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Der Israelit · 1894-05-10 · Heft 37 (10.5.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 37 (10.5.1894)
Date
1894-05-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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<7 ^MffHN^WWWWWWWMWWMMMWW 677 übernachtete. Am anderen Morgen wurde sie neuerlich bei der Polizei vernommen und wiederholte aufgeregt ihre früheren Angaben. Jetzt erst wurde hiervon dem Bürgermeister Meldung erstattet, welcher den Stadt- und Districtsarzt Dr. H. Ritter berief, damit er das höchst unruhig und auffällig sich geberdende Mädchen untersuche. Hierauf wurde dasselbe auf ihr eigenes Verlangen in Begleitung eines Wachmannes nach Wottitz zu ihrer Mutter gesandt. Der Wachmann nahm auch ein auf 300 fl. lautendes Sparkassenbuch mit sich, welchen Betrag sich die Maria Linha im Dienste bet Kohn's Schwiegermutter erspart hatte. Die strasgerichtliche Untersuchung ist im Zuge. Es ist jetzt schon constatirt, daß das Mädchen von Grünzeugweibern auf die Koliner Affaire aufmerksam und mit den diesbezüglichen Zeitungsberichten bekannt gemacht wurde, was sie dem Wachmanne auf der Reise selbst erzählte; auch pflegte sie öfters eine Kartenaufschlägerin in Leitmeritz zu besuchen, wodurch ihre Phantasie nicht wenig aufgeregt worden sein mag. Erwähnt sei noch, daß vor etwa drei Wochen von unbekannten Händen an einer Straßenecke ein Gedicht angebracht wurde, in welchem man den Juden den Tempelbesuch am Osterfeste mit Hinweis auf gewaltsame Störungen zu verleiden suchte. In lobenswerther Weise erklärte damals der Bürgermeister aus freien Stücken, an den betreffenden Abenden den jüdischen Tempel besuchen zu wollen. Jedenfalls geht aus Allem hervor, daß sich die Affaire Marie Linha keineswegs so ganz von ungefähr zutrug, sondern vielleicht von langer Hand vorbereitet war. Die strasgerichtliche Verhandlung wird darüber hoffentlich volles Licht verbreiten. Feuilleton. 4^5 Dir Sabbatmner. Erzählung von Bernard Auerbach. (Schluß.) Jossef wollte wieder antworten, aber eine abwehrende Handbewegung des Rabbi verhinderte dies. „Schweigt", fuhr dieser im gemäßigten Tone fort, „ich weiß, daß ihr ein von betrogenen Betrügern Betrogener seid — das soll euch bald klar werden. — Kennt ihr die wirklichen Grundsätze der Frankislenlehre?" Joffefs Blick begegnete dem durchdringenden Augenstrahle des Rabbi, der jetzt hochaufgerichtet vor ihm stand, als wollte er in das Innerste seiner Seele dringen. „Rein", erklärte er festen Tones, „man hat von mir nur Stillschweigen über Alles, was ich sehen und hören werde, gefordert, und ich habe dies auch durch Tkias kaf angelobt. Möge mir der Rebbe deswegen mochel sein, wenn ich erkläre, daß ich auch, im Falle mir hievon etwas bekannt wäre, cs nicht aussagen dürfte." Mißwillig schüttelte der Rabbi das Haupt, und nach einigen Sekunden Nachdenkens richtete er wieder an Paffowitz die Frage: „Ihr habt demnach erst vor kurzer Zeit dieser Sekte euch angeschloffen?" „Vor beiläufig drei Wochen," entgegnete Joffes kurz. „Es ist gottlob noch an der Zeit euch vor ferneren Schritten zu warnen, und ihr könnt euerem Weibe dafür Dank wissen, daß sie es ist, die euch durch mich von einem Sturze in den Abgrund des Irrglaubens retten wird, wenn ihr meinen Worten Beachtung schenkt. Hört mich also an; ich sehe es, ihr gehört nicht zu den Eingeweihten jener Sekte, denn man ließ euch in dem Wahne, daß die Franktsten eben so gute und rechtgläubige Juden sind wie wir. — Und doch ist dem nicht so — ich weiß dieses aus dcn Schriften und Büchern, welche über das Treiben dieser Sekte in die Oeffeutlichketr drangen, und auch die Großen unserer Nation haben sich zur Wache gestellt, um das Wütergreifen dieser verderblichen Lehren zu verhindern. Doch was soll ich euch davon sagen — der diese Lehren nicht kennt und mit unbegreiflichem Leichtsinne diesen Abtrünnigen sich angeschloffen hat. Werdet ihr meiner Warnung dann Gehör schenken, wenn ich euch die Ueberzeugung verschaffe, daß die Franktsten nicht jene gläubigen Juden sind, wie ihr glaubt, sondern Xotrim betkoras Elokenu?" (Abtrünnige der göttlichen Lehre.) „Wenn der Rebbe mir dies beweisen kann," erwiederte Joffes erschüttert dumpfen Tones, „so will ich mich der größten Tschuwe (Buße) unterziehen, der groben Sünde wegen, die ich durch Gemeinschaft mit solchen Kofrim begangen." Schweigend ging der Rabbi nach diesen Worten Joffefs zur Thüre, öffnete diese und befahl dem Meschores, Bele und ihre Mutier vorzuführen. Jossef sah erbleichend die blinde Malke an dem Arme seiner Frau eintreten. Bele hatte die Augen gesenkt, sie wagte nicht zu ihrem Gatten aufzubücken, der, von den widerstreitendsten Gefühlen beseelt, mit Spannung der Enthüllung des Rabbi entgegen harrte. Dieser zog aus dem untern Thcile des Tisches jene Denkriemen hervor, welche Bele dem alten Gorres weggenommen, und sagte, die Tfilin hoch empor haltend: „Joffes Paffowitz! Auf mein Geheiß hat euer Weib Bele diese Tfilin dem euch bekannten Franksten Leb Gorres entwendet, um dadurch nicht allein euch, sondern auch aller Welt die Ueberzeugung zu

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