Kuß auf seine Stirne drückend; — der Rabbi aber ergriff feierlich die Hand der alten Malke, und ste fortführend, sagte er bewegten Tones: „Auf die Höhe, wo bußfertige Sünder stehen, gelangen selbst vollkommen Gerechte nicht; Dank sei Gott, der Alles so gefügt zum Heile unseres Glaubens und unserer Gemeinde!" — Eine Weile später verließ Jossef, seine Frau und die blinde Malke am Arme führend, das Haus des Rabbi. Bald flog das Gerücht von dem in den Tfilin entdeckten Frevel der Frankisten durch das Ghetto, und lange Zeit wagte es keiner der Franktsten, in der „Gasse" sich blicken zu lassen. Der Energie des Rabbi Eleazar gelang es nunmehr, das fernere Weitergreifen ihrer Irrlehren zu verhindern; und als bald darauf Eva Frank aus ihrem „Rom", dem Schlosse zu Offenbach, verschwand, erlosch, gleich einem Geisterspuck, das geheimntßvolle Treiben der Frankisten in Prag gänzlich. In der „Gaffe" hat sich noch lange die Geschichte von dem durch Bele verübten Tfilinraube und von der Buße, welche Jossef Passowitz anferlegt wurde, erhalten. Wochen - Kalender. Freitag, 11. Mai, 5. Jjar. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 30 Min. (Ll. E. Z.) Samstag, 12. Mai, 6. Jjar. '2 pC 2"n2ö ,0’Knnp Sabbat-Ausgang in Mainz 8 Uhr 50 Min. (M. E. Z.) Montag. 14. Mai, 8. Jjar. 'jtr rvjyn Donnerstag, 17. Mai, n. Jjar. won nuyn Freitag, 18. Mai, 12. Jjar. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 40 Min. (M. E. Z) Samstag, 19. Mai, 13. Jjar. pB l D N Sabbat-Ausgang in Mainz 9 Uhr 10 Min. (Ll. E. Z.) Montag, 21. Mai, 15. Jjar. h’jyn Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis bei Jahrgang? für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel }« btfMftn bet C. $. Ktriuacker, Leipzig« Drßplatz IS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. «i»e RÜlksenduug »»« au die Redaetio« eiugesandteu Mauuscriptcu findet nicht statt, «an bittet deshalb -stch von allen Einsendungen eine Copie zrrrückzubehalte«. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. Aus Bayern. Karlsruhe. Aus Sachsen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — Feuilleton: Die Sabbatianer. Erzählung von Bernard Auerbach (Schluß). Inhalt der erste« Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. Breslau. Hannover. Schildberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Italien: Rom. — England: London. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hannover. — Au8 jüd. Vereinen und Stiftungen. verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilage«.