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Der Israelit · 1894-04-09 · Heft 29 (9.4.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 29 (9.4.1894)
Date
1894-04-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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(«PP Qualtsication der Bezeichnung „Bube", das ist an der eigentlichen Beschimpfung nichts ändert. Bei Bemessung der Strafe mußte der erkennende Richter in Berücksichtigung ziehen, daß die strafbare That, die incrtminirte Aeußerung, an einem Orte begangen wurde, der, wie es im § 496 St. G. ausdrücklich heißt, „besondere Anständigkeit vorschreibt". Es sei unzweifelhaft, daß eine öffentliche Gemetnderathssitzung als ein solcher Ort betrachtet werden muß. Aus diesem Grunde sah sich der Richter gezwungen, den in diesem Falle gesetzlich vorgeschriebenen höheren Strafsatz in Anwendung zu bringen und auf eine Arreftstrafe zu erkennen. Der Richter habe aber die äußerste Liebe walten lassen und sei weit unter das geringste Strafausmaß abgegangen, indem er als erschwerend gar nichts, als mildernd dagegen eine Reihe von Umständen, insbesondere den annahm, daß der Angeklagte durch die wiederholten Angriffe Gregorig's in eine vollkommen begreifliche Aufregung gerathen war. Die Angelegenheit ist übrigens noch nicht endgiltig entschieden; über dieselbe wird noch das Apeügericht zu urtheilen haben. Baurath Sttaßny erhielt aus allen Kreisen der fortschrittlichen Bürgerschaft ehrende Sympathie-Kundgebungen, darunter ein von etwa fünfzig Mitgliedern des Gemeinderathes unterzeichnetes Schreiben folgenden Inhaltes: Hochgeehrter Herr Collega! Unter dem Eindrücke der Nachricht von dem Ausgange des wider Sie verhandelten Processes drängt es uns, Ihnen — uns jeder Kritik des Urtheiles enthaltend — von Neuem unsere herzliche Sympathie und unsere besondere Hochachtung zum Ausdrucke zu bringen." Prag, 4. April. Der Redacteur des czechischen Anttsemitenblattes Huschek veröffentlichte eine Nachricht, wonach in Chotzen der Schächter Loewy einem Ehristen, dem „braven" Horky zu rituellen Zwecken Blut abgezapft und demselben 2 fl. gegeben habe. Bei der Gerichtsverhandlung erklärte Horky, ein notorischer Säufer, der an Hallucinationen leidet, die ganze Geschichte erfunden zu haben. Husche! wurde zu vierzehn Tagen mit zwei Fasttagen verschärften Kerkers verurtheilt. Slauislau. (Eine antisemitische Urtheils- Motivirung.) Zu Beginn dieses Jahres machte die Begründung eines Urtheiles, die von Seite des Gerichtsadjunkten Piskozub dahier erflossen, viel von sich reden und wurde zumal in der antisemitischen Presse als ein kultnrhistorisches Eretgniß bejubelt. Der genannte Richter motivirte nämlich einen gegen zwei Juden gefällten Schuldspruch damit, „daß die jüdische Frechheit und Raffintrthett seit einiger Zeit alle Grenzen der Geduld überschreiten, daß es daher sich ziemte, einmal^ mit einer exemplarischen Strafe die Gefährlichkeit^der andersgläubigen Bevölkerung zu marktren." Me nun aus Stantslau dem Wiener Organe zur Abwehr des Antisemitismus, dem „Freien Blatt", berichtet wird, hat das dortige Kretsgericht das betreffende Urtheil aufgehoben und den einen Angeklagten von der Anklage befreit, den anderen zu einer Arreststrafe von drei Tagen, die in eine Geldstrafe von 15 fl. verwandelt wurde, verurtheilt. Die Begründung jenes Urtheiles aber ist Gegenstand einer Disciplinar-Untersuchung gegen den Gerichtsadjuncten Piskozub. England. London, 2. April. Auf der am Samstag Abend abgehaltenen Jahresversammlung des jüdischen Armenpflegerathes erklärte der Vorsitzende, der Parlamentsabgeordnete Benjamin L. Cohen, daß die Regierung mit dem Rathe übereingekommen sei, in Zukunft die Einwanderung völlig mittelloser polnischer Juden zu beschränken oder ganz zu verhindern. Damit würden die Beschwerden, welche im Ostende gegen diese Art Einwanderer erhoben worden seien, in Wegfall kommen. London, 3. April. Die heute stattgefundene Sitzung des Councils der United Synagogue war eine der wichtigsten und denkwürdigsten seit dem Bestehen der United Synagogue. Es wurde nämlich beschlossen, die Riesensynagoge für die polnischen Juden in Eastend mit einem großartigen man rva verbunden, zu erbauen. Seit ca. 2 Jahren wurde über dieses Unternehmen hin und her debattirt. Lord Rothschild der für und Mr. Montague, der gegen die Erbauung dieser colossalen Synagoge war, einigten sich dahin, die Entscheidung einem engeren Comits zu überlassen. Das Comitv entschied dahin, die Synagoge zu erbauen und die Summe von L. 15000 für den Ankauf des Platzes zu bewilligen. Italien. Mailand, 27. März. Wie man weiß, ist neuerdings in der Schweiz das Schächten verboten worden. Die jüdischen Schweizer lassen infolge dessen ihr Schlachtvieh in Italien schlachten. In Luino am Lago Maggiore ist ein großes jüdisches Schlachthaus errichtet worden, in dem wöchentlich 30 Rinder und gegen 100 Kälber geschlachtet und dann nach fast allen Kantonen der Schweiz versandt werden. Bei dieser Gelegenheit kommen auch die ärmeren Bevölkerungsklassen von Lutno billig zu gutem Fletsch. Die minder werthvollen Thetle der geschlachteten Rinder werden nicht nach der Schweiz versandt, sondern an Ort und Stelle zu dreißig Centesimt das Kilogramm verkauft.

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