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Der Israelit · 1894-05-01 · Heft 34-35 (1.5.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 34-35 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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621 Kraft hat, warum sie vielen anderen Stoffen abgeht, das ist und bleibt ein unergründliches Geheimniß. Wir wissen alle, daß ein in die Erde gelegtes Saatkorn aufgeht, aber wir können uns alle Kräfte nicht erklären, die in dem winzigen Korn so intensiv wirken, daß sie die schwersten Erdschollen durchbrechen, um sich ans Licht zu ringen. Wir können den Lauf der Gestirne berechnen, aber nichts destoweniger tauchen in jeder Zeit neue Meteore auf, von welchen man bis dahin keine Ahnung hatte, weil sie der menschlichen Beobachtung unzugänglich waren und erst durch verbefferte optische Vorrichtungen für uns wahrnehmbar wurden. Würden die Gestirne in ihrem Lauf plötzlich stille stehen, würde das Wasser seinen flüssigen Agregatzustand aufgeben und zu fließen aufhören, so würde das gegen alle Gesetze der Natur verstoßen, aber selbstverständlich nur in sofern sie den Menschen bekannt sind. Ist diese zeitliche Welt, in der wir leben, mit den von ihr abstrahtrten Regeln das Einzige, Höchste, Maßgebende, dann gibt es für jede Abweichung von dieser Regel keine Erklärung. Das ist aber nach unserer Ueberlieferung, die auf jeder Seite unserer heiligen, göttlichen Urkunden uns verbrieft ist, n i ckt d e r Fall. Es ist der Wahn der Minim, des gottleugnenden Abfalls von der uns bewährten und erprobten Wahrheit — o^y y« nnx —, daß diese sichtbare Welt der einzige ins Gewicht fallende Faktor ist. Höher als die von uns sinnlich wahrnehmbaren Erscheinungen dieser Welt mit ihren Gesetzen und Regeln gibt es noch ei e zweite Welt mit ihren Gesetzen und ihren Regeln, die sich unserer sinnlichen Wahrnehmung entzieht, die aber dennoch existirt und für deren Existenz es unzählige, bewährte Zeugen gibt. Es ist die Welt, einer höheren Ordnung, in der nicht die Stoffe und Kräfte der Materie, sondern das Diktat des göttlichen Gesetzes und das sittliche Verhalten des Menschen dazu ausschließlich maßgebend sind. Diese ganze in sechs Tagen geschaffene Welt steht mit ihren zahllosen Körpern und Kräften im Dienste jener höheren Welt. Sie ist ausschließlich für die Erfüllung jener höheren, göttlichen Weltzwecke geschaffen und mit ihrer Blüthe und ihrem Verfall, ihrem Dasein und ihrem Untergang an sie geknüpft. Wir wollen das an einem Beispiel dem Verständniß näher bringen. Die Art und Weise wie sich der Regen ^bildet, wie er niederfällt oder auSbleibt, wie er segensreich oder unheilvoll wirkt, ist ohne Zweifel eine Thatsache, die sich in dem Rahmen der stofflichen, irdischen Welt bewegt und für welche die Gesetze der Natur bestimmend sind. Nichtsdestoweniger ist uns gesagt: „Wenn ihr in meinen Gesetzen wandelt, sie hütet und erfüllet, dann gebe ich den Regen zu seiner Zeit." Ebenso ist uns gesagt, wenn wir unfern Sinn bethören lassen, von Gott abzuweichen und anderen Mächten nachzugehen, daß sich dann der Himmel schließt und der Regen ausbleibt. — Wir sehen daraus, daß das Eintreffen und Ausbleiben des Regens von dem sittlichen Verhalten der Menschen abhängig ist. Wenn wir somit alle metereologischen Bestimmungen und Bedingungen kennen würden — wie wir sie tatsächlich in ihren wesentlichsten Punkten nicht kennen — so reichten sie doch nicht aus, um das Eintreffen und Ausbleiben des Regens zu bestimmen. Wie sich die Gesetze der höheren und niederen Weltordnung ausgletchen, wie es z. B. möglich ist, daß alle meterologischen Bedingungen für den athmosphärtschen Regenniederschlag vorhanden sind, aber die sittliche Vollendung der Menschen fehlt, welche sie des Segens würdig macht, der an den Regen geknüpft ist, das ist ein rätselhaftes, wundervolles Problem für sich. Für unseren Gegenstand genügt es, die Thatsache festzustellen, daß die Regenbtldung der irdischen, stofflichen, in sechs Tagen geschaffenen Welt angehört. Die Ziele und Zwecke, für welche der Regen von Gott gespendet oder zurückgehalten wird, gehören einer höheren Welt-Ordnung an. Es ist die Welt, die der Sabbat einleitet, mit welchem die irdische Welt ihren Abschluß erreichte und mit weichem jene höhere Welt beginnt. Während in unserer niederen Welt die sogenannten Naturgesetze walten, gelten in jener höheren Welt, höhere, über der Sphäre des natürlichen Ganges der Dinge hinausragende Normen und Regeln, die aber nur Gott dem Schöpfer dieser und jener Welt bekannt find. Nach den gewöhnlichen, uns bekannten Gesetzen, brennt das Feuer und fließt das Wasser. Das ist richtig, soweit diese Welt nicht mit den Zielen und Zwecken in Widerspruch steht, welchen Gottes höhere Weltordnung dient. Will aber Gott seine schützende, fürsorgende Allmacht in Zetten und Verhältnissen bekunden, die seine Weisheit für eine solche Bekundung als angemeffen erachtet, dann tritt das Gesetz der Natur zurück, vor den höheren Zwecken der Gottesanerkennung auf Erden, die hierdurch gefördert werden. Das Feuer verliert seine brennende Kraft vor einem Chananja, Mischael und Asarjah, das fließende Wasser steht still, wenn es dem Volke den Durchzug zu der Stätte gewähren will, an welcher das Gesetz Gottes der Menschheit offenbart werden soll. Diese „Wahrzeichen", Ntssim, sind Beweise und Veranstaltungen für die Thatsache, daß es ein Walten Gottes gibt, das höher steht als der natür-

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