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Der Israelit · 1894-04-12 · Heft 30 (12.4.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 30 (12.4.1894)
Date
1894-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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540 Familien der Erde bringen sollte, so dürfte auch das seinen Nachkommen auf fremdem Boden wartende Geschick in anderem Lichte erscheinen. Dann hat vielleicht Abraham nie eine trostreichere Zusicherung erhalten als die in den Worten >3 jnn jn* Dn» rvrv "u niedergelegte, aber jedenfalls keine, die geeigneter war, die Befürchtungen zu zerstreuen, denen er entgegen treten sollte. Abraham empfindet es schmerzlich, daß er allein die Gottessache auf Erden vertritt, daß ihm nur ein Knecht, aber nicht sein Fleisch und Blut, dabei zur Seite steht, daß er die Kinder, die ihm Gott verheißen, noch nicht besitzt und daß sie ihm vielleicht erst zu einer Zeit gewährt werden, in der er sie nicht mehr als Gottes-Herolde erziehen kann, und Gott versichert dem Ahn des israelitischen Volkes, daß es ihm noch so voll und ganz gelingen werde seinen Geist, seinen Nachkommen zu vererben, daß man sie als Fremde behandeln wird, weil sie seine Nachkommen, die treuen Fortträger seiner Gesinnung sein werden. Ein Knecht wird nicht der Erbe, der Erbe wird ein Knecht sein und so theuer wird ihm das abrahamitische Vätererbe sein, daß er eine vterhundertjährige Tyrannei dem Preisgeben dieses Vätererbes vorzteht. Dadurch wird das Bewußtsein von der Macht des Gottesgedankens auch in die wahnumnachteten Kreise der anderen Völker getragen. Das Volk, dessen König erst trotzig spricht, ich kenne Gott nicht, richtet Gott selber. Es lernt die Macht ahnen, die aus die Sette des geächteten Sklavenstammes tritt. Es lernt den Gott fürchten, in dessen Dienst ein Moses seine Sendung vollzieht. Es sieht den Gottesfinger, der seinen Weisen das Bekenntniß ihrer Ohnmacht abringt und fühlt die Wacht der Gotteshand, in deren Dienst die Meeresfluthen stehen, um den hilflosen Sklaven freien Durchzug und den mächtigen Zwingherren das Wellengrab zu bereiten. Dieser Triumph der von Abraham gelehrten, an seinem Volke aber sich so offenkundig vor aller Welt Augen bewährenden Macht des Gottesgedankens ist die reiche Eerungenschast, — tma 0131 — welche die aus der Knechtschaft Ziehenden mit hinaus in die Freiheit nehmen werden. Das Bewußtsein von Gott der Menschheit zu bringen war das Hochziel dem Dnma tqvv und onxo nN’S’ dienten. Aber dieses Ziel war mit der Knechtschaft in Egypten und der Befreiung aus derselben nur für die damalige Zeit und für einen beschränkten Kreis von Völkern erreicht. Damit das, was unsere Väter damals dem Irrwahn der Völker an Erkenntniß und Anerkenntniß Gottes abrangen, nicht im Laufe der Zeit verloren gehe, mußte Israel noch ungezählte Jahrhunderte und Jahrtausende in Knechtsgestalt unscheinbar, abhängig und schwach, verachtet, gehaßt, verfolgt und — geduldet unter mächtigen Staaten und Völkern sein Dasein fristen. Daß es sich in dieser Winzigkeit und Schwäche trotz aller Feindschaft und Verkümmerung erhält, daß es, dem man das Dasein in jeder Gegenwart abspricht, nicht den Muth verliert, die Zukunft zu reklamiren, daß es, von aller Welt unter die Todten registrirt, alle Registratoren aller Zeiten überdauert, das ist die Eonsequenz und Fortsetzung des Jeziath-Mtzrajtm- Wunders, wie sie sich täglich in jeder Zeit manifestirt. Als König Friedrich II. dem Hofprediger Schubert, die Frage nach einem kurzen und bündigen Beweis für das Dasein Gottes vorlegte, erwiederte dieser: Die Juden! ny ans Ihr seid meine Zeugen! hat Gott zu Israel gesprochen und diese Zeugenschaft für das Dasein Gottes ist Israels Beruf, dem es unter Druck und Hohn unter Verkennung und Verachtung am glänzendsten gerecht wird. Daß es Israel nicht an Bedrückern und Todfeinden zu jeder Zeit gefehlt hat, das ist ihm beiqestanden, daß das Gottesbewußtsein unter den Völkern, welches die Väter angebahnt hatten im Laufe der Jahrhunderte nicht der Vergessenheit anheim siel. Das ist der Sinn einer früheren Stelle der Peßach-Hagada: *y^>y noy nnw uVi UTra*6 -iivyw ljmW wfy DHDiy T!11 IM ^>33 i? .DTD iH'Lv n"3pni „Folgendes ist es was unfern Vätern und uns die feste Stellung gab; nicht einer allein ist gegen uns aufgestanden uns zu vernichten, sondern in jeder und jeder Zeit standen sie auf zu unserer Vernichtung und der Heilige gepriesen sei er, hat uns aus ihrer Hand gerettet." Deshalb betont auch Rabbon Gamliel ^>2 ini in, daß jede Zeit mit ihren Kämpfen und Stegen, mit ihrem Trüben und Heitern nichts anders ist, als eine Fortsetzung des Jeziath-Mizrajtm-Wunders. Was die Väter mit ihrem Auszug aus Mtzrajtm conftattrten, das wiederholt sich in der siegreichen Ueberwindung alles Feindlichen und Gehässigen, womit uns eine lieblose Zeit die Fristung des bloßen Daseins erschweren und vergällen möchte. Unsere Ankläger sind in der That unsere beredtesten Anwälte. Welches Zeugniß mächtiger Lebenskraft stellt der blinde Judenhaß doch selber dem Gegenstand seines Haffes aus, wenn er List und Vorurtheil, Neid und Verleumdung, wenn er Schwert und Feuer, kurz alle Ausgeburten des Wahns unter die Waffen rufen mutz, um das vterthalb Jahrtausende zählende Volk todt zu lügen und todt zu schlagen! Und es gelingt ihm nicht. Wohl ist der Judenhaß so alt als die Geschichte des israelitischen Volkes, aber über die Partisane

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