Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1894)
- Date
- 1894-05-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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672 Zeit des Wasserbedarfs öffnete und sich dann wieder wunderbarer Weise schloß. Es ist diese Veranstaltung ähnlich der zuerst genannten pxn 's. Weil er aber eine Schöpfung constatirt, wie sie sich zum zweitenmale nicht wiederfindet, erinnern die Weisen daran, daß auch er schon am Schluß der sechs Schöpfungstage geschaffen wurde, um erst später bei gegebener Gelegenheit in den Dienst der Gottessache auf Erden zu treten. Der Mund der Eselin — pn«n >b — ist das dritte der zehn Dinge. Auch hier handelt es sich nicht um eine auf der Reise Bileams sich vollziehende Neuschöpfung, sondern bereits am Schluß des sechstägigen Schöpfungstage hatte Gott dem ersten Thiere dieser Gattung die Fähigkeit zu sprechen verliehen, um dieselbe hervortreten zu lassen, wenn der Gott geeignet scheinende Moment eingetreten ist. Wenn ein Kind im zweiten oder dritten Jahre seines Lebens zu sprechen beginnt, so wird niemand deshalb glauben, der Mund und die übrigen Sprachwerkzeuge seien dem Kind erst jetzt geschaffen worden. Die Organe waren alle seit der Geburt vorhanden, aber sie äußerten sich erst nach einer Reihe von Jahren und Entwickelungen. So hat Gott hier und bei dem Widder Abrahams die Thiere schon zur Zeit der Schöpfung für diese ihre Bestimmung bereit gestellt, wenn auch bei dem ersten Thiere dieser Gattung, die Disposition dazu bereits angebahnt und vorbereitet worden war. Schwieriger ist die Erklärung des vierten Schöpfungswerkes, als welches unsere Mischna rwpn den Regenbogen gibt. Wir wiffen, daß der Regenbogen erst nach der großen Wasserfluth als Zeichen für die Verheißung eingesetzt wurde, daß fortan die Menschheit nie mehr ihren Untergang durch solche allgemeine Wasser calamität finden solle. Wir wiffen ferner, daß der Regenbogen durch das Brechen der Sonnenstrahlen entsteht, welche auf die gegenüber stehenden Wolken fallen. Wie kann demnach von dem Regenbogen gesagt werden, daß er schon am Ende der sechs Schöpfungslage geschaffen wurde? Halten wir jedoch fest, daß es sich um Aufzählung von zehn Dingen handelt, die nicht Wunder im gewöhnlichen Sinne des Worts, sondern natürliche mit der Weltschöpfung zusammen ins Dasein gerufene Veranstaltungen waren, die aber alle im Dienste eines höheren Gedankens und Ziels standen, so dürfte sich auch die Lösung an der Hand der einschlägigen Schriftstellen ohne Schwierigkeit ergeben. Da wo in der Thora zum ersten Male von der Regenbildung und ihrem Einfluß auf die Vegetation die Rede ist, wird uns gesagt, daß die Befeuchtung der Erde ursprünglich nicht durch aus der Höhe niederfallenden Regen, sondern durch aus der Tiefe aufsteigenden Nebel erfolgte. (I. B. M., C. II, V. 5. 6.) Daß überhaupt ein Regen auf die Erde niederfiel, wird zuerst gelegentlich der großen Ftuth berichtet. Es ist möglich, daß es bis dahin nicht geregnet hat und daß wie z. B. Egypten durch den Nil ohne Regen seine Feuchtigkeit erhält, dies auch bei der ganzen übrigen Erde ursprünglich der Fall war. Es fehlte dann auch die Wolkenbildung, die dem Regen voranqehen muß und die deßhalb bei der Einsetzung des Regenbogens als Bundeszetchen besonders betont wird. (1. B. M., C. IX, V. 14.) Ist nun der Regenbogen thatsächlich nichts anderes als eine aus gebrochenen Sonnenstrahlen leuchtende Erscheinung am Firmament, so ist er wie nichts sonst geeignet als göttliche Bürgschaft dafür zu gelten, daß nicht die ganze Erde zum zweiten Male durch eine Wasserfluth hinweg gelöscht wird. Wie drohend sich auch die Wolken über unseren Häuptern zusammenziehen mögen, der Regenbogen verbürgt uns, daß sie nicht überall sein können, daß über einen Theil der Erde die Sonne scheinen muß, deren Strahlen aus dem Regenbogen uns als göttliches Bundeszeichen entgegen leuchten. Waren aber bisher keine Wolken da, so mußten sie, wenn der Regenbogen eben nicht als Wunder, sondern als natürliche innerhalb der sechstägtgen Schöpfung dastehende Erscheinung gelten soll, für diesen Zweck geschaffen werden. Das ist es, was unsere Mischna uns lehren will. Wenn der Regenbogen uns auch nur als eine optische, aus Waffertropfen und Lichtstrahlen gewobene Erscheinung erscheint, so machen ihn diese Umstände doch zu einer concreten Schöpfung, die sich im Rahmen alles übrigen Geschaffenen vollzog, um später erst für den höheren Zweck eingesetzt zu werden, für den sie ursprünglich bestimmt war. Nach der bisherigen Erklärung können wir die eingehende Ausführung der folgenden Dinge dem aufmerksamen Leser überlassen. Das Manna, so wunderbar sein Niederfallen, sein Auffinden, sein Ausbleiben am Sabbat, sein Zerfließen in der Sonne und seine ewige Erhaltung in einer Flasche erscheinen, ist ein natürliches Schöpfungsprodukt wie alle anderen. Es war von vornherein für den Zweck geschaffen, dem Gottesvolk während seiner 40jährigen Wüstenzuges den Unterhalt zu ermöglichen, und trat zurück als dieser Zweck erreicht war. Es ist heute noch vorhanden, aber es ist uns entrückt, wie der Mostsstab, der Schamir, die Tafeln mit ihrer Schrift und dem Griffel, der sie gegraben. Dasselbe gilt von dem Grabe Moschehs. dessen Oertlichkeit uns in der Thora angegeben, das aber dennoch nicht auffindbar für uns ist. Was unter Mastkim zu verstehen ist, läßt