Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 34-35 (1.5.1894)
- Date
- 1894-05-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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maurisch-spanischen Schule zählt Herr Bl. 6 Gelehrte auf und spricht hierauf von der französischen Schule, aus der er 7. Raschi und 8. R. Isaak den Jakob Alphes anführt. Aber Alphes lebte doch in Spanien und starb vor Raschi. In Nr. 10 spricht Herr Bl. von den Leiden der Israeliten in den verschiedenen Zeiten, von den Verfolgungen, den Judengassen, der Kleidung u. s. w. und fährt dann fort: „Weit drückender als diese Abgaben war der Leibzoll." Aber von welchen Abgaben hat der Anhang denn zuvor gesprochen? Nirgends ist von solchen die Rede! Wie durfte dieser Fehler nur so lange unbeachtet bleiben! In dem von Em. Hecht zuerst verfaßten Handbuch Kayserlings ist bet den Leiden der Juden in Deutschland zuerst die Rede von dem goldenen Osterpfenntg, von der Judensteuer, der Krönungssteuer, von den städtischen Lasten, von dem Kirchenzehnten. Dann heißt es richtig: „Drückender noch als alle diese Steuern war der Leibzoll." Man sollte nicht so gedankenlos die Quellen benutzen. Auf S. 539 werden die Talmudschulen dotw miärasedim genannt. Ist das hebräisch? Bei Mendelssohn (S. 543) heißt es: „Er übersetzte die 5 Bücher Moses, die Psalmen und das hohe Lied und bewirkte, daß der Inhalt dieser Schriften nicht nur in Deutschland, sondern auch in Holland, Frankreich, England, Italien und selbst in Polen bet den geringsten Juden bekannt wurde und der jüdische Dialekt, der die alte schlechte Uebersetzung fortwährend pflegte, allmählich auch bei der Masse des Volks sich verlor." Bewirkte Mendelssohn wirklich durch seine deutsche Uebersetzung, daß der Inhalt der 5 Bücher Moses, der Psalmen, des hohen Lieds bei den geringsten Juden in Deutschland, England, Italien und selbst in Polen bekannt wurde? Kannten die geringsten Juden in den europäischen Ländern den Inhalt der 5 Bücher Moses nicht? Hat die Mendelssohn' sche Uebersetzung die geringsten Juden in Italien, Frankreich, Holland, England urplötzlich mit der Kenntniß der hochdeutschen Sprache beglückt? Welche gedankenlose Uebertreibung! Gründlich scheint die Mendelssohn'sche deutsche Uebersetzung noch nicht gewirkt zu haben, sonst würde das Deutsch des Blumenfeld'schen Anhangs etwas mehr den elementarsten Regeln der Grammatik entsprechen. Ich bin damit beim dritten Punkt meiner Bthauptung angelangt. Also der jüdische Dialekt (einen jüdischen Dialekt gab es nie) pflegte fortwährend die alte schlechte Uebersetzung? Man wende nicht ein, es sei ein Druckfehler. Alles bisher Beurtheilte und noch zu Rügende steht gleichlautend in der^ältesten wie in der jüngsten Ausgabe des Anhangs. Also zu den Sttlblüthen desselben! S. 518. Gleich stark in der hebräischen, wie in der arabischen Literatur, suchte (R. Jehuda Hallewt) in einigen Schriften seine Gelehrsamkeit auch den Laien mitzutheilcn und zwar in Versen." „Er hatte es (den Cusari) in arabischer Sprache abgefaßt, es wurde aber später von Jehuda Jbn Tibbon in's Hebräische übersetzt, der auch das berühmte Reltgtonsbuch: Choboth Halebaboth von R. Bechai zu Saragossa und dessen Sohn den Moreh von Rambam, wovon bald mehr gesprochen werden wird, in's Hebräische übertrug." Diese Masse von Begriffen in einem Satze! Dieser Satzbau! Die armen Kinder und die kostbare Zeit! S. 519. Jbn Esra „war einer der geistreichsten Männer dieser Zeit, ausgezeichnet als Theolog. Philosoph, Mathematiker, Astronom, Sprachforscher, Philologe und selbst als Arzt." Selbst als Arzt! Ich glaube, wer Theolog, Philosoph, Astronom, ein Mathematiker, ein Sprachforscher, ein Philologe ist, der kann schließlich auch Arzt sein. Wenn ich meinen Schülern erklärt habe, was ein Theolog, ein Philosoph, ein Astronom, ein Mathematiker, ein Sprachforscher, ein Philologe ist, — und als ein rechter Lehrer muß ich das — so kann ich mein Buch zuklappen und die nächste Stunde beginnen. Von Jbn Esra, der Hauptsache, wissen die geplagten Schüler nichts und dem Lehrer ist bet allem Erklären die Kehle trocken geworden. So „kann füglich der gegebene Stoff als Lesestoff benutzt und s o zum geistigen Etgenthum unserer Jugend werden." „Die Frau des R. Jehuda Hallewi drang nämlich tagtäglich in ihren Mann, bevor er seine Pilgerreise nach Palästina antrete, die herangewachsene Tochter zu verehelichen." Satzbau! „Voll Unwillen über ihre fortwährenden Bitten und Vorstellungen zur Verheirat hung dieser Tochter. . . ." „Am anderen Tage nun trat ein sehr arm gekleideter Jüngling — es war Jbn Esra — in dessen Haus, verlangend, . . „R. Jehuda aber, der wußte, daß mancher schlechte Krug guten Wein enthält, ließ sich in ein Gespräch mit ihm ein und gewahrte bald zu seiner Freude, daß er einen geweckten jungen Mann (also noch einmal diesen trivialen Ausdruck) vor sich habe. . . . „Würde er gewußt haben, daß es Jbn Esra war, der sich schon damals allgemeinen Ruf erworben, er würde ihm ohne Bedenken seine Tochter zurEhe gegeben haben." „Jbn Esra aber, der gewahr wurde. .. ." In diesem Stile ist der ganze Artikel geschricben. Der Schlußsatz lautet: „Denn sie (seine Schriften) zeugen von seltener Gelehrsamkeit, geistreicher Auffassung, allseitigem Scharfblicke, Witz und Freisinnigkett." Das mögen die Schüler verstehen! S. 521 bei Maimonides: „Eine Wolke