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Der Israelit · 1894-04-12 · Heft 30 (12.4.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 30 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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541 dieses Hasses ist die alles zermalmende Zeit schonunglos htngegangen. Egypten, Babel, Rom, alle seine kleinen und großen Verfolger unterlagen, nur das Verfolgte lebt und ist noch immer das bestgehaßte unter allen Völkern. Die erste egypttfche Judenverfolgung hat die Juden gefeit gegen alle ihre Nachfolgerinnen. Das jüdische Volk ist unter einer Judenverfolgung sondergleichen geboren, deßhalb hat es alle späteren überdauern können. Die vollendete Ohnmacht seines Volkes auf der einen, den mit allen Mitteln der Politik und Gewalt ausgerüsteten Judenhaß auf der anderen Seite, die starke Gotteshand, welche die Verfolgten aus ihrem Elend in die Freiheit hob, während sie die übermüthigen Verfolger in den Abgrund schleuderte, diese Hauptmomente belebt täglich jeder treue Sohn dieses Volkes aufs neue. An die schwache, linke Menschenhand legt er das Zeugniß von der über ihm waltenden starken Gotteshand. Das Zeichen der Unterordnuug seines Geistes und Herzens, seines Denkens und Empfindens unter das Regime dieser Gotteshand ist ihm der rettende Talisman aus jeder Judenverfolgung. wi T'V *n ot? ’D pan 'vy inti ('i rra*Q) vHinw "idin Vmn n’Jpd Das Gedächtniß jener ersten Judenverfolgung und ihres wunderbaren Ausgangs stattet nach tausenden von Jahren noch alltäglich jeden betenden Juden mit einer so vertrauensvollen Zuversicht aus, daß es keinen Wunsch und keine Bitte gibt, deren Erfüllung er nicht deßhalb von seinem Gotte zu erhoffen wagte, weil Gott schon Größeres und Wunderbareres gewirkt hat, als er damals Israel erlöste. (p6bp^ nyiw m’dd). Und alljährlich, wenn der belebende Strahl der Frühlingssonne die eisigen Bande sprengt, in welche der Winter das erstarrte Leben der Natur gebannt, feiert dieses Volk die Erinnerung an jene Zeit, in welcher ihm Gottes mächtige Vaterliebe die Fesseln gelöst, die ihm kalt berechnender Judenhaß geschmiedet, und dieses Gedächtniß ist es, das den über das weite Erdenrund zerstreuten Gliedern dieses Volkes Bestand verliehen, wenn nicht blos vereinzelte Judenfeinde, sondern wenn sich Generation um Generation gegen dasselbe erhoben und Gott es vor ihrer Gewalt geschützt hat. (/idd) Deßhalb hat die Geschichte der ersten Judenverfolgung für die späten Enkel der Verfolgten mehr als ein gewöhnliches historisches Interesse. Ihre Bedeutsamkeit ragt aus der fernen Vergangenheit in jede frische Gegenwart hinein. Wer will den Anthetl ermessen, den die mit ungetrübter Frische seit tausenden von Jahren lebendig gehaltene Erinnerung jener ersten Judenverfolgung an dem Muh und der Ausdauer, an dem Hoffen und Dulden hat, womit dieses Volk alle anderen zahllosen Verfolgungen ertrug und erträgt? Wie winzig und machtlos das auf die Menschenliebe und den Rechtssinn seiner Umgebung angewiesene jüdische Volk stch selbst auch erscheinen, wie imponirend auch der Judenhaß sein Haupt erheben, hier neue Verfolgungen anzetteln und dort auf dem Brandschutt jüdischer Häuser, auf den Trümmern jüdischen Famtlienglücks seine Orgien feiern mag, wer die alte Mahnung, die erste Judenverfolgung und ihren Ausgang niemals zu vergessen, s o beherzigt, daß er in jeder Zeit sich wie selbst aus Mizrajtm gezogen ansieht, den wird kein verhängnißvoller Wechsel der öffentlichen Meinung überraschen und muthlos machen können. Wer weiß, ob eine solche richtige Würdigung des Auszugs aus Egypten nicht die furchtbare Katastrophe zurückgehalten hätte, die uns nun schon so viele Jahrhunderte das Brod der Verbannung genießen läßt? ibw ’oy ’jy rw tpkp nto omp Drv’n orvai iV« 'D «jy pn Ti nfo D’np on« dp'di &bv vtcoy onsoa (rm» Brno) . a’w ^>“un Deßhalb schickt Rabbon Gamliel die Mahnung an die Bedeutsamkeit der Festsymbole, nso, nos, nnoi voraus, welche das Gedächtniß des Auszugs aus Egypten in seinen einzelnen Phasen uns immer gegenwärtig halten, weil ihnen vor allen die Kraft innewohnt, jeden Einzelnen so in die Geschichte des Festes zu vertiefen, bis auch er davon durchdrungen ist, daß mit der Erlösung unserer Väter auch die unsere für alle Zeit besiegelt ist: unw *]« nVn n"apn naVa irma« pn . dnoy (Fortsetzung folgt.) Zeitungsuachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Darmstadt, 7. April. (Zweite hessische Kammer.) Die Budgetberathung wurde beim Abschnitt „Sectton für Justizverwaltung" fortgesetzt und nahm das Wort der Abgeordnete Schmitt, welcher ausführte, daß in Rheinhessen zwischen Richter- und Anwaltstand das denkbar beste Einvernehmen herrsche. Um die Berufsfreudigkeit der pflichtgetreuen Richter zu erhöhen, habe er stch veranlaßt gesehen, vorhandene Beschwerden vorzubrtngen. In Mainz sei es zum Beispiel vorgekommen, daß man 4 Amtsrichtern, die dort bleiben wollten, gedroht habe, sie würden niemals in's Kolleg kommen, wenn sie nicht zuvor auf's Land gingen. Das bedeute einen Eingriff in die Unabsetzbarkeit der Richter, gegen den er Protest erhebe. Ferner mangle es in der einen Abtheilung des Amtsgerichts an einem Zeugenzimmer und die

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