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Der Israelit · 1894-05-07 · Heft 36 (7.5.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 36 (7.5.1894)
Date
1894-05-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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658 Einiae Minuten nach dem Eintreten Beles kam auch der Rabbi Eleasar Fleckeles in seine Wohnung. Er war diesmal, gefolgt von seinem Meschores, früher denn sonst nach Hause geeilt und frug gleich beim Eintreten seinen Sohn, ob jene Frauen, welche gestern bei ihm gewesen, schon angelangt wären. „Sie sind schon hier und warten auf dich, Vater", berichtete Leb. „Gut — sie sollen dort im Zimmer bleiben, bis ich sie rufen laffe. Die Tfiltn, welche Bele Paffowitz hat, soll sie mir herschtcken, und wenn ihr Mann kömmt, so führe ihn nicht in das Zimmer zu den Frauen, sondern gleich in mein Cheder." Es währte nicht lange und der Khilleschames Joffes Paffowitz wurde vom Meschores dem Rabbi vorgeführt, der inzwischen sein Frühmahl beendigt hatte. Joffes, in dem Glauben auch seine Frau hier zu finden, verwunderte fich, daß Bele nicht zugegen war. Ehrerbietig erwtederte er den Gruß des Rabbi, der prüfend seinen Blick über die Gestalt des Schames gleiten ließ. Joffefs Gemüth war ein Spielzeug der widerstreitendsten Empfindungen und Gedanken. Er liebte innig sein kluges, frommes Weib, das so wacker für die Bedürfnisse seines Haushaltes sorgen und arbeiten half, und doch grollte es in ihm fürchterlich über Bele. Woher hat sie nur, dachte er, die Keckheit genommen, mich vor dem Rebbe vorladen zu laffen, was ich doch hätte ihr gegenüber thun sollen, um über die Widerspenstige Klage zu führen? Und dann Beles freches Attentat auf einen Mann, dessen Alter ihr schon Ehrfurcht etnflößen sollte. Alles dies tobte durcheinander in Joffefs Gehirn. Er richtete dann sein Haupt stolz empor, als er die sanft vibrirende Stimme des Rabbi hörte: „Jossef Paffowitz, eure Gattin hat darüber Klage geführt, daß sie gezwungen ward aus der Gemeinschaft mit Euch zu treten, weil ihr Euch den Frankisten angeschlossen habt. Ist diese Beschuldigung begründet?" „Rebbe", erwiederte nach einer kleinen Pause Jossef, „mein Weib hat nie über schlechte Behandlung von meiner Seite sich beklagen können, sie hat sich aber auch darum nicht zu kümmern, ob ich den Sohar oder den Talmud studire. Ich leugne es vor dem Rebbe nicht, daß ich mich den Frankisten, oder, wie man sie nennt, den Schebsen angeschlossen habe, und das geschah, weil ich mich überzeugte, daß sie wirklich Thoras Moscheh Rabcnu halten und mich, den unangesehensten Menschen in der Khille, ausgenommen haben, das alles gibt meinem Weibe nicht das Recht, mir die eheliche Gemeinschaft zu kündigen." „Kurzsichtiger Mensch", rief der Rabbi erzürnt, „traut ihr euerer Weisheit zu, ein Urtheil darüber abzugeben, was größere und weisere Männer für thöricht und verderblich nicht allein für unfern heiligen Glauben, sondern auch für den Klall Jisrael (Gemeinschaft Israels) erklärt haben?" (Schluß folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, n. Mai, 5. 3tat. Sabbat-Anfang in Mainz 7 Uhr 30 Min. (Ll. E. Z.) Samstag, 12. Mai, 6. Jjar. '2 pi2 2".122 ,D’t”np Sabbat-Ausgang in Mainz 8 Uhr 50 Min. (U. E. Z.) Montag, 14. Mai, 8. Jjar. 'IV rvjyn INF~~ Die Fortsetzung der Artikel „Sprüche der Väter" gelangt in nächster Nummer zum Abdruck. Der „I S r a e l i t" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für’8 Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch bru Buchhandel )u bestehen bet E. $. Ktrinacker, Leipzig, Krßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei«e Rücksendung von au die Redactiou eiugesaudte« Mauufcripten findet nicht statt, mau bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine dopte znrückznbehalte«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Schächtfrage vor der Bayerischen Volksvertretung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Worms. Berlin. Colmberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Schweiz. — Amerika: New 2)ork. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Sabbatianer. Erzählung v. Bernard Auerbach (Fortsetzung). Inhalt dev ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Schächtlügner an der Arbeit. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Berlin. München. Inhalt der zweite« Beilage: Literarische Berichte. — Zeitungsnachrichten und Corresponbenzen: Deutschland: Berlin. — Marocco. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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