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Der Israelit · 1894-05-01 · Heft 34-35 (1.5.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 34-35 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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j m -'xf-wLsu, ai ... v r Wf^iL*!WB*£ **■ MW, .■ 622 ltche Lauf der Dinge. Wunder könnten ste nur mit Recht genannt werden, wenn die uns umgebende sinnliche Welt, mit ihren Gesetzen und Kräften keinen Herrn und Meister hätte, der ste geschaffen und der sie jederzeit wieder aufheben und umändern kann. Gibt eS aber einen Gott, welcher das ganze Universum dem Menschen zu Füßen gelegt und in den Dienst seiner Erziehung gestellt hat, dann wäre es ein unerklärliches Wunder, wenn diese, dem höchsten Gottesziele untergeordnete Welt sich der Erreichung dieses Zieles hemmend und feindlich in den Weg stellen könnte. Unsere „Ntssim" sind deßhalb nichts als göttliche Merk- und Leitzeichen, die hoch über das gewöhnliche Niveau hinausragen, um das Bewußtsein, von der freien Allmacht Gottes wieder neu zu beleben, die durch nichts gehindert ist, alle bestehenden Gesetze und Veranstaltungen aufzuheben, um ihre Ziele zu erreichen. Von solchen „Nissim" aber redet unsere Mischna hier nicht, sondern von „Zehn Dingen", die in der Dämmerstunde des Sabbat geschaffen wurden. Diese onan rrwy unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkte von rrwj/. Wenn das Feuer nicht brennt, das Wasser nicht flließt, Sonne und Mond in ihrer Bewegung innehalten, oder die Löwen Daniel nicht verzehren, und hartherzige Raben Elijahu mit Nahrung versorgen, so scheint uns dies als Wunder, weil wir hier eine Abweichung von den Gesetzen der Natur gewahren, wenigstens soweit sie uns geläufig sind. In Wirklichkeit ist durch Gesetz der höheren Weltordnung die brennende Kraft des Feuers, die Flüssigkeit des Waffers und die Grausamkeit der Raubthiere aufgehoben, vor Personen Völkern, und Verhältnissen, wie ste Gottes Weisheit für erforderlich erachtet und wie ste in der Geschichte Israels wiederholt eingetreten sind. So wie Gott in den sechs Schöpfungstagen dem Feuer die Gluth, dem Wasser die fließende Bewegung und dem Raubthiere den Blutdurst so anerschaffen hat, daß diese Etgenthüm lichkeiten zur „Natur" dieser Dinge gehören, so hat ihnen Gott auch die gegentheilige Eigenthümlichkeit beigelegt, wenn es sich um Männer wie Elijahu und um Ziele handelt, die für Gottes Sache auf Erden erreicht werden sollen. irrya nt<V0j K»n dnt nn»n ’n n«ö Vor dem Gesichtspunkte Gottes und seiner Weltordnung erscheint als selbstverständlich, was in unseren Augen als Wunder gilt. Für uns gelten sie als Wunder, weil wir eine Aenderung der Natur dabei constatieren, soweit ste uns bekannt ist. Bei den zehn Dingen aber, von welchen unsere Mtschnah spricht, ist eine solche Aenderung ausgeschlossen. Es gilt Dingen, bei welchen es sich nicht um Aenderung ihrer natürlichen Ngenthümlichkeit, sondern um eine uns bis dahin völlig unbekannte Neuschöpfung handelt. Sie sind wie alles sinnlich Wahrnehmbare in den sechs Schöpfungstagen geschaffen, aber weil ste mit ihrer Bedeutung in die Welt des Sabbat hineinreichen, weil sie der Anerkennung und Verwirklichung des Göttlichen auf Erden in besonders hervorragender Weise dienen, deßhalb gehören sie halb der gewöhnlichen Welt der sechs Schöpfungstage und halb der Welt an, für welche der Sabbat das Gepräge bildet, deßhalb sind sie am „Rüsttag des Sabbat in der Dämmerstunde" geschaffen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nud Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 30. April. Von der Gemeinde aus Süddeutschland, in welcher, wie wir berichteten, beabsichtigt war, cmirin -ip\i einzuführen, hören wir zu unserer Freude, daß daselbst zahlreiche Mitglieder durch Unterschrift sich dagegen ausgesprochen und daß der Gemeindevorstand davon abstrahiren wird. Darmstadt, 21. April. Wegen Verbreitung des Flugblatts: „Kauft Christgeschenke nur bei Christen!" war auf Strafantrag jüdischer Geschäftsleute gegen den Vorstand des antisemitischen Reformvereins Klage wegen Beleidigung und groben Unfugs erhoben. Die Strafkammer sprach jedoch den Vorstand frei, weil er nicht bestimmte Personen beleidigt habe. Darmstadt, 24. April. Gegen ' das Urtheil der Strafkammer vom verflossenen Samstag, durch das die Vorstandsmitglieder des antisemitischen Reformvereins von der Anklage der Beleidigung der hiesigen jüdischen Geschäftsleute freigesprochen wurden, hat die Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Revision eingelegt. Berlin, 19. April. Herr Joachim Gehlsen, der früherere Redacteur der Eisenbahn-Zeitung, wollte gestern Abend in einer vom „Verband deutschsozialer Antisemiten Abtheilung Oranienburger Thor" nach dem „Friedrichsgarten" (Friedrichstraße) einberufenen Versammlung über seine achtzehnjährige Verbannung und den Grund derselben einen Vortrag halten. Bekanntlich hatte Gehlsen in der obengenannten Zeitschrift in den siebziger Jahren ähnliche Behauptungen in Bezug auf Gründungen aufgestellt, wie es seinerzeit die kürzlich verurtheilten Schriftsteller Schwennhagen und Plack-Podgorskt in ihren Schriften gethan haben. Als er daraufhin zu einer mehrmonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt wurde, floh er nach London, von wo er vor einigen Tagen zurückkehrte, um den Reichstagsabgeordneten Ahlwardt, der sich demnächst wegen

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