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Der Israelit · 1894-05-07 · Heft 36 (7.5.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 36 (7.5.1894)
Date
1894-05-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. .As 36 Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orlhodoXe IudentHum. Begn'indet von Vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 7. Mai 5654 (1894). Leitender Artikel. Iie Schächtfrage vor der Bayerischen Wolksvertretung. München, 1. Mai. Ueber den hygienischen und Humanitären Werth des Schächtens braucht man heute kein Wort mehr zu verlieren, nachdem die Wissenschaft durch den Mund ihrer hervorragendsten Vertreter und Wortführer in so entschiedener Weise zu Gunsten des Schächtens sich ausgesprochen, wie dies in der jüngst bei Apolant in Berlin veröffentlichten Gutachtensammlung von 253 Autoritäten geschehen ist und die auch schon in diesen Blättern ihre Besprechung gesunden. Wo Männer von europäischem Rufe, wie Pettenkofer, Vogt. Virchow, Du Bois-Reymond, Preyer u. A. in einheitlichem Sinne sich ausgesprochen, da muß von jedem objektiv denkenden, von Vorurtheilen freien Menschen die Diskussion als geschlossen angesehen werden. Dennoch darf eine unter obigem Titel soeben erschienene Schrift *) zu Gunsten des Schächtens in doppelter Beziehung ein hervorragendes Interesse beanspruchen. Einerseits ist es die Persönlichkeit des Verfassers, andererseits die Eigenart der Behandlung dieses vielerörterten Themas, die ihr besondere Beachtung sichert. Der Verfasser ist, wie auf dem Titelblatt seiner Schrift zu lesen ist, bayerischer Landtags- Abgeordneter, er ist aber auch, was daselbst nicht angegeben ist, ein katholischer Geistlicher, der durch seine sozialen Bestrebungen zu Gunsten der Nothleidenden seines Bezirkes und durch seine Schrift „Die Juden und die Kirche" in wetteren Kreisen rühmlichst bekannt ist. In dieser seiner Eigenschaft als Seelsorger und Lehrer der Religion hat er in der Behandlung des vorliegenden Gegenftandes insofern einen neuen Weg eingeschlagen, *) Von Dr. Friedrich Frank, Landtagsabgeordneter, Würzburg, Leo Woerl 1891. als er neben der Humanitären und hygienischen auch die religiöse Seite des Schächtens eingehend betrachtet. Denn das ist das Sonderbarste — um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen — an dieser Agitation gegen das Schächten, daß die Gegner sich erdreisten, uns auf unserem eigensten Gebiete zu meistern und die religiöse Geltung des Schächtverfahrens in Abrede zu stellen. Diese Behauptung, daß das Schächten kein religiöses Gebot sei, war auch enthalten in der Petition der bayerischen antisemitischen Volkspartei, über die Verfasser als Referent des Petitionsausschuffes der bayerischen Abgeordnetenkammer zu berichten hatte. Sein diesbezügliches und, wie wir gleich hinzufügen wollen, meisterhaftes, mit leuchtender Klarheit, in vornehmstem Tone gehaltenes Referat, bildet den eigentlichen Inhalt der vorliegenden Schrift. Jeder Wahrheitsfreund, jeder, der sich Sinn für Gerechtigkeit bewahrt hat, muß von den Darlegungen des Verfaffers wohlthuend berührt werden und ihm wärmsten Dank zollen dafür, daß er, wie es einem echten Priester, einem Diener der Religion ziemt, trotz aller vorauszusehenden Verdächtigungen und Schmähungen, mannhaft und unerschrocken für eine Minorität etntritt, die in ihren heiligsten Gefühlen und Empfindungen ungerecht angegriffen wird. Das Referat geht die einzelnen Behauptungen der Petition Punkt für Punkt durch und widerlegt sie in schlagender, sieghafter Weise; unter den Keulenschlägen seiner überzeugenden Beweisführung, die nicht das Geringste übergeht und dem Gegner jede Ausflucht benimmt, fällt Stück auf Stück von dem antisemitischen Lügenbau, den die Petition aufführt und die Abfuhr ist so gründlich, daß die ganze Unverfrorenheit antisemitischer Hetzer dazu gehört, um trotz dieser wahrhaft vernichtenden Abfertigung, die Agitation gegen das Schächten fortzuschrn. Wir übergehen die Darlegungen des Verfassers soweit sie von den humanitären und hygienischen

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