Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1894)
- Date
- 1894-05-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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652 Vorzügen des ^Schächtens handeln, obgleich auch hier treffliche Gedanken und herzhafte Worte anzuführen wären, um nicht den verfügbaren Raum zu überschreiten. Nur was er von der religiösen Seite sagt, möge hier in einigen Sätzen auszugsweise mttgetheilt werden. Auf Grund der h. Schrift weist der hochwürdige Verf. nach, daß das Schächten für uns Juden die Bedeutung eines biblischen Gebotes hat. Um aber auch indirekt den Beweis zu führen, daß die uns gesetzlich gebotene Tödtungsart unmöglich eine Quälerei sei, daß sie vielmehr nur dm Zweck haben kann, das Thier auf eine möglichst schmerzfreie Weise vom Leben zum Tode zu befördern, zählt er viele in der h. Schrift und im Talmud enthaltene Vorschriften auf, die uns die zarteste Rücksicht gegen alle Geschöpfe gebieten und jede auch die geringste Grausamkeit oder Quälerei hintanzuhalten bestimmt sind. Er vergißt nicht dabei anzusühren, daß im Talmud sogar die Unterbrechung eines Gebetes gestattet ist und dessen Giltigkeit doch nicht beeinträchtigt wird, wenn man den Auftrag geben will, dem Thiere Futter zu geben. Es bezieht sich das auf Berachoth 40a, wo die Worte tninb ^aj, zwischen dem Segensspruch und dem Genuß gesprochen, nicht als Unterbrechung gelten, wenngleich es nicht direkt gestattet wird; vgl. Orach Chajim 167,6. Auch die Sitte ist dem Verfasser nicht fremd, daß man beim Anlegen eines neuen Beklei dungsgegenstandes, zu dessen Herstellung ein Thier getödtet werden muß, wie z. B. Lederschuhe u. dgl., den üblichen Wunsch «nnro rfcan unterläßt, weil eine solche Erneuerung nicht wünschenswerth sst, denn es heißt in der h. Schrift: Sein Erbarmen erstreckt sich auf alle Seine.Werke. Vgl. das. 223,6. „Um übrigens zu erfahren", heißt es in der Broschüre S. 32, „ob die schönen thierschützenden Anschauungen der hl. Schrift und ches.Talmud auch im Leben und Treiben des jüdischen Volkes zum Ausdruck kommen, würde ich wünschen, daß eine Statistik helgestellt würde, aus der man ersehen könnte, wie viele Juden im Verhältnisse zu den Christen jährlich wegen Thierquälerei verurtheilt werden. Ich glaube, die Juden hätten sich diescs Prozentsatzes nicht zu schämen." Im Anschluß hieran mögen. hier die Worte stehen, die der Verf. auf den Vorwurf, das Schächten widerspreche den deutschen und christlichen Anschauungen, von den Pflichten, die der Mensch auch gegen das Thier zu erfüllen hat, erwiedert. „Die deutschen Anschauungen, die.wir etwa vonlunseren heidnischen Voreltern, den alten Germanen, überkommen haben könnten, wollen wir hier ganz aus dem Spiele lassen. Denn wenn wir zwischen den ^Anschauungen, die unsere nur für Jagd und Krieg lebenden Altvordern über das Verhältniß des Menschen zum Thiere hatten,H und den Anschauungen des alten Judenvolkes über dieses Verhältniß einen Vergleich anstellen wollten, dann müßten die alten Germanen nach unseren heutigen Anschauungen hinter den halten Juden weit zurückstehen. In den alten Gesetzbüchern des Judenvolkes findet man Vorschriften und Aussprüche über das Verhalten des Menschen gegen die Thiere, die einem Thierschutzvereine der Gegenwart zu aller Ehre gereichen können, aber in den alten Rechtsbüchern der Deutschen, Sachsen- oder Schwabenspiegeln, werden wir solche Aussprüche vergebens suchen."-„Woher haben wir aber unsere christlichen Anschauungen über das Verhältniß des Menschen zu dem Thiere? Die haben wir geschöpft aus den heiligen Schriften und zwar' zunächst des alten und dann des neuen Bundes." „Der Verfasser der Petition scheint nichts davon zu wissen", heißt cs S. 39, „daß die Juden das älteste Kulturvolk der Erde sind, daß sie bestimmt waren, die Kenntniß und Verehrung des Einen wahren Gottes und jene von Gott selbst in Stein gegrabenen zehn Gebote zu bewahren, welche das Verhältniß zu Gott und seinen Nebenmenschen regeln. Er scheint keine Ahnung davon zu haben, welche herrliche Vorschriften das von Gott den Juden gegebene Gesetz für die Behandlung des Fremden, der Sklaven, der Schuldner, der Armen enthält. Wenn er diese Vorschriften und die Anschauungen der sogenannten gebildeten Völker des Alterthums? und ihre Staatsmänner und Weltweisen über die.Behandlung des Fremden, Sklaven, Schuldner, Armen nur einigermaßen kennen würde, dann würde er von der altjüdischen Geschichte als einer Zeit der Unkultur unmöglich sprechen können." Nachdem der Verf. im Anschluß an Dr. Dembo seiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß es „nicht mehr lange dauern kann, bis die jüdische Schlachtmethode allgemein als die beste anerkannt und überall obligatorisch gemacht wird" und erklärt hat „zu ihrer allgemeinen Anerkennung mitzuwirken, wo immer eine Gelegenheit sich bieten wird", schließt er mit folgenden schönen, erhebenden Worten: „Die wissenschaftliche Untersuchung der Schlachtfrage hat somit — was die Semiten wohl kaum geahnt, die Antisemiten aber gewiß nicht gewünscht haben — die Veranlassung gegeben, daß Moses, der schon in manchen anderen Fragen eine unerwartete Rechtfertigung gefunden hat, auch in der Schächtfrage eine glänzende Rechtfertigung erlangen wird. Die wissenschaftlichen Untersuchungen werden es mit immer größerer Klarheit als eine unwiderlegbare Thatsache feststellen, daß Moses auch in