Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-04-12 · Heft 30 (12.4.1894) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 30 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448440--38336-2486441
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

546 stellung zu bilden. In der Khille erzählte man sich, daß, als er einst in Dienstangelegenheiten nach Lieben, einem Dorfe bei Prag, gehen mußte und Wiese, Feld und Flur in weiter Ferne vor Au;en sah, er bewundernd ausrief: „Gott wie groß ist Deine Welt!" Menschen von diesem Schlage erkennen selten die geistige Ueberlegenheit Anderer an, um nicht die eigene Einfalt beschämt etngestehen zu müssen. Am allerwenigsten mochte Jossef einen Vorrang seiner Gattin Bele zuerkennen. Wenn Bele, ihrer Einsicht folgend, handelte, so mußte sie dem Gatten erklären, daß sie eigentlich seinen Rathschlägen und seiner Meinung gefolgt wäre. Jetzt öffnete sich die Thür, und mit lautem „Gut Schabbes" Rufe betrat Jossef die festlich erhellte Stube. Seine stattliche Figur deckte der Dreispitz, unter dem ein volles Antlitz mit freundlichen lichtblauen Augen hervorsah. Er trug schon das übliche Feiertagsgewand. Der kleine Sine war der erste, der ihm entgegeneilte, und Jossef legte die Hände segnend auf des Kindes Haupt mit dem Segen des Patriarchen Jakob: „daß er gedeihe, wie Ephraim und Manaffe." Bele stand scheinbar gelassen auf, und dem Manne die Hand reichend, frug sie: „Jossefleben, ist es wahr, was die Leut' sich erzählen — du gehst zu den „Schebsen?" Einen Augenblick wie sinnend blieb Jossef stehen, man merkte es ihm an, daß er ob der un erwarteten Frage verlegen schien. Dann entgegnete er ausweichend: „Was die Leut' sagen, ist nicht meine Sorge; was hat es sie zu kümmern, was ich thu'?" „Dann ist es also wahr", rief Bele in jammerndem Tone, „du Jossef begibst dich auf schlechten Weg. Leider, Gott soll stch's erbarmen, so e einfacher Mensch, wie du einer bist, ist leicht zu fangen; un wenn die Leut' auf uns mit Fingern zeigen werden, weil du gehst mit den Reschoim?" „Weib", brauste Jossef auf, „glaub' nicht, was die Leut' sagen, die die Schebsen verachten. Die Schebsen sind ordentliche Leute." Näher tretend fügte er sanftern Tones hinzu: „Narele, große Leut', Srores, gehören dazu, die mich ausgenommen haben wie ein Bruder den Andern. In der ganzen Welt, was gelt' ich, wer kümmert sich um mich den Schammes? Meinst du denn die Schebsen sind andere Menschen als wir? Gehen sie nicht täglich in Schul' und geben sie nicht Zdoke, wie es sich gebührt? Weil sie mehr im Sohar lernen und eingedrungen sind in die Soides (Geheimnisse) der Thora — deßwegen darf man sie doch nicht verdammen." Das Herz Beles bebte. „Jossef", rief sie schmerzvoll, „haben deßwegen unsere Owes Awossenu gelitten und gestritten, daß Du und mit Dir noch Andere sagen: „Unsere Thotre ist mehr und gilt mehr, als die, was über Elef Schonim sich bewährt hat? Willst du mehr verstehen als unser Präger Row, secher zadik liwrocho, der die Schebsen in Oberem gelegt hat?" „Was verstehst du Weib von Thoire und dem Derech Oilam," entgegnete Jossef wieder heftig werdend, „wenn ich auch aus den 8torim Kedoschim, die sie haben, lerne, deßwegen werd' ich doch „ein ehrlicher Jüd" bleiben all mein Leben. Nit erleben wird es Einer in der Khille, daß man wird mit Recht sagen können: „Jossef Paffowitz hat aufgehört e Odern Choschuw“ zu sein." (Fortsetzung folgt.) Der „I 8 t a e l i t" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs ffir Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'ö Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de« Duchhanbel ju beziehen bei E. $. Stetnackrr« Frtpsig, Drßplah 16. — Inserate 26 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Franeozusendung unter Streifband pr-o Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactiou eingesaudteu Maunscripte« findet nicht statt, mau bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Eopie zurückzubehalteu. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Hagabah schel Peßach. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Darnrstadt. Berlin. Aus Berent. Bonn. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Krakau. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Sabbatianer. Erzählung von Bernard Auerbach. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. — England: London. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Pinne. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — Vermischtes. Inhalt der dritten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Rußland: Petersburg. Anhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. _ Verantwortliche Redactiin: OScar Lehmann in Mainz. - Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.