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Der Israelit · 1894-04-12 · Heft 30 (12.4.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 30 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beilage zu M 30 i»rs „Israelit“. Leitender Artikel. M Uerstihermlg gegen KtelleulostgKeit. Auf Wunsch der Redaction nehme ich zu dieser Frage das Wort, um nachdem in den Nr. 26 und 28 d. Bl. sehr entgegengesetzte Meinungen zu Tage getreten sind, meine Ansicht klarzulegen. Ich wende mich zuerst zu Herrn I. R. Seine Ausführungen beginnen damit, dieSchwiertgleiten des Projektes klarzulegen, schließen aber mit einer völligen Verneinung der Möglichkeit seiner Ausführung. Die Schwierigkeiten einer Neuschöpfung auf diesem Gebiete kann man aber ebenso lebhaft empfinden als der Einsender, ohne zu einem negativen Ergebniß zu kommen. Ich gebe am Schluffe dieses Artikels eine Anzahl Leitsätze, deren genaue Beachtung die meisten jener Bedenken beseitigen dürfte. Hier will ich aber schon konstatiren, daß Herr I. R. sich entschieden im Jrrthnm befindet, wenn er behauptet, daß die größeren kaufmännischen Vereine „von einem geplanten gleichen Unternehmen zurückgekommen sind." Auf der Tagesordnung des am 10. und 11. Juni a. c. stattfindenden Berbandstages der deutschen kaufmännischen Vereine (Mitgliederzahl über 100,000) finden wir als Punkt 6: „Die Fortsetzung der Enquete über Stellenlosigkeit." Diese Enquete ist aber dazu bestimmt die Unterlagen einer entsprechenden Versicherung zu schaffen. Aus meiner eignen Kenntniß kann ich mitthetlen, daß der „Kaufmännische Verein, Frankfurt a. M." *) die Absicht hat, sobald jene Enquete beendet ist, eine Verstcherungskasse für seine 12000 Mitglieder zu errichten. — Herrn I. R. scheint es ferner ganz unbekannt zu sein, daß die Versicherung gegen Stellenlosigkeit in einigen Vereinen über das Stadium des Projektes hinausgekommen ist und in praktischer Gestaltung ihre segensvolle Wirksamkeit bewiesen hat. Ich verweise hier auf einen Artikel „die Versicherung gegen Stellenlosigkeit in der Praxis", den ich in Nr. 174 der „Kfm. Presse", Jahrgang 1893, erscheinen ließ. Aus ihm sei hier nur kurz erwähnt, daß es zwei größere Vereine sind: „Liverpool Clerks Association" und der „Verein der deutschen Kaufleute", welche seit Jahren jene Versicherung für ihre Mitglieder etngeführt und schöne Resultate damit erzielt haben. So hat z. B. der englische Verein im Jahre 1892 an stellenlose Mitglieder M. 16000 Entschäoigungsgelder ausgezahlt. Mit diesen Beispielen ist allerdings noch nicht bewiesen, daß auch eine Spezialkaffe für junge *) Der Verfasser des Artikels gehört selbst dem Borstande dieses Vereinan. D. R. Leute, die v"'i rottr nicht arbeiten, durchführbar ist; es kam mir aber zunächst darauf an, festzustellen, daß im Prinzip gegen die Versicherung sür Stellenlosigkeit nichts eingewendet werden kann. Soll aber eine solche Kaffe lebensfähig bleiben, so hat sie in allererster Linie dafür zu sorgen, daß ihre Clienten, d. h. die z. Z. Unterstützten möglichst rasch eine neue Stelle erhalten. Das einzige Mittel hierfür ist aber eine gut organisirte, weitverzweigte Stellenvermittlung. Leider haben die bisher gemachten Anstrengungen noch nicht dazu geführt eine Stellenvermittlung zu schaffen, die den Ansprüchen, welche für Versicherungszwecke gemacht werden müffen und die man auch sonst stellen muß, wenn mehr als vereinzelte Erfolge erzielt werden sollen, genügte. Formell betrachtet haben wir allerdings einen Ueberfluß an solchen Anstalten: Die hiesige von der „Freien Vereinigung" geleitete, die Breslauer und die letzt gegründete in Hamburg. Die Anstalten in Breslau und Hamburg sind durch ihre ungünstige, geographische Lage wie auch durch ihre schwachen Mittel nicht im Stande eine umsaffende Thätigkeit zu entwickeln, wenn auch gern anerkannt werden soll, daß besonders in Hamburg in kurzer Zeit relativ viel geleistet worden ist. Hier in Frankfurt hätten Lage und Mittel es gestattet eine allen billigen Anforderungen entsprechende Stellenvermittlung zu schaffen, tüchtige Kräfte hätten sich zur Mitwirkung bereit erklärt, aber — im hohen Rathe entschied man anders. Man wollte die Sache klein, ganz klein betreiben und das — ist vortrefflich gelungen! Um jede Mißdeutung fernzuhalten, will ich ausdrücklich bemerken, daß die Motive für jene Entscheidung durchaus redliche waren. Man glaubte eine Stellenvermittlung in grobem Stil betrieben, würde die Mittel der „F. V." anderen Zwecken entziehen. Aber heute dürften wohl auch die Herren im Vorstande der „F. V." eingesehen haben, daß eine gut funktionirende Stellenvermittlung für die Erhaltung des gesetzestreuen Judenthums mindestens so wichtig ist, als die Unterstützung eines ^-Restaurant in irgend einem fashionablen Badeplatze!*) Zur Sache erlaube ich mir — im Interesse der zu schaffenden Versicherungskaffe, wie zur Verbesserung der bestehenden Stellenvermittlung — den Vorständen der drei betheiligten Vereine folgenden Vorschlag zu unterbreiten: a) Die 4 Vereine arbeiten in Zukunft nach gleichem Schema. *) Die „F. 23." hat nach den Mittheilungen ihres geschäftsführenden Ausschusses (wir verweisen besonders aus diejenigen v. Juli 18S3) doch auch noch andere Leistungen vollbracht. Red.

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