Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1894)
- Date
- 1894-04-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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524 Hoffnung, soweit Menschenaugen sehen konnten, für alle Zeit ausgeschloffen. Mizrajim war onay ma, war das Land, in welchem die Sklaverei zu Hause war. Die gesammte Bevölkerung war scharf in Kasten geschieden, in welcher eine über der anderen stand und die höhere die niedere ihre Uebermacht fühlen ließ. Das war ein wohlgefügter, auf Knechtung der Einzelnen berechneter Organismus. Die unterste Kaste, auf der sich alle tummeln konnten, war das Volk der Söhne Israels. Sie waren die Heloten und Parias der Gesellschaft, an welchen Jeder sein Müthchen kühlen konnte, um stch für die Devotion nach oben, durch Willkür nach unten zu entschädigen. „Aus Egypten ist noch niemals ein Knecht entflohen", lautet daher ein Erfahrungssatz unserer Ueberlieferung, und in diesem despotischen Kastenstaat, in Egypten, hatte ein ganzes Volk kein anderes Ziel, als unfern Vätern das Leben zu verbittern. Das ist die Betonung, welche unsere Hagadah auf die Egypter in Egypten legt, wenn sie die Bitterkeit mit den Worten einleitet: D^nyoa lrtvas "n ns o Piston mo». Dadurch trug nicht nur die Lehm-Arbeit und das Ziegelbrennen, sondern auch jede Feldarbeit, die sonst an und für stch ja nichts Entwürdigendes an sich haben, den Ebarakter chikanöser Härte, toi otoai noina ntrp nnnya cn^n ns nnon . *pra Dnzi nay ntps cnmay hi ns maso miay Tausende von Menschen vollziehen diese Arbeiten, theils aus freier Wahl, theils durch äußere Verhältnisse genöthigt, ohne daß diese Arbeitsleistung an und für sich, selbst wenn sie anstrengend und beschwerlich ist, mehr als eine andere Beschäftigung hart und beschwerlich genannt werden kann. Wenn uns daher in Egypten harter, schwerer Dienst auferlegt wurde, so kann die Härte nicht in der Arbeit als solcher liegen, sondern in der Art und Weise, wie diese Arbeit von ihnen verlangt wurde. Das Unmenschliche lag eben darin, daß die Egypter die Kinder Israels, ytsa, zur Arbeit anhielten. Indem wir dieses Wort mit „aufreibender Härte" übersetzten, haben wir seinen Sinn nur ungenügend wiedergegeben. Unsere Weisen erklären es in doppeltem Sinn: in n»a, „mit guten Worten" und nns bv isn nanson nmaya, „mit einer Arbeit, die den menschlichen Körper aufreibt." Die Endabsicht der Egypter war darauf gerichtet uns durch List und Gewalt aus dem Wege zu schaffen. Das sagten sie aber nie heraus; im Gegentheil je hinterlistiger ihre Pläne und je brutaler ihre Gewaltakte waren, umsomehr hatten sie das Bedürfniß die Sache recht glatt und harmlos oarzustellen. Man ersann zuerst das Märchen von der Gemetngefährlichkeit der Israeliten, von ihren hoch- und landesverräthertschen Umtrieben und mag dann mit officiellem Bedauern die Notwendigkeit betont haben, im Interesse der öffentlichen Ordnung so harte Repressalien ergreifen zu müssen. Es hat sich das in späteren Zeiten oft wiederholt und kommt auch in unserer Zeit leider nur zu häufig vor. Wenn man z. B. die Beschäftigung mit der Thora, Mtla, Sabbat und vieles andere uns bet Todesstrafe verboten hat, so sind diese unerhörten Eingriffe in unsere innersten, heiligsten Anliegen immer in nsa, mit schönen Worten und unter verbindlichen Formen erfolgt. Weil man wünscht, daß die isolirende Sonderstellung d<r Juden aufhören solle, sollen sie mit ihrer Thora dem Quell entsagen, aus dem sie ihre Eigenart schöpfen. Um stch nicht in frühester Jugend selbst zu verstümmeln, verbot man aus lauter Humanität, die Einführung in das abrahamittsche Bündniß; um ihnen das Leben und die Gewinnung der Mittel zum Leben zu erleichtern, verbot man ihnen ihre Tage der Ruhe. Wenn die Judenfeinde unserer Tage uns das Leben durch Entziehung des Fleischgenusses verbittern möchten, so Hecken sie — aus lauter Humanität für die Thiere — eine Schächtfrage aus und verwahren stch feierlich mit ganz schönen Worten in hm dagegen, daß sie Judenfeinde seien. In dieser Rohheit, die sich in schöne Worte kleidet und von Menschenliebe und Fortschritt trieft, lag und liegt das Empörende des an uns verübten Unrechts. Die roh zutappende brutale Gewalt ist nicht so verletzend als die heuchlerische Maske, unter der sie geübt wird. Das dürften die Worte besagen: .rw? nnuy iyby wi ijuyn anson um« iynn „Die Egypter thaten freundlich gegen uns (von yn wie o»to ym) machten uns aber dabei arm und legten uns harte Arbeit auf!" Nach der anderen Auffassung des Wortes T®a, welche darin eine die Kräfte des Körpers aufreibende Arbeit findet, hat das Aufreibende darin bestanden, daß man bet der ihnen zugewiesenen Arbeit nicht nur keine Rücksicht auf die Neigung und auf den Umstand nahm, ob sich der Betreffende auch für die Arbeit durch Anlage, Fähigkeit, und Körperkraft eigne, sondern daß man geradezu es darauf anlegte, jedem die Arbeit zuzuweisen, die ihm in Folge seiner Constitution und L bensgewohnheit am wenigsten angemessen war. Als Beispiel hebt Rabbi Samuel ben Nachmeni die Thatsache hervor, man habe Arbeiten, die sonst Frauen obliegen, den Männern, und die den Männern eigenthümlichen den Frauen übertragen. (Talmud Sotah fol. 11.) Vsiotr »an ncs "psa ona nay ntFN Dnmay Va ns rnasto d’eonV amn rnasbo yv^nv vnp ’jom na . nw&