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Der Israelit · 1894-04-19 · Heft 32-33 (19.4.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 32-33 (19.4.1894)
Date
1894-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Tjy;• •*» ■' mJ ->v> '1-fi^iww-w» WWWWWW VMWWWW^WW 590 auch für das, was wir verkaufen. Es ist ja nur zu klar, daß dadurch nichts als Mißvergnügen und Unzufriedenheit erregt würde und daß das Ihnen zuerst heimgezahlt werden wird. Auch das betrübt mich. Endlich habe ich Sie gebeten, nicht diese agitatorische Methode zu befolgen. Auch diese meine Bitte hat keinen Erfolg gehabt. Ich besorge, daß der Antrag, den Sie jetzt gestellt, nicht im Sinne der Antragsteller, auch nicht im Sinne der Herren, die hier vor mir sitzen, aber in den Händen derjenigen, die den Antrag draußen benutzen und in die Finger bekommen, ein Agitationsmittel erster Klaffe werden wird, und ich habe Ihnen schon einmal gesagt: Ich habe Sie gewarnt vor der Benutzung des Antisemitismus, das liefe schließlich in dasselbe Faß, aus dem die Sozialdemokraten schöpfen. Ich muß diese Besorgniß heute in noch stärkerem Maße haben. Das, was Sie jetzt thun, erregt eine Unzufriedenheit, die nicht der Landwirthschaft zu Gute kommt, sondern die gerade der sozialdemokratischen Partei zu Gute kommen wird. Ich könnte Ihnen ja aus dem „Vorwärts" mit Leichtigkeit Sätze vorlesen, die das ganz deutlich sagen: Wie die Landwirthschaft diejenige sein wird, die zuerst die Kosten bezahlen wird, wenn das, was Sie wünschen, durchgeht. Das aber wird zu meinem Bedauern schon jetzt nicht mehr zu hindern sein, daß eine Erregung im Lande geschaffen wird, die üble Früchte tragen wird, und das noch einmal hier auszusprechen, habe ich für meine Pflicht gehalten. Sie mögen mir das übel nehmen oder nicht. Ich bedauere, wenn Sie andere Wege gehen. (Bravo! links und in der Mitte.) Frankfurt a. M., 12. April. (Aus dem Friedensverein.) Am Mittwoch Abend hatte der Frankfurter Friedensverein seine Jahresversammlung im „Römischen Kaiser". Herr Regierungsbaumeifter Unfeld-Ulm hielt einen Vortrag über die Thätigkeit der Friedensvereine, vom internationalen und nationalen Standpunkte aus. In dem Bestreben nach Frieden liege ein hoher Sittlichkeitsgedanke, für den namentlich auch die Prediger wirken sollten. Die Aufforderung um Unterstützung ergeht an alle Nationen. Alle Völker richten sich durch den Militarismus zu Grunde, und dennoch scheinen ste von dem Anblick der blitzenden Waffen wie hypnotistrt. Wenn auch durch die Zusammenkünfte der Friedensvereine ein Anfang zur Besserung geschaffen werde, so müsse doch fortwährend auf die öffentliche Meinung gewirkt werden, die allein den endlichen Erfolg verbürge. In nationaler Beziehung haben die Friedensvereine die Aufgabe, den Auswüchsen des Nationalbewußtseins, dem allzuhoch gestiegenen Standes- oder Kastengeist und der schmachvollen Judenhetze entgegenzutreten, sowie für eine Besserung der mangelhaften Jugenderziehung zu sorgen, die jetzt gleichfalls im Bann des Militarismus liegt. Der interessante Vortrag schloß mit einer in dichterischer Form gehaltenen Verherrlichung des Fciedensgedankens und errang lebhaften Beifall. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. März. Die ersten Einjährig-Freiwilligen der Wiener Garnison begingen gestern in feierlicher Weise den Tag, an dem sie vor fünfundzwanzig Jahren in das österreichisch-ungarische Heer eingeretht worden waren. Erwähnenswerth ist der Trknkspruch, welchen der ehemalige Instruktions- Offizier der jubilirenden Einjährig - Freiwilligen Oberstlieutenant Praxa v. Bärenthal hielt. Oberstlieutenant v. Praxa sagte im Laufe seiner Rede: „Es ist heute viel von Kameradschaft gesprochen worden, die Kameradschaft der österreichisch-ungarischen Armee ist nicht nur im Jnlande, sondern auch im Auslande bekannt. Ste fragt nicht nach Nationalität, nicht nach Religion; in festem Zusammenhalten in guten und bösen Tagen sucht sie sich die Herzen einander zu verpflichten. Ich erlaube mir, auf diese Kameradschaft ein Prosit auszubringen!" In Ungarn wogt soeben der Kamps um das Civilehegesetz. In jeder Stadt, in jedem Städtchen, ja in jedem Dorfe wird für und gegen die Reformen mit glühendem Eifer gekämpft; so auch in dem Marktflecken Kovacshaza, wo vorige Woche der Oberstuhlrichter vor der etnberufenen versammelten Gemeinde eine packende Rede für die liberalen Reformgesetze losließ. Das Volk stimmte dem Stuhlrichter begeistert zu, was natürlich den Pfarrer des Marktfleckens in Harnisch brachte. „Heute hast Du Recht behalten", sagte er zum Sruhlrichter, „am nächsten Sonntag wird das Volk auf meiner Seite sein." Und richtig, Sonntags darauf berief der Pfarrer eine anttliberale Versammlung ein und seine Rede verbreitete, stch über folgende Behauptungen: „Die Sakramente", sagte der Pfarrer, „wird künftig, wenn das liberale Gesetz zur Geltung gelangt, der jüdische Schächter austheilen — die Frau wird der Mann schon einen Tag nach der Hochzeit fortjagen können, wenn das paßt und — die Leichenbestattungen werden ohne Pfarrer und Kantor vorgenommen werden." Selbstverständlich übte diese Rede des Pfarrers auf die Bevölkerung von Kovacshaza eine mächtige Wirkung; der Eindruck der freisinnigen Rede des Oberstuhlrichters war wie weggewisctt und das Volk stürmte zur Wohnung des armen jüdischen Schächters und machte sich allen Ernstes daran, den Schächter todtzuschlagen. Der arme Mann verkroch sich angesichts der empörten Menge in einen Winkel seiner

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