Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 34-35 (1.5.1894)
- Date
- 1894-05-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^örthodoFe «Muderrthum^ /S PL Q lNr. 3. 1. Mai 1894.] KU mm wEm- ^y^gCTnasafD Inhalt: Das Hästers-Richter'fche Lesebuch für die Obeiklassen, für jüdische Schulen bearbeitet von M. Blumenfeld, Hauptlehrer. — Unter Anführung von Proben beurtheilt von H. R e u ß - Neustadtgödens. (Schluß.) — Ueber den iSrael. Lehrerverein im Königreich Bayern. — Briefkasten. Das Hästers-Richter'fche Lesebuch für die Oberklassen, für jüdische Schulen bearbeitet von M. Blrrmenfeld, Hauptlehrer. — Unter Anführung von Proben beurtheilt von H. Kerch-Neustadlgödrns.*) (Schluß.) Das Buch ist Gift für ein kindliches, unschuldiges Gemüth und nicht einmal süßes. Herr Bl. lehrt Falsches, Unrichtiges und Ueberflüssiges. S. 496 heißt es: „Hillel und Schamai waren diese hochbegabten, gotterfüllten Männer, die sich vorzugsweise bemühten, den Rabbinismus, d. h. die rabbinischen Satzungen zu befestigen und eine etwaige Uebertretung der Bibelgebote durch Zusätze und Erweiterungen zu verhüten." Der Rabbinismus ist nicht gleichbedeutend mit den rabbinischen Satzungen. Würde Herr Bl. vielleicht zu sagen erlauben, der Schulchan-Aruch enthält den Rabbinismus? Auch wenn sie sachlich richtig wäre, ist die Definition unlogisch. S. 511 wird von Meirs Schüler Symmachos gesagt, daß er so spitzfindig war, um bet jeder Entscheidung 48 Gründe anführen zu können. Welche Absicht mag dabet den Schreiber geleitet haben?! S. 524 wird erzählt, daß in Arabien viele Gelehrte dem Kaddisch - Gebet Maimonides Namen beigefügt hätten in der Formel: „In neuren Lebzeiten, in neueren Tagen und in den Tagen unseres Lehrers Moses ben Maimon." Nach Herrn Bl. heißt bechaijechon in neueren Lebzeiten. Ich gebe zu, daß ein Druckfehler vorliegt, aber warum hat ihn Herr Bl. in seiner Praxis nicht herausgefunden und ihn in der neuesten Ausgabe verbessert? S. 525 heißt es: „Ganz unerwartet erschien im letzten Jahre das schon genannte königliche Dekret, welches alle Juden aus Spanien verbannte." *) Vergl. Päd. Beilage Nr. 2. Ich habe das Buch in allen seinen Winkelchen durchstöbert und nicht finden können, daß des Dekrets schon einmal Erwähnung gethan worden. In der Quelle, aus der Herr Bl. geschöpft hat, mag es allerdings mehrfach erwähnt sein und Herr Bl. hat nur übersehen den entlehnten Satz seinem Buche anzupassen. S. 526. „Zur Erleichterung der Bibel- und Talmudstudten verfaßte Raschi einen Kommentar über die Bibel, die Mischna und den Talmud, eine Riesenarbeit, die seinen Namen verewigte." Zur Mischna hat nicht Raschi, sondern Obadia de Bartinora einen Kommentar verfaßt. Allerdings hat Raschi auch die zum Talmud gehörigen Mischnahstellen erklärt, es ist aber falsch, dieselben besonders zu erwähnen. S. 528 lesen wir: „Seine (Raschi's) Gutachten legten den Grund zu dem Tosaphot, d. h. zu der nach ihm entstandenen französisch-deutschen und polnischrabbinischen Schule, welche dem Talmud erklärende Bemerkungen beigefügt." Tosaphot ist die Mehrzahl, es soll also wohl heißen :" „zu den Tosaphot." Seine Gutachten legten auch nicht den Grund zu den Tosaphot, sondern gaben nur die Veranlassung zu deren Abfassung. Das Wort Tosaphot erklärt Herr Bl. als eine nach Raschi entstandene französisch-deutsche und polnisch-rabbinische Schule. Der Grund dieser Schule sei durch Raschi's Gutachten gelegt. Was mögen wohl Kinder, oder selbst Lehrer, die den Talmud nicht kennen, sich bei diesem Kommentar des Herrn Bl. denken? Wahrscheinlich, daß seine Erklärung ein schweres Tosaphot ist. Aus der