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Der Israelit · 1894-04-19 · Heft 32-33 (19.4.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 32-33 (19.4.1894)
Date
1894-04-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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MW» 592 die Baracken einiger Juden haben verbrennen lassen, und daß die Eigenthümer Entschädigungen von je 8 bis 20 Rubel bekommen haben. Jedoch sind diese Entschädigungen nicht von der Stadtkaffe, oder von Geldern der staatlichen Sanitätscommission vorweg bezahlt worden, sondern sie sind einzig und allein Gaben und Geschenke von Privatleuten, die eS gestattet haben, dadurch die Eigenthümer zu entschädigen. Der ganze Posten dieser bewilligten Summen belauft sich auf 691 Rubel. Dank der Vermittlung des Polizeipräsidenten unserer Stadt, Herrn Rajenski haben sie endlich einige Groschen erhalten. Ihm hat man es auch zu danken, daß die Juden in der Vorstadt Rovygorod nicht Hungers gestorben sind. Er fährt jeden Tag bei den Krämern, Fleischern, Bäckern lauter Christen, vor und sammelt in seinem Wagen Zucker, Thee, Brot u. s. w., welches er unter die ärmsten jüdischen Familien vertheilt. Seit einigen Jahren giebt es hier jüdische Bettler, aber es waren nur wenige. Seit aber die jüdischen Handwerker keine Arbeit mehr haben und sich nicht anderswo neue suchen dürfen, ist das Bettlerthum allgemein geworden. Früher war die Polizei streng gegen die Bettler, jetzt kann sie nichts mehr machen. Die Bettler bilden ein Heer. > Vermischtes. Berlin» 14. April. Die sächsischen Antisemiten scheinen mit ihrem Führer, Herrn Zimmermann, recht wenig zufrieden zu sein. Aus Bautzm versendet ein provisorisches antisemitisches Komite einen Aufruf an die Parteigenoffen, in welchem gegen weitere Unterstützung der Zimmermann' schen „Deutschen Wacht" protestirt und die seiner Zeit von den Gründern gemachte Angabe, es würden bei derselben 10 bis 15 pCt. Dividende herauskommen, als Vorspiegelung falscher Thatsachen charakterisirt wird, da die „Deutsche Wacht" überhaupt nicht lebensfähig sei. Als eine „geradezu unerhörte" Thatsache wird mitgetheilt, daß sich Zimmermann für den Titel „Deutsche Wacht" 20,000 M. zahlen ließ Ein anderer Titel hätte keinen Pfennig gekostet. Die ganze Gründung sei weiter nichts, als daß Zimmermann sein „Geschäft" dabei gemacht habe. Bis jetzt, nach kaum sechs Monaten, seien 100,000 Mark verpulvert, dabei gehe der Abonnentenstand stetig rückwärts. Bromberg, 27. März. In der vielbesprochenen Angelegenheit der Umänderung des Namens Sch mul in Goetze hat der Minister des Innern die gegen den Regierungspräsidenten zu Bromberg von deutschen Antisemiten gerichteten Beschwerden zurückgewiesen. Wie die „Ostd. Pr." erfährt, hat der Großvater der Kaufleute Schmul in Schneidemühl „Schmul- Goetze" geheißen, bereits im Jahre 1889 wurde einem in Stettin lebenden Sohn des Letzteren die Wiederannahme dieses Namens gestattet. Paris. In einer Sitzung, welcher der Grand-Rabbi von Frankreich Zadok Kahn präsidirte, wurde eine Subscription zu Gunsten der russischen Juden eröffnet. Unter den Zeichnern befand sich auch M. S. H. Goldschmidt, Präsident der Allianz, mit einem Betrage von 25,000 fl. Feuilleton. Die Sabdatianer. Erzählung von Bernard Auerbach. (2. Fortsetzung.) Und dabei ist es auch geblieben — ich Hab' an diesem Freitag — das erste und einzige Mal in meinem Leben — mir schenken lassen von der Chewre Bikur Cholim ein bissel Supp' sür meinen kranken Rüben, und traurig haben wir uns zu Tisch gesetzt, nichts mehr als das Barches zum Liääuseh lag vor uns. — Da öffnet sich die Thür' und die alte Hindel, die damals beim Vorsteher Frankl gedient hat, kömmt herein, an ihrem Arm einen Korb mit Wein, Fleisch und Fisch' sür uns, und berichtet, baff mein Anschel soll gleich Sonntag zum Vorsteher kommen. Das war eine Szimche (Freude), als ob Elie hanowi gekommen war — und so ist mit Gottes Hilfe verwandelt worden unsere Traurigkeit in Freude. — Gleich Sonntag aber hat der Vorsteher bestellt bei meinem Anschel ein schönes Sefer Thora und es voraus bezahlt. Jetzt siehst du Beleleben", schloß Malke ihre Erzählung. „daß mit göttlichem Beistand nach einer traurigen Nacht ein lebensfroher Tag folgen kann — auch dein Kummer wird ein Ende nehmen, und der Einzige, der nächst Gott dir helfen kann, ist der Rebbe Reb Loser — Gott soll ihm waarieh jomim sein. Morgen schon, 8ehadds8, werde ich mit dir zu ihm gehen " „Morgen", frug Bele verwundert, „geziemt es sich denn, daß man den Rebbe am Schabbes belästigen soll?" „Du weißt nicht, Beleleben, wie wichtig deine Angelegenheit ist", entgegnete Malke, „es handelt sich nicht allein um deinen häuslichen Frieden, es gilt auch eine Seele zu retten in Israel, die deines Gatten — das ist eine 8kon63 Nefesch — da wird uns der Rebbe auch Schabbes vorlaffen." Ein Weinen kündigte das Erwachen des kleinen Sine an, der seiner Verwunderung über die ihm fremde Umgebung in dieser Weise Ausdruck verlieh. Bele eilte zu ihrem Kinde, um es zu beruhigen; dabet gedachte sie wieder des verlassenen und doch so sehr geliebten Gatten. Fast machte sich eine jener selbstanklagenden Stimmen, wie sie zuweilen in heftigen Seelenbewegungen hervorbrechen, vernehmbar. Noch hallte in ihren Ohren der Zornesruf Josefs „Moredes“, nach — und doch, warum hatte er nicht — selbst einen gewaltsamen Versuch gemacht sie zurück zu halten? Hätte Malke in diesem Momente ihr Augenlicht wieder gewonnen, sie hätte die Thränenperlen bemerken müssen, wie sie jetzt über Beles blasse Wangen herabträufelten. Malke gab der mit der Abendmahlzeit hereintretenden Dienerin den Befehl, ein Gedeck mehr auf den Tisch zu geben. Wir aber wollen jetzt die beiden Frauen verlaffen, um den Blick in ein anderes Haus der „Gasse" zu werfen In dem Ghetto war Alles in den Häusern versammelt, und die Straßen waren menschenleer.

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