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Der Israelit · 1894-05-01 · Heft 34-35 (1.5.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 34-35 (1.5.1894)
Date
1894-05-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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T 620 f)at uns die Wege genau vorgezeichnet, auf denen wir Ruhe und Trost finden können. Bestreben wir uns auf seinen Wegen fortzuschreiten, seine Werke fortzuführen, in seinem Sinne weiterzuarbeiten und weitcrzukämpfen, so werden wir, wenn wir uns an seinem Grabe niederwerfen, unsere Augen zu Gott erheben können, auf daß er unseren Schmerz heile. In der Erklärung der Sprüche der Väter sind wir zu der folgenden Sentenz gelangt: mrorn v3 na» a-iya woj mry td«?m ntDom jom r»pm prwn '51 “wan w pNn *b jn im'api oyian onow »n nimVni araom anam nas *\h d'id'n an was Oman bw ''^ai n»o bw v rasa „Zehn Dinge wurden am Rüsttag des Sabbat in der Dämmerung geschaffen: Die Oeffnung der Erde, die Oeffnung des Brunnens, die Sprachfähigkeit der Eselin, das Manna, der Stab, der Schamir, das Schreiben, die Schrift und dieTafeln. — Einige sagen: Auch die Masikim, das Grab Moschehs unseres Lehrers und der Widder Abrahams unseres Vaters. Einige sagen auch dieZang e,durcheine fertigeZange." Unter der Oeffnung der Erde wird die Katastrophe verstanden, durch welche Korach und seine Genossen mit Hab und Gut lebendig von der Erde verschlungen wurden. — Die Oeffnung des Brunnens bezieht sich auf den Brunnen, der unsere Väter durch ihre ganze vierzigjährige Wüstenwanderung begleitete. Das Wunder mit der Eselin hat die Fähigkeit der Sprache zum Gegenstand, mit welcher Bileams Eselin ihren Herrn in Bestürzung setzte und ihn vor seinem ganzen Gefolge beschämte. — Der Regenbogen ist das von Gott eingesetzte Zeichen seiner durch keine menschliche Verirrung zu unterdrückenden Vaterliibe, die fitoe noch so entartete Generation fürder durch den Wassertod hinweglöschen wird. Das Ma nn a ist die himmlische von Gottes Wunderwaltung vierzig Jahre lang gewährte tägliche Brodspende in der Wüste. Der Stab ist der von Moscheh, mit dem ausgerüstet Moscheh die Wunder vollzog, die ihm vom Gott aufgetragen waren. Der Schamir ist ein kleines Thier, das die Stärke besaß Steine in einer Weise zu durchschneiden, daß er Hammer und Mcisel vollständig ersetzte. Der Schamir wurde daher zur Glättung und Politur der Altar steine gebraucht und auch die Edelsteine des Ephod wurden damit in Stand gesetzt. Das Schreiben, die Schrift und die Tafeln beziehen sich auf Inhalt, Form und Stoff der Burdcstafeln. Masikim sind schädliche, durch gewöhnliche sinnliche Auffassung nicht wahrnehmbare Wesen und Einflüsse. Das Grab von Moscheh wird hier wegen des Wunders hervorgehoben, welches sich an den Umstand knüpft, daß dieses Grab unauffindbar ist, obwohl die Oertlichkeit, in welches es sich befindet genau angegeben ist. Der Widder Abrahams ist derjenige, der zur Opferung bereit stand, als statt Jizchak eine anderes Opfer gebracht werden sollte. Die Zange ist die erste, die überhaupt existirte, ohne welche die zweite und alle anderen nicht möglich gewesen wären, und welche deshalb einige auch einem besonderen Eingreifen Gottes zuschreiben. Merken wir zunächst an, daß hier nicht wie in der vorhergehenden Mischnah von d’dj mry, von zehn Wundern, sondern nur von o'iai m»y zehn Dingen die Rede ist. Dieser von keiner der uns vorliegenden Erklärungen erwähnte Umstand dürfte Licht über die Schwierigkeiten verbreiten, welche sich bei Betrachtung dieser Mtschnah jedem sofort aufdrängen. Was soll die Zeit besagen, in der Dämmerstunde dcs Sabbateingangs, in welcher diese Dinge geschaffen wurden? Ist es denkbar, daß der Widder Abrahams und die Eselin Bileams aus der Zeit der Weltschöpfung stammen und somit ein Alter von einigen tausend Jahren erreicht haben? Zur Lösung dieser Fragen müffen wir einige Bemerkungen voraussaicken. Die ganze sinnlich wahrnehmbare Welt, in welcher wir leben, ist in sechs Schöpfungstagen von Gott ins Dasein gerufen worden. Was wir in dieser Welt Wahrnehmen, entsteht, entwickelt sich und verfällt wieder nach bestimmten Regeln und Gesetzen, die wir Naturgesetze nennen. Die Menschen haben seit Jahrtausenden den Gang dcs Universums und seiner einzelnen Theile beobachtet und was sie von dem Wechsel der Dinge, ihrer Entwickelung, ihrer Bewegung und Ruhe, ihres Laufs und Stillstands beobachtet haben, nennen sie das Gesetz, welches diesen Erscheinungen zu Grunde liegt, das Naturgesetz. Sie sehen den Gang der Gestirne und berechnen ihn, Dank seiner steten Regelmäßigkeit, auf Jahrhunderte und Jahrtausende hinaus. Sie kennen das Gesetz der Schwere, nach welchem jeder freischwebende Gegenstand zu Boden fallen muß, sie wissen, daß das Wasser fließt und niemals feststehen kann und tausende von anderen Erfahrungen, welche zusammen eine ganze Wissenschaft, die Naturwissenschaft, bilden. Es liegt aber auf der Hand, daß diese Wissenschaft ihre durch die menschliche Beschränktheit der Beobachtung und Einsicht gezogene Grenzen hat. Die Naturwissenschaft kennt z. B. die Kraft, durch welche Eisen anderes Eisen anzieht und nennt diese Kraft Magnetismus. Warum aber das Eisen diese

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