Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 30 (12.4.1894)
- Date
- 1894-04-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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544 indem der Agent das Absatzgebiet entdeckt und erforscht, die Kaufkraft und Creditfähigkett deS Abnehmers am Platze persönlich prüft und bestimmt, daß der größte Theil der Handelsagenten überhaupt, und insbesondere jener Westgaltztens aus Angehörigen der jüdischen Confesston besteht und daher, falls die in Rußland gegen österreichische Staatsangehörige jüdischer Confesston derzeit bestehenden Beschränkungen durch den Handelsvertrag nicht beseitigt werden, der Abschluß eines Handelsvertrages in Rußland für die österreichische Industrie von geringem Werthe erscheinen würde. Es wird daher gebeten, das Abgeordnetenhaus wolle der hohen k. k. Regierung empfehlen, in die Vorlage über den Handelsvertrag mit Rußland die Bestimmung aufzunehmen, daß österreichischen Handelsagenten und Kaufleuten in Ausübung ihres Berufes das Reisen und der Aufenthalt im russischen Reiche nach Maßgabe der anderen Staaten in den Handelsverträgen eingeräumten Begünstigung bewilligt werde. > vermischtes. < Für Cultusbeamte in kleinen Gemeinden ist eS von Wichtigkeit darauf hinzuweisen, daß sie, falls sie BerficherungSmarken in die QutttungSbücher einkleben, beim Eintritt des 70. Lebensjahres Anspruch auf die Altersrente und später auch auf die JnvaliditätSrente erheben'können. Ein solcher Fall lieAt jetzt aus Nicolai vor. Der dortige Vertreter und Schächter, welcher seit Emanirung des Gesetzes über die Alters- und Invaliditäts-Versicherung die BerstcherungSmarken einklebte, stellte den Antrag auf Gewährung der Alters- und JnvaliditätSrente. Er stellte unter Beweis, daß er kein künstlerisch ausgebildeter Cantor, sondern nur einfacher Vorbeter sei. Die Qualität des Schächters entspricht gleichfalls den Anforderungen des Gesetzes über die Altersversicherung. Daraufhin wurde sein Antrag berücksichtigt und ihm eine angemeffene Rente zugebilligt. Unseres Wissens machen von dieser Rechts-Wohlthat in OSerschlesten auch die greisen, wenig leistungsfähigen CultuSbeamten der Gemeinde Eosel und Laurahütte Gebrauch. Diejenigen CultuSbeamten, welche rechtlichen Anspruch auf Gewährung der Alters- und JnvaliditätSrente erheben dürfen, sollten nicht verfehlen, mit ihren gesetzlichen Pflichten und Rechten sich genau auseinanderzusetzen und geeigneten Falles daS ihnen zustehende Recht wirksam wahrzunehmen. Den greisen, nicht mehr arbeitsfähigen CultuSbeamten der kleinen Gemeinden kann die Altersrente, und sei sie auch klein bemessen, sehr wohl zu Statten kommen. Dabei drückt sie nicht das beschämende Bewußtsein, ein verschämtes Almosen zu empfangen, sondern einen Betrag, welcher ihnen von Gesetzes und Rechtes wegen zukommt. (Jsr. Wchschr.) Schildberg. Posen 20. März.*) '"NpO -g rottf hielt der RabbinatS-Candidat Herr Dr. M. L. Bamberger aus Aschaffenburg hier Probevortrag. Abends versammelten sich der Frauenverein behufs Rechnungslegung u. Neuwahl. Aus dem Eassenbestand, der sich hoher als im Vorjahr herausstellte, wurde dem Jacob und Peril Süßman'schen Eheleuten, welche am 28. d. M. ihre goldene Hochzeit feiern, ein größeres Geldgeschenk bewilligt, die Vorsteherinnen Frau RoSchen Schwarz, Frau Dr. Minna Singer, Frau *) Durch Versehen des Metteurs verspätet ausgenommen. Red. Johanna Unger und die Rendantin Frau Helene Schwarz wurden durch Aclamation wiedergewählt. Die Vorsteherinnen legten der Versammlung einen Beschluß vor, nach welchem der Frauenverein gehalten sein soll, weibliche Kranke zu unterstützen, zu pflegen und nöthigen Falles bei ihnen Nachtwachen zu halten. Der Beschluß wurde einstimmig angenommen, und erhielt der Frauenverein den Namen Frauen- und Krankenpflegeverein. YiN 't wurden Vorsteherin und Rendantin von der man zum Feste geladen und weihte der anwesende RabbinatS-Candidat Herr Dr. Bamberger den Verband deS Frauenvereins durch ein kräftiges *p“0’ ein. Den darauffogenden Tag wurde Herr Dr. Bamberger an Stelle des verstorbenen Rabbiner Schreiber vom CorporationSvorstand und Repräsentanten-Collegium einstimmig als Rabbiner gewählt u> wird derselbe am ersten April die Stelle antreten, M. F. Landau, 22. März. RabbinatSverweser Dr. B. Einstein in Laupheim wurde zum Rabbiner in Landau gewählt. Feuilleton. Dir Sabbalmner. Erzählung von Vernarb Auerbach. I. Es war an einem Freitage des März im Jahre 1810. — Im Hause des Gemetndedieners Josef Paffowitz in Prag war Alles vorbereitet, um die „Braut der Woche", den Sabbat zu begrüßen. Die Hausfrau Bele hatte schon der Lampe die Dochte aufgesteckt, das weiße Linnen über den massiven, alterthümlichen Tisch ausgebreitet und stand jetzt, das Werk ihrer Hände nochmals mit sorgsamem Blicke prüfend, bei dem großen Lehnseffel, als plötzlich, die Thüre rasch aufstoßend, ein schöner, etwa sechsjähriger Knabe in das Zimmer lief.-Bele miiöte es seiner Eile und seinen raschen Athemzügen gleich anmerken, daß ihrem „Sine" — es war ihr einziges Kind etwas Außergewöhnliches zugestoßen sei. „Sineleben, mein Goldkind, was ist dir ge» schehen? frug sie dem Kleinen entgegeneilend und mit besorgter Zärtlichkeit einen Kuß auf die locken» umwallte Stirn des Knaben drückend. „Mamme," erzählte dieser nach einigen tief Athemzügen, „wir Jünglech haben gespaßt, und wie der alte Schebs Schimme Rehle ts grad' vorübergegangen, senn' wir Alle nach un haben nachgerufen: „Mäh, Mäh aber wie der sich auf einmahl umdreht, laufen Alle weg, ich aber Hab' es verpaßt, da hat er mich erwischt." — „Hat er dich gar geschlagen," schrie beinahe Bele auf. „Rein, Mamme, das nicht, aber bei der Hand hat er mich genommen un hat gefragt: „Kind, Kind, wem gehörst du an? Ich Hab' gesagt Vaters Namen, da hat er gelacht und sagt zu mir: „Geh'