Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 32-33 (19.4.1894)
- Date
- 1894-04-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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597 MMMMMWWMPW WWWPWWW>>HtWHMj»U!UI., ■ jüdischen Bellamy. Wir wollen demselben einen vipv lassen und begnügen uns deßhalb mit dieser Erwähnung des echt amerikanischen Aprilscherzes. O esterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 16. April. Im Abgeordnetenhause interpellirte Wrabetz mit Rücksicht auf eine vom Pfarrer Deckert gestern in Weinhaus von der Kanzel empfohlenes, bei der Kirchenthüre erhältliches Vaterunser: „In Judennoth", ob der Justtzminister derartige Verhetzungen der Bevölkerung hintanzuhalten gedenke. — Das von Pfarrer Deckert kolportirte „Vaterunser in Judennoth" wurde heute von der Staatsanwaltschaft konfiszirt. Wien, 9. April. Der hiesige „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" veranstaltete gestern in den prächtigen Sälen des Etablissement Ronacher die erste Versammlung dieser Art. Herren und Damen, die dem Vereine angehören, und Gäste, die mit den Zielen des Vereines sympathistren, hatten sich in großer Zahl etngefunden. Der Abend, der durch Musikvorträge einer Kapelle eingeleitet wurde, gestaltete sich zu einer bedeutsamen Kundgebung gegen den Antisemitismus. Die kräftigen Worte, die da gesprochen wurden, fanden stürmischen Beifall bei dem distinguirten Publikum. Am Komitetische saßen u. A. der Ehrenpräsident Baron Leitenberger und Herrenhausmitglied Lobmeyer. Nachdem der Präsident des Vereines, Baron Suttner, die Versammlung begrüßt hatte, brachte Baron Leitenberger auf den Kaiser einen Toast aus, der mit Begeisterung ausgenommen wurde. Sodann gelangte ein vom Ehrenpräsidenten des Vereins, Hofrath Professor Nothnagel, aus San Remo eingetroffenes Telegramm zur Verlesung. Dasselbe lautet: „Zu meinem Leidwesen räumlich heute von Ihnen getrennt, reiche ich im Geiste den Männern die Hand, welche den schweren, aber hohen und heiligen Kampf führen, in dem es gilt, vollste Energie für die Gerechtigkeit und die höchsten Güter der Menschen einzusetzen und die schmachvollen Angriffe gegen einen Theil unserer, allen anderen Staatsbürgern gleichstehenden Mitmenschen abzuwehren." Besonderes Interesse erregte ein scharf pointirtes Schreiben des Profeffors und Konststorialrathes Dr. Schöpf aus Salzburg. Derselbe schreibt, es müsse im Klerus die Ueberzeugung allgemein werden, daß kein katholischer Priester, der seine Mission versteht, ein Antisemit sein kann; es sei ferner zur Ausrottung des abscheulichen Antisemitismus unbedingt nothwendtg, daß de Staatsgewalt dagegen entschieden Front mache. Als erster Redner ergriff Superintendent Haase das Wort und verurtheilte den Antisemitismus in einer groß angelegten glänzenden Rede vom religiösen Standpunkte aus. Die Antisemiten zu bekehren, sei freilich unmöglich, denn ihr Zustand sei bereits ein pathologischer; ein Missionär im schwärzesten Afrika habe sicher eine leichtere Aufgabe als ein Antisemiten-Mtssionär. Aber man müsse sorgen, daß das antisemitische Gift nicht weiter dringe. Er erörtert hierauf den Widerspruch, der darin liege, sich auf den frommen Christen htnausspielen und zugleich die Grundlagen des Chrtstenthums anzugreifen, das Volk zu beschimpfen, aus dem der Stifter der chr. Religion hervorgegangen sei. Er preist dann in glühenden Worten die guten Eigenschaften der Juden, insbesondere ihr ideales Familienleben. Luther sagt: „Eine arme Mutter kann sechs Söhne ernähren, sechs Sühne aber nicht eine arme Mutter." Jüdische Söhne aber können das. Ich selbst kenne solche. Abgeordneter Dr. Haase schließt mit der Aufforderung, den Judenhaß schon deshalb wegzuwerfen, weil man sich nicht Wohlbefinden könne, so lange man Jemanden Haffe. Stürmischer Beifall folgte seinen Worten. Dann sprach Reichsrathsabgeordneter Dr. Kronawetter. Er betonte die Macht und den Fortschritt, den die Menschheit durch die Vereinigung erlangt habe, und besprach sodann die trennende Kraft der Konfeffion. Nationalität und der sozialen Gegensätze. Diese vor Allem müsse der Verein abschwächen und sich nicht abschrecken lassen, wenn der Erfolg lange aus sich warten laffe, denn nur dadurch sei die Menschheit groß geworden, daß die Geschlechter stets auch für ihre spätesten Nachkommen gearbeitet haben. Unter allgemeiner Spannung ergriff hierauf Professor Suetz das Wort. „Man müsse zu gewissen Zeiten fast an dem Fortschritt der Menschheit verzweifeln," sagte er, „wenn man nicht wissen würde, daß er nur langsam, sehr langsam von Statten gehe. Wer im Jahre 1848 gesagt hätte, daß die gewaltigen Errungenschaften dieser großen Zeit wieder verloren gehen könnten, den hätte man einfach ins Narrenhaus gesperrt. Und doch sind sie verloren gegangen. Gesetze könne man freilich leicht ändern, aber der Kampf gegen Interessen sei schwer, und der gegen Vorurthetle, besonders wenn sie sich mit atavistischer Antipathie verbinden, sei ungeheuer schwierig. Aber einig müsse man vor Allem sein, einig Alle, die den Fortschritt wollen, das werde ihm auch der unmittelbare Vorredner (Kronawetter) zugestehen müssen. Und dennoch werde man den Antisemitismus so erfolgreich im öffentlichen Leben, als in der Familie bekämpfen, und da sei die größte und erfolgreichste Aufgabe den Frauen Vorbehalten. Er richte dabei seinen Blick vor Allem auf seine Nachbarin Baronin Suttner, die ein kaum erreichbares Vorbild dessen sei, was ein weiblicher Missionär leisten könne, der sich ganz einem hohen Ziele hingegeben habe. Ihre Worte des Friedens und der