Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1894)
- Date
- 1894-05-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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r^~'rs ■’■'>;? -iKM*; 655 liegt in den Händen des Herr Blumenthal. Das Grundstück, in welchem sich die Schule befindet, ist Eigenthnm der Seminar-Gesellschaft. Auch besitzt dieselbe eine gediegene Bibliothek. Bei der Jahresversammlung hielt Rabbiner Morrais eine Ansprache, die begeistert und begeisternd in die Herzen der Hörer drangen. Alsdann folgte die Neuwahl des Vorstandes. Vermischtes. < Darmstadt. Die Rabbiner des Großherzogthums haben aus Anlaß der Vermählung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs eine Adresse anfertigen lassen, welche Mittwoch den 2. d. M. von den Herren: Levy-Gießen, Stein-Worms, Salfeld-Mainz und Marx u. Selv er-Darmstadt überreicht worden ist. Beim Eintritt der Herren Rabbinen sprach Dr. Levi-Gietzen den Segensspruch hebräisch und deutsch und überreichte die Adresse. Der Großherzog war sehr erfreut über diese Kundgebung und bat, seinen herzlichsten Dank auch den anderen College» mitzutheilen. Lichterrau. (Baden). Am 13. April starb dahier unerwartet rasch der allgemein geachtete Bürger H. Baruch Kaufmann. Derselbe war lange Zeit Vorstand hies. isr. Gemeinde, war seit 18 Jahren bis zu seinem Tode Mitglied des Gemeinderaths und der Ortsschulkommission und bekleidete längere Zeit das Amt eines Bezirksraths. — Bei dem am 22. d. M. stattgehabten 25jährigen Stiftungsfeste der freiwilligen Feuerwehr wurde unter anderen auch der hies. isr. Bürger Samuel Roos IV, der 25 Jahre dem Corps angehörte, mit einem von Sr. Königs. Hoheit dem Großherzog gestifteten Ehrenzeichen und einem Diplom ausgezeichnet. Darrzig, 9. April. Vorigen Freitag feierte Herr Sanitätsrath Dr. Julius Semon Hierselbst sein 50jähriges Doktor-Jubiläum, und die Art und Weise, wie der Jubilar mit Recht geehrt worden ist, verdient gerade in unserer Zeit weiteren Kreisen bekannt zu werden. Herr Dr. Semon, aus alter Danziger jüdischer Familie stammend, verstand es stets, sich durch seine gemeinnützige, erfolgreiche Thätigkeit die uneingeschränkte Hochachtung aller Mitbürger zu erwerben. Seit einer Reihe von Jahrzehnten als Stadtverordneter thätig, seit mehr als 30 Jahren in der rühmlichst bekannten hiesigen „Naturforschenden Gesellschaft" als Schriftführer wirkend, immer in erster Reihe zu denen gehörend, welche für die Wohlfahrtsbestrebungen und die hygienische Entwicklung unsrer Stadt kräftig eintraten, erwarb er sich große Verdienste, die im Herzen der Danziger Bürgerschaft freudige Anerkennung fanden. Auch der jüdischen Gemeinde widmete er von jeher seine Thatkraft. Früher, als die Gemeinden Hierselbst noch getrennt waren, war er eine Reihe von Jahren Vorsitzender der Altschottländer Gemeinde; jetzt, nach Vereinigung der Gemeinden bekleidet er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums. So war es natürlich, daß dem verehrten Greise von allen Seiten Ovationen dargebracht wurden. Am Vormittag überreichte ihm der Polizeipräsident den Rothen Adlerorden IV. Klasse; die Vertretung der Synagogengemeinde, die Naturforschende Gesellschaft, andere Wohlthätigkeitsvereine widmeten kunstvoll ausgestattete Adressen, der Aerzteverein ernannte ihn zum Ehremitgliede. Am Abende fand dem Jubilar zu Ehren ein Festessen statt, zu welchem u. A. erschienen die Herren Oberpräsident von Goßler, Polizeipräsident Wissel, Oberbürgermeister Dr. Baumbach, General von Wartensleben, fast sämmtliche Berufsgenossen und sonstige Honoratioren der Stadt, jc. rc. Möge dem Jubilar ein heiterer Lebensabend beschieden sein, und möge in unserer Stadt stets der Geist der Einigkeit unter den verschiedenen Konfessionen weiterblühen! AuS Südbayeru. Gestern verschied nach kurzem Krankenlager der 1. Kultusvorstand Herr Hermann Müller, Chef der Firma: I. Einhorn u. Cie. in München. Dieser Trauerfall verdient in Ihrem geschätzten Blatte schon deßhalb bekannt zu werden, weil mit diesem Manne einer unserer hochgeachtetsten in ganz Deutschland bekanntesten Mitbürger aus dem Leben geschieden, der niemals fehlte, wo es galt zur Ehre und Hebung des Judenthums einzutreten. An die Spitze der Münchener israel. Cultusgemeinde gestellt, weihte er seine ganze Kraft, um sie zu einer der best' organisirten der deutschen isr. Gemeinden zu machen. Viele humanitäre und gemeinnützige Anstalten verdanken ihr Bestehen und Aufblühen seinem segensreichen Wirken, dem durch Gottes Willen ein zu früher Ende gesetzt wurde. Wien. In den Wiener Gotteshäusern wurde am ersten Pesachtage folgendes verkündet: Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat aus der galizischen Gemeinde Neusandec ein Telegramm erhalten, nach welchem infolge eines Brandes daselbst 6000 jüdische Seelen brod- und obdachlos geworden sind. Der Jammer und die Noth sind herzzerreißend. Der Vorstand ist bereit, Spenden entgegenzuuehmen, und es wird gebeten, sie ihm reichlich zuzuführen. Jaffa, 23. April. Das zumeist von Israeliten bewohnte Städtchen Negresci im Disstricte VaSlui wurde gestern, während ein heftiger Wind wehte, gänzlich eingeäschert. Hunderte von Familien campiren im Freien und leiden großen Mangel. Mehrere Personen erlitten schwere Brandwunden. Budapest. Abermals ist es eine unheimliche Trauerbotschaft, die uns aus unserer P"r-Ruhe aufgescheucht; abermals haben wir einen Verlust zu verzeichnen, der eine unausfüllbare Lücke im Kreise der hiesigen orthodoxen Gemeinde zurückgelassen! Jung an Jahren, gelehrt und erfahren in unserer n&t'npn rinn, geschätzt von Bekannten, geachtet von seinen Nebenmenschen ist am riDD 72' 'y'2.2' nach eintägiger Krankheit, Herr Moses Rosenbaum 7"? aus der Reihe der Lebenden geschieden. Neun unmündige Kinder betrauern in ihm ihren zärtlichen Vater, die tiefgebeugte Wittwe ihren treuen Lebensgefährten, eine ganze Gemeinde eines seiner ausgezeichnetsten Mitglieder! Der Verblichene — dessen plötzliches Ableben überall, wo man ihn gekannt, tiefe Trauer hervorrief — war der Sohn des berühmten einstigen Prcßburger DajanS 2'7 "7 7": 2'P\1 und Schwiegersohn des in Ungarn allseitig gekannten 7"> tM3’3]nt2 D"-inD 'fid pnsn umn. Seit frühester Jugend lebte der Verblichene im Geiste unserer Religion, in seinen freien Stunden bot ihm, dem vielbeschäftigten Kaufmann einzig und allein unsere p"mn eine Zerstreuung. Auch seine Kinder erzog er in diesem Sinne, auch ihnen prägte er ein die Lehren unserer und geht daher mit dessen Hinscheiden ein wahrhaftiger 'n "Qy von dannen, ein fromm-jüdisches Haus verliert sein getreues Oberhaupt! Die '’iPn, welche jn noN unter riesiger Beiheiligung stattfand, legt Zeugniß ab von den warmen Sympathien, deren sich der Verstorbene im Kreise der hiesigen Judenschaft erfreute. Die Verdienste des Verblichenen schilderte unser verehrter Oberrabbiner Sr. Ehrw. Herr Koppel Reich '"3 in einem ergreifenden "CDn, welcher alle Anwesende zu Thränen rührte. Außerdem hielten warme Nachrufe^ die Ehrw. Rabbinen zu St. Georgen und Tallya als Brüder, und der hiesige geachtete Kaufmann Klein als Schwager des Verstorbenen rrsain Heinrich 2—r.