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Der Israelit · 1894-05-01 · Heft 34-35 (1.5.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 34-35 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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625 Meinungen darüber sind getheilt; einige behaupten, deine Rede hätte nichts zu sagen, andere meinten, was du gesagt, wäre zu viel geredet gewesen; doch gesprochen wurde in allen Kreisen davon." Ein zufriedenes Lächeln umspielte das geistvolle Antlitz des Greises. „Nur Schade", meinte er, „daß Keiner von denen, welchen meine Rede gegolten, in Schul' war, die Schebsen kennen mich als ihren Gegw r und kommen nie zu meinen Drosches." „Und wenn sie es auch hören, Vater", erlaubte sich Leb achselzuckend zu bemerken. „Deworim bealme nihe" (Es sind nur Worte), mit Drosches allein wirst du sie nicht bekämpfen können." Der Rabbi hatte jetzt den gesuchten Folianten herausgeholt, und Leb beeilte sich ehrerbietig, das schwere Buch dem Vater aus der Hand zu nehmen, und legte es auf den Tisch. Malke mit ihrer Tochter waren in diesem Momente in das Vorzimmer gelangt, und der Meschores des Rabbiners, nachdem er den Wunsch der Frauen vernommen, meldete eintretend, daß Malke Fischel und ihre Tochter den Rabbi zu sprechen wünschten. „Schabbes hast Du auch keine Ruhe, Vater", äußerte sich Leb, „ich werde hinausgehen und Beide auf den morgigen Tag verweisen." „Laß es sein, Leb", verwies ihn der Vater streng, „Malke Fischel weiß auch, was Derech Erez ist, und wenn sie heute kömmt, so gilt es einer wichtigen, mir noch unbekannten Sache — laßt sie etntreten!" — Der Meschores öffnete die Thür, und, die Frauen zum Eintritte einladend, verließen er und Leb die Studirstube. Die alte Malke war in ihrem Sabbatstaate eine imponirende Erscheinung, sie schien darin nicht mehr jene hilflose Blinde zu sein, wie daheim in ihrem Stübchen. Die goldgestickte Haube auf ihrem Kopfe ließ die Bläffe ihres Antlitzes noch mehr hervortreten, und um den Hals hatte sie eine sechsreihige Granatschnur geschlungen, deren dunkles Roth von ihrem weißen Anzuge noch greller hervortrat. Bele schmiegte sich befangen, fast ängstlich an ihre Mutter, ihr schien diese Stunde, wo sie vor den Rabbi hintreten und über das Weh' ihrer Seele klagen sollte, die verhängnißvollste ihres Lebens zu sein. Freundlich einladend tönte ihnen das „Boruch habboh“ des Rabbi entgegen. Der Rabbi hatte jetzt'von seinem Buche aufgeblickt, und als sein Blick die'eintretenden Frauen traf, tauchte so plötzlich und mächtig die Erinnerung an das Traumgebtlde der verflossenen Nacht in ihm auf, daß er einen Augenblick wie erschrocken zusammenfuhr und unwillkürlich murmelte: „Merkwürdig." Doch rasch diel Fassung gewinnend, wies er auf die beim Tische btfindlichen Sessel. „Setzt euch", sagte er freundlich, „was ist die Ursache eueres Besuches?" „Rebbe", begann Malke, „eine kalte Hand hat in das Herz meiner Tochter gegriffen und hat sie getrieben fort aus dem Hause ihres Gatten, den sie immer verehrt hat, wie es die Pflicht des Weibes ist, und ich habe meine Tochter und mein Enkelkind zu mir genommen. Ich bin aber mit ihr heraufgegangen, um zu fragen: Hat meine Bele recht gehandelt vor Gott und der Welt, als sie geschworen, ihren Mann Joffes Paffowitz so lange zu meiden, bis er aufhört mit den Schebsen und mit Rösel Gerrtn zu verkehren?" — „Seid ihr dessen gewiß", wandte sich der Rabbi an Bele, „daß euer Mann sich zu den falschen Lehren jener Partei bekennt?" „Ich weiß nur", erwiederte Bele, „von dem, was mein Mann, der ein schlichter aufrichttger Mensch ist, mir eingestanden hat, daß er nämlich den Schebsen Tkias kaf gegeben habe und zu ihren Versammlungen etngeladen wurde. Ich glaube, daß er dazu verführt wurde, und Schlechtes habe ich auch nichts in seinen Handlungen bemerkt. Nur weil ich es für eine Sünde halte, an andere Lehren zu glauben als an jene, welche ich in meiner Eltern Haus vor Augen gesehen, und well mein Jossef meinen Bitten, von den Schebsen abzulaffen, kein Gehör schenkte, habe ich geschworen ihn deßhalb zu verlassen." „Erzählt mir nochmals, auf welche Weise ihr jenes Geständniß eueres Mannes erlangtet, und die Antwort, die er auf eure Bitten gab." Bele schilderte in schlichten Worten den Verlauf der Familienscene, die unseren Lesern bereits bekannt ist. „Ihr seid ein starkherziges, gottgläubiges Weib", sprach, nachdem Bele ihre Erzählung beendigt, der Rabbi, „wollte Gott, es gäbe solcher viele in Israel. Wie ich aus Euerem Berichte entnehme, ist euer Mann nicht völlig auf die Abwege jener Irrlehren gerathen, und ihr habt schon deßhalb Recht gethan. die Sache mir zur Entscheidung zu überlassen, weil es mir vielleicht mit Gottes Hilfe gelingen könnte, ihn wieder auf den rechten Weg zu bringen." Der Blick des Rabbi streifte nochmals prüfend die vor ihm sitzenden Frauen, dann frug er: „Hat Jossef Paffowitz euch nichts über das Leben und Treiben der Schebsen erzählt? Oder ist euch etwas bekannt von deren Geheimnissen?" „Nein", nahm Bele das Wort, „mein Mann behauptet immer, sie wären „ehrliche Jüden." Malke, die bisher ihrer Tochter das Wort gelassen, stand langsam auf und sprach: „Ich kann dem Rebbe das erzählen, was mein Mann Reb Anschel, nisbmoso began eden, mir

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