Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-05-10 · Heft 37 (10.5.1894) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 37 (10.5.1894)
Date
1894-05-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448445--38487-2486597
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

676 jungen Leute in frommen Häusern untergebracht werden könnten, dann erst wäre die projektirte Versicherung gegen Stellenlosigkeit eher erreichbar. In erster Linie sollten sich diejenigen Kaufleute, welche Mitglieder „d. freien Vereinigung" sind, es sich zur Pflicht machen, nicht nur selbst ns» now zu sein, sondern die übel angebrachte Toleranz gegen die von ihnen bezahlten ns» endlich fallen zu lassen. — Dazu gehört nur etwas guter Wille und fester Entschluß; der Lohn aber dafür wird sicher nicht ausbletben, wie es in unseren Saböatliedern heißt: Hxs 'v by nnn Mno ms ns» idw hi. 8. ü. Karlsruhe. Der Aufwand für die allgemeinen Bedürfnisse der isr. Religionsgemeinschaft (für die iSr. Centralkasse) wird für die Folge nicht mehr auf die Gemeinden nach Maßgabe ihrer Gefammtsteuerkapitalien ausgeschlagen, sondern erfolgt — unter Entlastung der Gemeinden — durch Umlegung auf die einzelnen Kirchengenossen. Die isr. Centralkasse hatte im Jahre 1893 eine Einnahme von 27,155,39 M., davon wurden unter andern verwendet: für das isr. Landesstift 1200 M., für Personalzulagen an isr. Religionslehrer 2180 M., für Unterstützungen an dürftige iSr. Gemeinden zur Bestreitung ihres Aufwands für den Religionsunterricht 2200 M. Aus Sachsen, 2. Mat. (Die Antisemiten unter sich.) Ueber einen Parteitag der deutschsozialen Antisemiten aus Sachsen, Thüringen und Anhalt, der dieser Tage in Erfurt stattfand, berichtet die „Deutsche Wacht", das Organ des Abg. Zimmermann, u. A.: Erbaulich und erfreulich für die Reformer sei ein Beschluß, der den deutsch-sozialen Zeitungen, sowie den Mitgliedern der Landesverbände die Pflicht auferlegt, energische Abwehrmaßregeln zu treffen gegen das Judenthum sowohl wie auch gegen die Gegner im eigenen Lager, die Reformpartei. Das sei doch endlich einmal eine klare Erklärung, an die man sich halten könne. Die „Deutsche Wacht" bezeichnet diesen Beschluß als eine spaßhafte Erklärung von „politischen Papiersoldaten", die hoffentlich zu einer weiteren Klärung in der Stellung der Reformer zu den Deutschsozialen beitragen werde. Leider vergißt das erwähnte Blatt hinzuzufügen, daß die „Reformer" im Wahlkreise Plauen bereits entschlossen sind, bet der bevorstehenden Reichstag-Ersatzwahl für den deutschsozialen Landtagsabgeordneten Schubert einzutreten. Die ganze Sache würde dadurch noch spaßhafter geworden sein. (Zum Publtkationsorgan hat der Parteitag die Berliner „Tägliche Rundschau" ernannt und damit diesem Blatte eine Ehre angethan, deren es längst würdig war, obgleich auf seinem Titel noch immer die Bezeichnung „unparteiische Zeitung" prangt. Red. der Franks. Ztg.") O e ster r.-U n g a r. Monarchie. Prag, 29. April. Vor einiger Zeit brachten die „Rarodni Listy" die Nachricht von einem angeblichen Mordversuche, der in dem Haufe des Herrn Samuel Kohn zu Lobositz in Böhmen durch zwei fremde Männer an dem christlichen Dienstmädchen des Genannten beabsichtigt worden sein soll. „Das Mädchen", so berichteten die „Rarodni Listy", „das den Mördenhänden glücklicherweise entkam, flüchtete auf die Polizeiwachstube, wo es den Fall zur Anzeige brachte. Nach dem Aussehen des von Schreck erfaßten jungen Wesens (zudem war das Mädchen in Nachtkleidern, die arg zerfetzt vom Leibe hingen) glaubte man, es mit einer Wahnsinnigen zu thun zu haben, was auch der herbeigerufene jüdische Arzt Dr. S. Richter bestätigte. Von dieser Zeit an war das Mädchen verschwunden, und der Jude S. Kohn gab an, daß sich dasselbe in Prag in irgend einem Krankenhause befinde. Nun aber stellte sich heraus, daß das Mädchen sich zu seinen Eltern nach Wottitz bei Beneschau flüchtete, wo herbeigerufene christliche Aerzte dessen vollste geistige Zurechnungsfähigkeit feststellen. Wie das Mädchen daheim angab, soll der eine der Mörder ein sogenanntes Schächtmcffer gehabt haben, während der andere einen hölzernen Napf in Bereitschaft hielt. Sie wurde von den beiden Mordgesellen im Bette überrascht, und nur ihrer Geistesgegenwart und persönlichen Stärke hatte sie cs zu verdanken, daß sie ihr junges Leben rettete." Soweit der Bericht der „Narodni Listy", der natürlich von den verschiedenen heimischen und ausländischen Antisemitenorganen vertrauensseligst nachgedruckt wurde. Wie das „Freie Blatt" von wohlunterrichteter, zuverlässiger Stelle erfährt, verhielt sich die Sache anders: Am 17. d. M. Abends, erschien im Lobositzer Polizeiamte das bet dem Knopffabrikanten Heinrich (nicht Samuel) Kohn bedienteste Mädchen Maria Linha aus Wottitz und gab an, ein Gespräch ihres Dienstgebers mit seinem jüngeren Bruder erlauscht zu haben, in welchem sich die Beiden verabredeten, mit ihrem aus Wien erwarteten dritten Bruder das Dienstmädchen zu ermorden, respective zu schlachten. Die Linha will auch das zum Aufangen des Blutes bestimmte Gefäß bereit gesehen haben. Das Gespräch soll in deutscher Sprache geführt worden sein, von welcher das Mädchen nur einige Worte versteht. Die Linha gab vor, sie wolle durchaus nicht mehr in ihren Dienstort zurückkehren, weshalb sie der Oberwachmann durch einen Wachmann in das Hotel „zum goldenen Löwen" begleiten ließ, woselbst sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.