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Der Israelit · 1894-04-16 · Heft 31 (16.4.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 31 (16.4.1894)
Date
1894-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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. II M _ im im...»Mim.....II. 576 Keime der medizinischen Gelehrsamkeit inmitten von Völkern, die bis dahin den Interessen unserer Wissenschaft gänzlich verschlossen erschienen. Es bildeten sich kleinere Lokalcentren in Syrien und Persien, und es erwuchsen in immer größerer Zahl Aerzte von Ansehen, welche nicht blos in ihren Hetmathsorten Einfluß gewannen, sondern auch als Apostel der Lehre weithin wirksam wurden. Es ist dies die Zeit, wo Juden und Araber unter den angesehensten Lehrern der Medizin hervortraten. Erst unsere Zeit hat hebräische Manuskripte an das Licht gefördert, welche erkennen lassen, mit welchem Eifer und welcher Gelehrsamkeit jüdische Aerzte des frühen Mittelalters für Erhaltung und Förderung der Medizin thätig gewesen sind; man darf wohl sagen, daß bis in diese Zeit zurück sich die oft erbliche Befähigung der Juden, die seitdem so Großes für die Wissenschaft geleistet haben, verfolgen läßt." -£■ Vermischtes. 4 Mergentheim. Bezugnehmend auf den Artikel in Nr. 16 über die hervorragenden Männer der Gemeinde Mannheim theile Ihnen mit, daß ein Rabbi Simon Ulma in Unterbalbach bei Mergentheim nun N'22 begraben liegt, welcher mit dem Rabbi Ulma von Mannheim in ganz naher Verwandschaft gewesen sein dürfte und ebenso wie dieser eine hervorragende Stellung unter uoy ’jn, wie es auf seiner,"I0Lv bezeichnet ist, einnahm. Daß er Gelehrter und p'NL war, beweist, daß er neben begraben ist. Leopold Ehrlich. Drohobitsch. Nach dem von Herrn Jsak L- Schreiber erstatteten Rechenschaftsbericht gingen im Jahre 1893 in Galizien für den Kolel Galizien im h. Lande 48764 fl. ein, wovon 36669 fl. in Palästina zur Vertheilung kamen- Feuilleton Die Sabdatmner. Erzählung von Bernard Auerbach. (1. Fortsetzung.) Bele schwieg eine Weile. Ihr weiblicher Scharfsinn erkannte sofort, daß der an seinen schwachen Seiten gefaßte Mann nicht mehr durch Ueberredung abzubrtngen sei; ihrer innern Ueberzeugung nach mußte sie wieder festhalten an der Gemeinschaft mit dem alten Judenthum und sich fernhalten von der abtrünnigen Partei der „Schebsen." „Jossef", begann sie wieder mit bitterem wehmüthigen Tone, „wir sind zu Gutem schon acht Jahre in friedlicher Ehe beisammen, gerne habe ich immer deinen Willen gelten lassen — ich bitt' dich das eine Mal, folge mir — laß' ab und bleibe, was du früher gewesen — Kasebsm dorueb du wird uns weiter betstehen."- „Nein, Beleleben", erwiederte Jossef, „ich bin mit Mos Kaf gebunden an sie, nachdem ich mich überzeugt habe, daß die Schebsen mehr wissen, als wir gewöhnliche Menschen." „Und wie hast du das erkannt?" frug neugierig Bele. „Vorige Woche war bet mir hier in der Stub", dabei zeigte Jossef auf den Boden, „Rösel Gerrin mich einladen. Ich Hab' ihr gesagt, sie soll mir geben ein Zeichen der Wahrheit, daß sie kann Newiis (Profezeiung) sagen." „Gut", sagte sie, „setze die zwei Nummern, die ich dir sage, in die Lotterie."-Ich Hab' sie gesetzt und mit den wenigen „Pehm", die ich gehabt habe, ein Ambo gewonnen. „Weißt du jetzt", fügte er sich hoch aufrichtend wie triumphirend hinzu, „daß die Leut mehr können, als „Brod essen", und daß ich Recht habe, wenn ich mich an sie halt'? Dann wirst du nicht nöthig haben, dich in deinem Stückelgeschäft zu Plagen, und auch ich nicht Lobls Meschores zu fein, wenn ich noch mit Gottes Hilfe eine„Terno" machen werde." Jossef glaubte nun vollständig vor seinem Weibe gerechtfertigt zu erscheinen, aber wett entfernt davon hatten Joffefs Worte erst recht Bele verletzt. Man merkte dies an ihrem Auffahren und der Zornesröthe, welche ihre blaffen Wangen überflog. „Gott gerechter", schrie sie, „in meine ehrliche jüdische Stub' is Rösel Gerrin gedrungen und heimlich. Hinter mir hast du all' Dies betrieben! So wahr wir Schabbes Loäeseb haben" — und sie hob dabet den kleinen Sine auf den Arm, — „du hast jetzt zu wählen, Joffef, ob du willst fortgehen von den Schebsen und bleiben bei Weib und Kind, oder ich verlasse Dich — und du kannst mit Rösel Gerrin leben. — Ich verlang nicht ihr sündig Geld und ihren falschen Glauben!" Jossef zuckte mit den Achseln. „Was du verlangst, ist nicht mehr möglich", antwortete er mit gedämpfter Stimme. Bele schlang das Tuch um den Körper des Knaben. „Noch einmal, Jossef", frug sie ein Schluchzen unterdrückend, „erkläre dich — du hast zu wählen, bevor ich deine Schabbesstube verlasse." „Ich bin kein Kind mehr — du aber bist eine „l86he moredes“ (widerspenstige Frau)", schrie Jossef. Ihren Sine fest an sich pressend, wandte sich Bele zur Thür, sie würdigte ihren Mann keines Blickes mehr, dann überschritt die glaubensstarke Frau die Schwelle ihres Heims. Draußen auf dem Gange hörte man noch das krampfhafte Weinen des in allen seinen Gefühlen verletzten Weibes — dann ward es stille und fort enteilte sie durch die Gasse.

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