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Der Israelit · 1894-04-19 · Heft 32-33 (19.4.1894) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 32-33 (19.4.1894)
Date
1894-04-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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606 nen, der Treue gegen Kaiser und Reich als eine tiefreligiöse begreifen und freudig erfüllen. Dann werdet ihr in treuer Pflichterfüllung Euer höchstes Glück finden und werdet glücklich sein in allem Sonnenschein, glücklich auch im Wolkendüster des Lebens, das Gottes Vaterweisheit keinem Sterblichen ganz erspart. Dann bleibt ihr ewig mit unS verbunden. Dann war euer Eingang gesegnet, dann wird auch euer Ausgang gesegnet sein und gesegnet bleiben, immerdar. — Amen. Zeitungsnachrichten und Csrrefpoudenze« Deutschland. A«S Württemberg. Das „Bopfinger Tagblatt", eine Seperat-Ausgabe der in Eüwangen erscheinenden „Jaxt-Zeitung", gibt seinem Acrger über die Erwählung des Herrn Rabbiner Dr. Krön er zum Kirchenrath in sehr bezeichnenden Worten Ausdruck. Nachdem fragliches Blatt den Dienstantritt des Herrn Kirchenrath Dr. Kroner in einer „Stuttgart" überfchrtebenen Korrespondenz gemeldet, in welcher von den Hoffnungen die Rede ist, welche die württ. Israeliten an diese Neubesetzung knüpfen, läßt die Redactton desselben Blattes sich also vernehmen: „Das wäre ganz recht! Nach unfern Informationen liegen aber Anzeichen vor, daß Herr Dr. Kroner der streng orthodoxen Richtung angehöre. Wenn sich also dessen Thätigkeit nach dieser Seite richten sollte, wird er wenig Anerkennung bei dem größten Theile seiner württembergischen Glaubensgenoffen finden, die wahre Religiösttät nicht im gedankenlosen Formelwesen erblicken, sondern zeitgemäße Reformen sehr wohl mit ihren religiösen Anschaungen vereinigen können." Ich halte es für überflüssig, gegen diese Verleumdung des gesetzestreuen Judenthums auch nur ein Wort zu verlieren, aber für nöthig betzufügen, daß der Herr Redacteur, der zugleich Drucker obigen Blattes, zwar ein Jude, in religiösen Dingen aber vollkommener Ignorant ist, der auch an den höchsten israelitischen Festtagen seine Arbeit nicht einstellt und als angehender Jagdfreund doch wenigstens so viel hätte wiffen sollen, daß er daneben schießt, wenn er über „wahre Religiosität" Belehrungen ertheilen will. N. N. Laupheim. Unsere Rabbinerstelle wird demnächst vacant, da Herr Dr. Einstein das Rabbinat in Landau übernimmt. Wir hegen die Hoffnung, daß jetzt, da die Kirchenrathsstelle von Herrn Dr. Kroner bekleidet wird, konservative Candtdaten eher Berücksichtigung finden werden. Hauau, 6. April. Der Inhaber der Engelapotheke, ein Führer des gegen die Rabattforderungen der Krankenkaffen gerichteten Apotheker-Kartells, richtete an den Vorsitzenden einer israelitischen Krankenkasse in einem Orte in der Umgegend Hanau's, zu Anfang Oktober vorigen Jahres folgendes Schreiben, das die Frankfurter „Volksstimme" veröffentlicht: „In Beilage beehre ich mich Ihnen Rechnung über die von Seite Ihrer Kaffe im Monat August aus meiner Apotheke bezogenen Arzneien zu überreichen. Ich hätte Ihnen gerne einen hohen Prozentsatz als Rabatt abgezogen, da Sie mir aber die Kaffe vom September ab ohne jeglichen Grund entzogen haben, so kann ich dies leider nicht thun. Sollte Ihr Weggang von mir aus Rücksicht auf meine frühere antisemitische Gesinnung zurückzuführen sein, so habe ich Ihnen zu erwiedern, daß ich mich schon seit Jahr und Tag von der antisemtt. Bewegung vollständig zurückgezogen habe. Sowohl in Reichelsheim als im Anfang hier habe ich jüdische Gehilfen in meiner Apotheke gehabt, außerdem darf ich wohl von mir sagen, daß ich niemals Jemand persönlich zu nahe getreten bin, und der Achtung aller vorurteilsfreien Juden in meinem früheren Wohnort theilhaftig gewesen bin. Hochachtungsvollst ergebenst (gez.) Otto Meyer." Den letzten Satz dieses Meyer'schen Schreibens wird man wohl mit einiger Einschränkung;u verstehen haben. Herr Apotheker Meyer war, wie uns ziemlich genau bekannt ist, der Hauptförderer des Antisemitismus in Reichelsheim, als diese glorreiche „Bewegung" auf ihrem Höhepunkt stand. Wenn er sich später aus irgendwelchem Grund — worüber vielleicht sein vorstehendes Geschäftsschreiben einen Anhaltspunkt giebt — von der Böckelei zurückgezogen oder wenigstens öffentlich nicht mehr mitgethan hat, so ist das für seine damaligen und jetzigen jüdischen Mitbürger doch immer, wie die „F. Z " sehr richtig bemerkt, noch kein Grund, für Herrn Meyer eine besondere Hochachtung zu empfinden. Rußland. Petersburg, 2. April. In der Geschichte der Judenverfolgung in Rußland nehmen die Namen Derer von Jgnatjew einen hervorragenden Platz ein. Niemand in Rußland hat die Juden an höchster Stelle so angeschwärzt wie die Träger des Namens Jgnatjew. Was Haman zur Zeit des persischen Königs Ahasverus für die Juden war, das sind heutzutage für die Juden in Rußland die beiden Grafen Jgnatjew, Onkel und Neffe. Haman wollte die Juden völlig vertilgen; auch die Grafen Jgnatjew möchten die Juden am liebsten dem Scheiterhaufen ausliefern. Schon 1881, als das russische Ministerium des Innern dem Grafen Nicolaus Jgnatjew, dem ehemaligen Botschafter in Constantinopel, anvertraut worden war, begann der

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